Festung Königstein

Weitere Burgen und Schlösser – in und um Dresden

Anzeige D ie Geschichte der ehemaligen Residenzstadt Dresden lässt sich mit den beeindruckenden Burgen und Schlössern in der Stadt und drum herum besonders gut entdecken. Vier weitere Portraits von außergewöhnlichen Schlössern stellen wir Ihnen in unserem zweiten Teil vor.

Schloss Weesenstein

Schloss Weesenstein

Alter: ca. 800 Jahre (2018 wird ein Jubiläumsjahr: vor 700 Jahren wurde das Schloss erstmals erwähnt)

prominente Bewohner: Jeschke von Donin war jener Dohnaer Burggraf, der zu Beginn des 15. Jahrhundert mit einer Ohrfeige für Rütschel von Körbitz (Meißnischer Landadel) die Dohnaische Fehde und damit den Untergang seines Adelsgeschlechtes einleitete. Über 400 Jahre später – das Schloss gehörte mittlerweile den Wettinern – übersetzte König Johann von Sachsen hier Dantes „Göttliche Komödie“.

verbürgte Liebesverhältnisse: Damit seine 17-jährige Tochter nicht länger den Kontakt zu einem gewissen Robert Schumann pflegte, brachte sie Friedrich Wieck 1837 bei der befreundeten Familie Serre in Maxen unter. Eine schlechte Idee: Die Serres unterstützten die Liebenden. Als Clara Schumann besuchte die junge Frau die Serres noch oft in Maxen – und von dort aus auch das nahe Schloss Weesenstein.

überstandene Katastrophen: Große Tafeln im Schlosspark zeigen, wie es an dieser Stelle nach dem Hochwasser von 2002 aussah. Kaum zu glauben, dass diese Verwüstungen so spurlos verheilt sind.

Umbauten: In seiner langen Geschichte erhielt das Schloss in fast jeder Epoche einen An- oder Umbau: Gotik, Renaissance, Barock und Klassizismus bilden zusammen den Charakter des Hauses.

Romantikfaktor: hoch, weil die Lage des Schlosses im Müglitztal so poetisch ist. Und weil sich in der Symmetrie des barocken Schlossparks einige lauschige Winkel entdecken lassen.

Gruselfaktor: hoch, weil die vielen Umbauten zahlreiche Kammern, gefangene Räume und verborgene Zimmer hinterlassen haben. Der alte Donin, der seinem Schloss treu geblieben sein soll, hat also hervorragende Spuk-Bedingungen.

Überraschung:
Über die Jahrhunderte wuchs das Schloss auf einem Felsvorsprung vom Bergfried ganz oben zur Orangerie ganz unten. Deshalb liegen die Pferdeställe im 3. Stock, die Kellergewölbe im fünften über dem Festsaal im vierten.

Burg Stolpen

Alter: über 800 Jahre

prominente Bewohner: Die Cosel! Als sich August der Starke seiner Mätresse Anna Constantina Reichsgräfin von Cosel nachhaltig entledigen wollte, ließ er die 36-jährige 1716 auf der Burg Stolpen verbringen. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1765 durfte sie die Burg nicht mehr verlassen.

verbürgte Liebesverhältnisse: Bekannt ist nur dieses desaströse Ende einer großen Liebe.

überstandene Katastrophen: Die Burg hatte eine strategisch wichtige Lage und wurde immer wieder das Ziel von Angriffen, doch bis ins 18. Jh. wurde sie „nur“ von Bränden zerstört. 1757 aber zerstörte sie die preußische Armee bis zur Unbrauchbarkeit. Als die französische Armee unter Napoleon 1813 geschlagen von Russlandfeldzug über Sachsen nach Frankreich zurückzog, sprengten sie auch die Burg.

Umbauten: Wegen der zahlreichen Zerstörungen wurden Teile immer wieder neu aufgebaut, ohne dass die Burg jedoch je ihren wehrhaften Charakter verlor.

Romantikfaktor: das Schicksal der Cosel macht alle Romantik zunichte, und doch – wie die Burg da auf ihrer Basaltkuppe über dem sanfthügeligen Hinterland der Sächsischen Schweiz liegt – das ergibt ein liebliches Bild.

Gruselfaktor: niedrig, denn der Burggeist Basaltus steht längst im Dienst der Museumspädagogik und erklärt Kindern die Stadt- und Burggeschichte.

Überraschung: Wie regelmäßig die meist fünf- und sechseckigen Basaltsäulen geformt sind, lässt sich vor dem Johannisturm aus nächster Nähe erkennen. Für Stolpen waren sie die Namensgeber: Stolpy ist ein slawisches Wort für Säulen.

