Schloss Albrechtsberg

Burgen und Schlösser – in und um Dresden

A ls ehemalige Residenzstadt beherbergt Dresden und das Umland viele prachtvolle Burgen. Diese Bauten stammen aus unterschiedlichsten Epochen – vom frühen Mittelalter bis ins letzte Jahrhundert. Vier Schlösser und Burgen im Porträt

Dresdner Schloss/Residenzschloss

Residenzschloss Dresden

Alter: ca. 730 Jahre (erstmals erwähnt 1289)

prominente Bewohner: Seit Herzog Albrecht der Beherzte 1485 das Schloss zu seiner Residenz erkor, diente es bis 1918 allen Sächsischen Kurfürsten und Königen als Stammsitz. Der bekannteste unter ihnen ist natürlich August der Starke (1670-1733).

verbürgte Liebesverhältnisse: Die größten Legenden ranken sich um die Gräfin Cosel, die Mätresse August des Starken. Der Kurfürst brachte sie im benachbarten Taschenbergpalais unter, um sie in seiner Nähe zu haben. Damit sie es wirklich nicht zu weit hatte, führte angeblich ein „Kommunikationsgang“ vom Palais direkt ins königliche Schlafgemach. Die heutige Brücke entstand allerdings erst im 19. Jh.

überstandene Katastrophen: Am 13. Februar 1945 brannte das Schloss nach Bombentreffern vollständig aus. Die Dresdner schützten die Fassadenreste mit Notüberdachungen, bis die DDR-Führung 1985 den Beschluss zum Wiederaufbau fasste.

Umbauten: Durch mehreren Erweiterungen und Umbauten im 15. und 16. Jahrhundert wurde aus der einstigen Burg ein Renaissanceschloss. Beim großen Schlossumbau von 1889–1901 betonten die Architekten Dunger und Frölich diesen Charakter mit einer dicken Schicht Neorenaissance.

Romantikfaktor: Niedrig, denn das Residenzschloss diente dem Renommee der Wettiner und nicht als lauschiger Rückzugsort.

Gruselfaktor: Niedrig. Der Publikumsverkehr in den hier beheimateten Museen der Staatlichen Kunstsammlungen lässt keinen Platz für Gespensterbiotope.

Überraschung: Bis auf die Räume des Grünen Gewölbes, ein paar Fassaden und Treppentürmen wurden alle Gebäudeteile nach 1985 erbaut.

Schloss Albrechtsberg

Schloss Albrechtsberg

Alter: knapp 160 Jahre (erbaut von 1850-1854)

prominente Bewohner: Prinz Albrecht von Preußen (1809-1872)

verbürgte Liebesverhältnisse: Weil er unbedingt die nicht standesgemäße Rosalie von Rauch heiraten wollte und sich dafür auch noch von seiner Ehefrau Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau trennen musste, verzichtete Prinz Albrecht auf den Preußischen Thron und auch auf einen Wohnsitz in Preußen. Für sein Leben mit Rosalie ließ er dieses Schloss bauen.

überstandene Katastrophen: Wilhelm Graf von Hohenau, der erste Sohn von Albrecht und Rosalie, erbte das Schloss, musste es aber wegen hoher Spielschulden an die Stadt Dresden verkaufen.

Umbauten:
Keine, das Schloss ist mitsamt seiner klassizistischen Wandmalereien noch im originalen Zustand.

Romantikfaktor: Hoch! Der weitläufige Schlosspark ist im Stil eines Englischen Gartens angelegt, bietet Teiche, Bachläufe, Kunstruinen, Ausblicke und auch noch das Römische Bad – ein Pool der Königsklasse.

Gruselfaktor: Spätestens die DDR-Nutzung als Pionierpalast, also als Haus voller Sport-, Kunst- und Wissenschaftsangeboten für Kinder, hat die letzten Gespenster vertrieben.

Überraschung: Für den Defa-Märchenfilm „Der kleine Muck“ diente das reichverzierte Türkischen Bad im Schloss als Drehort.

Schloss Pillnitz

Elbhangfest: Konzert am Schloss Pillnitz

Alter: fast 300 Jahre (erbaut von 1720-1826)

prominente Bewohner: 1713 bis 1715 wohnte die Gräfin Cosel im Schloss – damals noch eine Renaissanceanlage.

