Kunst zum Anfassen Kinderbiennale

Anzeige K inder sind laut, werden schnell unruhig und wollen alles anfassen. Nicht die besten Voraussetzungen für einen Museumsbesuch. Kinder und Kunst – passt das überhaupt zusammen? Und wie! Das zeigt die Kinderbiennale in den Staatlichen Kunstsammlungen.

Text: Rouven Kühbauch

Bei der Kinderbiennale ist es nicht nur erlaubt, laut zu sein – es gehört dazu. Denn die Kunstwerke, die hier gezeigt werden, sind interaktiv und laden die Besucher dazu ein, mitzumachen. „Alle Werke sollen angefasst und verändert werden, die Kunst entsteht und lebt nur mit dem Besucher“, sagt die Kuratorin Florence Thurmes.

Kunst zum Anfassen

Zum Beispiel die Installation „Sketch Aquarium“. Das japanische Künstlerkollektiv teamLab projiziert dabei mit digitaler Technik ein Aquarium in einen Raum. Auf den Wänden schwimmen Fische, Oktopusse und Quallen. Der Clou: Jeder Besucher kann ein Meerestier ausmalen und einscannen. Es erscheint dann im Aquarium mit den anderen Aquariumsbewohnern und „lebt“ dort weiter. Die Kinder können die Tiere sogar virtuell füttern.

Kunst auf der Kinderbiennale: Kinder malen an Tisch, dahinter wird ein Aquarium an die Wand projiziert
In "Sketch Aquarium" können Fische bunt ausgemalt, eingescannt und in ein riesiges digitales Aquarium an die Wand projiziert werden.

„Träume und Geschichten“ lautet das Thema der Kinderbiennale. Die Ausstellungsstücke nähern sich ihm auf ganz unterschiedliche Weise. Véronique Joumards „Orange“ etwa besteht aus einer knallorange gestrichenen Wand. Die Farbe ist wärmesensibel: Berühren die Besucher die Wand, hinterlassen sie durch ihre Körperwärme eine blasse Spur, die auch noch zu sehen ist, wenn sie den Raum schon verlassen haben.

Ein Kinderbeirat wählte die Kunstwerke aus

Die Kinderbiennale ist eine Kooperation mit der National Gallery Singapur, wo sie im vergangenen Jahr erstmals zu sehen war. Ausgewählt wurden „Orange“, „Sketch Aquarium“ und die anderen Werke von der Zielgruppe selbst. Die Kuratorin Florence Thurmes ließ sich nämlich von dem sogenannten Kinderbeirat beraten, dem Sechs- bis 13-Jährige aus einem Dresdner Kindertreff und der Dresden International School angehörten. Ihnen präsentierte sie mehr als 40 potenzielle Ausstellungsstücke. „Die Kinder waren durchaus kritisch“, erzählt Thurmes. So sei ein Werk aus Styropor durchgefallen, weil das Material nicht wiederverwendbar war.

bunter Schaum umfließt Betonsäule
Für die Kinderbiennale hat Stephanie Lüning eigens ein Künstleratelier eingerichtet. Sie lädt die Besucher damit ein, selbst künstlerisch tätig zu werden und mit kleinen pigmentierten Eisblöcken zu experimentieren.

Auch das Rahmenprogramm beruht auf den Wünschen der Kinder. Eine Werkstatt rund um das Thema Druck, ein Fotowettbewerb, bei dem die Kinder Träume fotografisch darstellen müssen, und ein Theaterworkshop ergänzen nun die Ausstellung.

Der Beirat kritisierte auch, dass Museen oft keine sonderlich kinderfreundlichen Orte seien. „Die Kinder haben sich mehr Musik gewünscht, mehr Interaktion, und dass sie die Sachen anfassen dürfen. Und dass es nicht zu ruhig ist, damit sie auch laut sein dürfen in der Ausstellung“, sagt Florence Thurmes. Die Kinderbiennale hat sich dieser Wünsche angenommen, und das funktioniert. Vielen Kindern reiche ein Besuch nicht. „Ein paar haben mir erzählt, dass sie schon dreimal in der Ausstellung waren.“

Die Kinderbiennale läuft noch bis zum 24. Februar 2019. Der Eintritt ist kostenfrei.

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler sind u.a. Ólafur Elíasson (ab Mitte November), Félix González-Torres, Susan Hiller, Véronique Jourmard, Mark Justiniani, Jan Kunze (Künstlerbuch), Lynn Lu, Stephanie Lüning, Rivane Neuenschwander und teamLab.

Japanisches Palais, Palaisplatz 11, 01097 Dresden, Tel. +49 (0)351 49142000