Festung Königstein

Festung Königstein

Alter: vor fast 800 Jahren erstmals urkundlich erwähnt

prominente Bewohner: Die Festungsgeschichte als Gefängnis sorgte für die bekanntesten ‒ und unfreiwilligsten – Bewohner: Johann Friedrich Böttger, Michael Bakunin, Frank Wedekind und August Bebel gehörten zu den Insassen.

verbürgte Liebesverhältnisse: 1940 gelang dem französischen General Henri Honoré Giraud in deutscher Kriegsgefangenschaft als einzigem in der langen Geschichte der Festung der Ausbruch – dank der Fresspakete, die ihn seine Frau schickte, verpackt mit jeder Menge Bindfäden und Kupferdraht. In zweijähriger Geduldsarbeit drehte sich Giraud daraus das Seil für seine Flucht.

überstandene Katastrophen: Die Festung ließ sich nie erobern und wurde nie zerstört. Sie erwies sich als so sicher, dass sich die sächsischen Kurfürsten und Könige regelmäßig auf ihr in Sicherheit brachten. Im Nordischen Krieg, im Siebenjährigen Krieg, im Napoleonischen Krieg und in Zweiten Weltkrieg verwahrte die Festung die Unterlagen aus dem Staatsarchiv und Kunstschätze.

Umbauten: Ab 1589 ließ Kurfürst Christian I. von Sachsen die Burg auf dem Königstein zur Festung ausbauen. Dabei entstanden die Wehrmauern, das Torhaus (mitsamt neuem Zugang), das Alte Zeughaus, die Christiansburg, die Streichwehr und die Alte Kaserne. Kurfürst Johann Georg sorgte für den nächsten Bauschub im 17. Jh: die Georgenburg erhielt ihre Renaissance-Erscheinung, das Torhaus bekam den Anbau für den Johannissaal.

Romantikfaktor: Inzwischen hoch, weil die Festung einen weiten Blick über das Elbtal bietet. Als sie noch militärisch genutzt wurde, dürften die Festungsbewohner wenig für Romantik übrig gehabt haben.

Gruselfaktor: Unheimlich dürfte es einem Pagen geworden sein, der wohl reichlich alkoholisiert auf dem Mauersims hinter der Christiansburg einschlief. Kurfürst Johann Georg II. ließ ihn dort festbinden und von Trompeten wecken. Beim Aufwachen schaute der Page in einen 40 Meter tiefen Abgrund. Die Stelle heißt heute Pagenbett.

Überraschung: Die einzige Eroberung der Festung gelang dem 18-jährigen Schornsteinfeger Sebastian Abratzky. 1848 kletterte er ohne Hilfsmittel den heutigen Abratzky-Kamin hinauf und über die Mauer. Heute entspricht der mittlerweile ausgewiesene Kletterweg der Schwierigkeitsstufe IV.

Albrechtsburg

Albrechtsburg

Alter: 550 Jahre (erbaut 1471-83 von Arnold von Westfalen)

prominente Bewohner: Die Brüder Herzog Albrecht der Beherzte und Kurfürst Ernst von Sachsen ließen sich das Schloss für ihre Doppelregentschaft über Sachsen bauen, bewohnten es aber nur knappe zwei Jahre. Danach gingen die Brüder getrennter Wege, Albrecht entschied sich für einen Regierungssitz in Dresden und begründete die Linie der Albertiner.

verbürgte Liebesverhältnisse: Die Eheschließungen der sächsischen Kurfürsten waren stets hochpolitische Angelegenheiten. Liebe gehörte nur zufällig dazu. Doch Ernst, der Begründer der Ernestiner, soll mit der ihm angetrauten Elisabeth von Bayern tatsächlich glücklich gewesen sein.

überstandene Katastrophen: Kein Kummer.

Umbauten: Weil nie jemand auf der Burg wohnte, ist sie eins der ganz wenigen Zeugnisse für einen spätgotischen Schlossbau. Die größte Veränderung führte August der Starke 1710 herbei, als er seine Porzellanmanufaktur in die Burg verlegte. Nachdem sie 1864 in ein neues Gebäude zog, machte sich ein Geschichtsverein für die museale Nutzung der Burg stark, und König Johann von Sachsen gab die Historienmalereien an den Wänden zur Geschichte der Wettiner in Auftrag.

Romantikfaktor: der Historische Rundweg rund um den Burgberg sorgt für weite Blicke ins Elbtal. Die Burg selbst mit ihren Ausstellungen zu Geschichte und Porzellanherstellung ist eher ein Wissensspeicher.

Gruselfaktor: niedrig, denn die vielen unbewohnten Jahrhunderte müssen Geister furchtbar gelangweilt haben.

Überraschung: Damit die Handwerker beim Bau der Albrechtsburg gut zusammen arbeiteten, ließ Arnold von Westfalen Steinmetze und Mauerer gleich entlohnen – was für letztere einen enormen Ansehensgewinn bedeutete. Das Resultat: Ein harmonisches Zusammenspiel beider Gewerke im Erscheinungsbild der Schlossburg.