Friedensaktivistin Kim Phuc Phan Ti erhält den Dresden-Preis

A ls sie ein Kind war, ging ein Foto von ihr um die Welt: Kim Phuc Phan Thi ist als „Napalm-Mädchen“ bekannt geworden. Sie hat den Vietnamkrieg überlebt, setzt sich als UNESCO-Sonderbotschafterin für Frieden und Versöhnung ein und hat eine Stiftung für kriegsversehrte Kinder gegründet. Am 11. Februar wurde sie für ihr Engagement in der Semperoper mit dem Dresden-Preis ausgezeichnet. Der internationale Friedenspreis wurde zum zehnten Mal verliehen.

08. Februar 2019
"The Terror of War" von Nick Út

1972, als der Krieg ihre Heimat erreicht, ist Kim Phuc Phan Thi gerade neun Jahre alt. Die südvietnamesische Armee wirft Brandbomben über dem Dorf Trảng Bàng ab. Napalm – ein Kofferwort aus Naphthen- und Palmitinsäure – ist eine Waffe wie aus einem Albtraum.

Das gelartige Benzingemisch brennt mit bis zu 1200°C, lässt Wasser abperlen und sich kaum löschen oder abwaschen. Kim Phuc Phan Thi flieht wie die anderen Dorfbewohner schreiend vor den Flammen. Ihre brennende Kleidung hat sie sich vom Leib gerissen.

Nick Út, ein Reporter von Associated Press, hält die Szene mit der Kamera fest. Seine ikonische Aufnahme trägt den Titel „The Terror of War“ (Der Schrecken des Krieges) und ist eines der berühmtesten Pressefotos aller Zeiten.

Kim Phuc Phan Ti wird mit dem internationalen Dresden-Preis geehrt

Kim Phuc Phan Thi, das „Napalm-Mädchen“, hat den Krieg schwer verletzt überlebt und ist heute Aktivistin für den Frieden. Sie ist mittlerweile 55 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in Toronto, Kanada. 1994 wurde sie zum UNESCO Goodwill Ambassador, zur ehrenamtlichen Sonderbotschafterin, ernannt. Vor fast 22 Jahren hat sie zudem die „Kim Phuc Foundation“ gegründet, die sich dafür einsetzt, dass minderjährige Kriegsopfer medizinische Hilfe erhalten.

Am 11. Februar erhielt Kim Phuc Phan Thi für ihr Engagement den mit 10.000 Euro dotierten Dresden-Preis. Die Auszeichnung, gestiftet von der Klaus Tschira Stiftung, wird an Menschen verliehen, die sich in besonderer Weise um Frieden und Völkerverständigung verdient gemacht haben. „Krieg ist nicht das letzte, es ist das falsche Mittel“ heißt es in einer Erklärung der Initiatoren.

Der Dresden-Preis geht auf den Verein „Friends of Dresden“ zurück. Vereinsgründer Günter Blobel (1936–2018), Medizin-Nobelpreisträger 1999, erlebte im Zweiten Weltkrieg auf der Flucht nach Westen den verheerenden Luftangriff auf die Stadt – und förderte ihren Wiederaufbau. Die zehnte Preisverleihung war auch dem Gedenken an ihn gewidmet.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen Michail Gorbatschow, der Dirigent Daniel Barenboim, der sudanesische Musiker und ehemalige Kindersoldat Emmanuel Jal. Mit Edward, Herzog von Kent ist auch ein Mitglied der britischen Königsfamilie für seine Verdienste um die britisch-deutsche Aussöhnung ausgezeichnet worden. Er hat in diesem Jahr auch den Preis übergeben. Mit dem Kriegsfotografen James Nachtwey kehrte ein weiterer Preisträger auf die Bühne zurück und hielt die Laudatio auf Kim Phuc Phan Thi.

Die Preisverleihung fand am 11. Februar in der Semperoper statt. Neben dem ehemaligen Bundesinnenminister Gerhart Baum traten außerdem Schüler des Dresdner Marie-Curie-Gymnasiums auf, die in einer szenischen Lesung die bewegenden Geschichten von Gewaltopfern präsentierten.