Thomas Hummel in seinem Labor am Uniklinikum Dresden

Geruchssinn Wahrnehmung von Düften trainieren

D üfte sind Schlüssel zu Erinnerungen. Doch was, wenn der Geruchssinn ausfällt? Experte Thomas Hummel empfiehlt: Riech-Training. Man kann versuchen, die Wahrnehmung von Düften zu trainieren. Das Riechvermögen kann sich um bis zu 50 Prozent verbessern, wenn man für ein halbes Jahr täglich für ein paar Sekunden an vier verschiedenen Düften riecht. Von Katharina Kämpfer

Professor Hummel, gibt es einen Duft, den die meisten Menschen mögen? Ein Fest für jede Nase?
Thomas Hummel:
Ob wir Düfte mögen, kann sowohl angeboren als auch erlernt sein. Vor 20 Jahren fand ich zum Beispiel den Geruch von Kurkuma ganz fürchterlich. Aber mittlerweile war ich ein paar Mal in Indien, habe nette indische Freunde – und finde nun sogar Kurkuma erlerntermaßen durchaus annehmbar. Das Riechen ist ja auch zu einem guten Teil ein Warnsystem. Wenn Sie beispielsweise eine halbe Flasche Whisky trinken und es Ihnen danach zwei Tage lang grässlich schlecht geht, dann werden Sie den Geruch von Whisky nicht mehr mögen – und zwar für die nächsten fünf bis zehn Jahre! Ein solches schlechtes Erlebnis führt zu einer Veränderung in der Wahrnehmung des speziellen Geruchs.

Wie wirkt sich ein generell schwacher Geruchssinn auf den Genuss, auf das Genießen aus?
Jedes Gericht hat eine andere Textur, es kann kalt, warm oder scharf sein. Wenn der Geruchssinn im Laufe der Jahre langsam verloren geht, dann rücken diese Sinneswahrnehmungen an die Stelle des Feingeschmacks. Mit Gerüchen verknüpfte Erinnerungen hingegen sind verloren. Sie sind zwar noch im Gehirn gespeichert, aber man kommt nicht mehr an sie heran.

Wie viele Menschen können nicht richtig riechen?
Nach unseren Daten können etwa fünf Prozent der Bevölkerung nichts riechen. Dazu kommen 15 Prozent mit einer Geruchsschwäche, die Düfte erst in hohen Konzentrationen wahrnehmen. Grund kann ein Unfall oder ein Infekt sein. Oder einfach das Alter: Ab 50 Jahren nimmt das Riechvermögen häufig ab, bei den 80-Jährigen riecht schon jeder Dritte nichts mehr. Außerdem gibt es noch die spezifische Anosmie, bei der man eine normale Geruchswahrnehmung hat und nur bestimmte Gerüche nicht riecht.

Kann man dagegen etwas tun?
Man kann versuchen, die Wahrnehmung von Düften zu trainieren. Das Riechvermögen kann sich um bis zu 50 Prozent verbessern, wenn man für ein halbes Jahr täglich für ein paar Sekunden an vier verschiedenen Düften riecht. Diese Düfte müssen sich voneinander abheben. Also nicht nur an Blumen riechen, sondern auch an etwas Harzigem, Erdigem oder etwas Bitzelndem – Eukalyptus etwa ist da sehr gut.

Bei der spezifischen Anosmie können sich Riechrezeptoren sogar völlig neu bilden, wenn man den Düften, die man nicht gerochen hat, für etwa ein halbes Jahr mehrmals am Tag ausgesetzt ist. Das wird zum Beispiel oft beobachtet, wenn Babys geboren werden. Da werden Leute, die vorher an Neugeborenen keinen Geruch wahrgenommen haben, plötzlich empfindlich für deren Duft und können mit geschlossenen Augen verschiedene Babys voneinander unterscheiden – und sogar sagen, ob es Mädchen oder Jungen sind.

Thomas Hummel leitet das „Interdisziplinäre Zentrum für Riechen und Schmecken“ am Uniklinikum Dresden. Der Medizinprofessor erforscht, wie Alzheimer, Epilepsie oder Morbus Parkinson das Riechen irritieren – und was dem Geruchssinn gut tut.

Thomas Hummel

leitet das „Interdisziplinäre Zentrum für Riechen und Schmecken“ am Uniklinikum Dresden. Der Medizinprofessor erforscht, wie Alzheimer, Epilepsie oder Morbus Parkinson das Riechen irritieren – und was dem Geruchssinn gut tut.
uniklinikum-dresden.de