Liebesverhältnisse: Das Schloss brachte Liebenden wenig Glück: Der Bruder August des Starken, Kurfürst Johann Georg IV., kaufte es, um es seiner Mätresse Magdalena Sybille von Neidschütz zu schenken, doch beide starben noch im gleichen Jahr. Die Gräfin Cosel, der August der Starken das Anwesen daraufhin schenkte, verlor es wieder, als sie bei ihm später in Ungnade fiel. Immerhin: Bei den Feierlichkeiten anlässlich der Hochzeit von Augusts Sohn Friedrich August II. mit der Kaisertochter Maria Josepha von Österreich diente es auch als Festort. Und aus dieser Ehe gingen 15 Kinder hervor!

überstandene Katastrophen: Der Pegelstand des Hochwassers von 2002 ist an der Freitreppe vermerkt. Damals stand das Erdgeschoss des Wasserpalais und des Neuen Palais bis zur Decke im Wasser. Der große Brand von 1818 ist dagegen schon verblasst.

Umbauten: 1720-30 erhielt das alte Renaissanceschloss das Wasserpalais zur linken und das Bergpalais zur rechten Seite. Getreu der Asienbegeisterung Augusts des Starken führten die Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann und Zacharias Longuelune dabei die Pagodenform der Dächer ein. 1778-91 entstanden die Flügelbauten und der Chinesische Pavillon. Nach dem Brand von 1818 schließlich wurde das alte Renaissanceschloss vom Neuen Palais ersetzt.

Romantikfaktor: Hoch, weil das Zusammenspiel von Flussufer, barocker Gartenanlage, Englischem Garten, Maillebahn und den beschwingten Pavillions wunderbar harmoniert. Und weil es möglich ist, sich mitten im Park in dem kleinen Trompeterhaus einzumieten.

Gruselfaktor: Joachim von Loß, der das Pillnitzer Rittergut im 17. Jahrhundert besaß, eignete sich wiederrechtlich Bauernland aus der Umgebung an. Dafür ging er als „der böse Loß“ in die Ortschronik ein und soll bis heute als schwarzer Hund durch das Schloss spuken.

Überraschung:
Das Heckenlabyrinth westlich des Wasserpalais nennt sich Charmillen. Die Gräfin Cosel ließ sie einst anlegen – eins der ganz wenigen Zeugnisse von ihr.

Schloss Moritzburg

Schloss Moritzburg

Alter: ca. 475 Jahre (erster Bau 1442-1445)

prominente Bewohner: Der kursächsische Hof nutzte das Schloss als hofeigenes Hotel bei Jagdgesellschaften. Richtig bewohnt wurde es erst ab 1933 – von Prinz Ernst Heinrich. Der hatte nach der Abdankung seines Vaters keine Aussicht mehr auf eine monarchische Führungsposition, aber er war dafür bekannt, dass er den Nationalsozialismus ablehnte. 1943 ermöglichte er der in Berlin ausgebombten Künstlerin Käthe Kollwitz, in Moritzburg unterzukommen.

verbürgte Liebesverhältnisse: Aschenbrödel und ihr Prinz haben sich beim Verlieben in Moritzburg filmen lassen, zu sehen im Defa-Filmklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.

überstandene Katastrophen: Der Dreißigjährige Krieg brachte Schäden. Die Soldaten der Roten Armee fanden einen Teil des Tafelsilbers und Schmucks, den die Wettiner vor ihrer Flucht im Park vergraben hatten. Ein Sturm fegte 1997 die Sandsteinfiguren von den Balustraden. Selbst die DDR-Zeit überstand das Schloss ungewöhnlich komfortabel: Bereits 1980 wurde es saniert.

Umbauten: Den größten Umbau hat (wieder mal) August der Starke zu verantworten: Er ließ das Renaissanceschloss seiner Vorgänger von seinen Baumeistern Matthäus Daniel Pöppelmann und Zacharias Longuelune von1722 bis -27 vergrößern, überbauen, zusammenlegen, bis es komplett barock wiederauferstand.

Romantikfaktor: Hoch! Am allerhöchsten, wenn der Schlossteich gefroren ist – dann kann man per Schlittschuh zu zweit seine Bahnen ziehen und im Kopf dazu Aschenbrödels Filmmusik anmachen.

Gruselfaktor:
Niedrig. Die Wölfe im Wildgehege sind gut eingezäunt.

Überraschung: Die Landschaft rund und um das Schloss bestand einst nur aus Sumpf und Wald. Seit dem 16. Jahrhundert wird sie geformt. Sogar der Schlossteich ist das Ergebnis kunstvoll ab- und umgeleiteten Wassers.