Unterwegs in der Meißner Altstadt

Nicht ohne mein Elbland Auf nach Moritzburg, Meißen und Radebeul

O hne sie wäre Dresden nur halb so schön: Moritzburg, Meißen und Radebeul sind unkomplizierte Ausflugsziele mit Aha-Effekt.

25. Juni 2020

Von Siiri Klose

Zum Flanieren nach Moritzburg

Wie weit von Dresden entfernt?

13 Kilometer nördlich. Mit dem Auto ist man in einer halben Stunde da, mit dem Fahrrad in einer Stunde.

Warum man hinfahren sollte:

Wegen eines Barockschlosses, das sich wie auf dem Tablett serviert aus dem Wasser erhebt. Und wegen einer über Jahrhunderte geformten Kulturlandschaft aus Teichen, Kanälen und Wäldern mit eingestreuten Parkanlagen, Balustraden, Skulpturen, dem Fasanenschlösschen und sogar einem Leuchtturm – ganz klar, wo Zar Peter I. die Inspiration für seine Petersburger Sommerresidenz her hatte.

Was man dazu wissen muss:

Kurfürst Moritz von Sachsen war es, der im 16. Jahrhundert ein erstes Jagdschloss in den Friedewald bauen ließ. Der Wald- und Wasserreichtum machte die Gegend zu einem ergiebigen Jagdrevier, das in den folgenden Jahrhunderten mit Kanälen, Mauern und Ausblicken immer besser an die Bedürfnisse höfischer Jagdgesellschaften angepasst wurde. Pferde gehörten natürlich auch dazu: Im Zuge des Schlossumbaus ließ August der Starke seinen Hofbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann 1733 auch neue Stallungen direkt am Schlossteich bauen. Inzwischen nutzt sie das Sächsische Landgestüt für die Haltung seiner Warmblüter, Kaltblüter und Haflinger.

Wie gelangt man hin?

Formvollend mit der Schmalspurbahn, dem „Lößnitzdackel“. Strecke, Waggons, Dampflokomotiven und Bahnhöfe stammen aus der Jahrhundertwende. Wie eine Zeitreise fühlt sich die Fahrt auch an: vom Bahnhof Radebeul-Ost quer durch verschlafene Dörfchen und den Dippelsdorfer Teich. In Moritzburg angekommen, kann es nahtlos per Kutsche weitergehen. Praktisch und schnell geht es natürlich auch: Von Dresden aus steuert die Buslinie 477 halbstündlich Moritzburg an: www.dvb.de

Wer auch schon alles da war:

Neben dem sächsischen Hof verbrachten die Brücke-Künstler um Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl-Schmidt Rotluff von 1909 bis 1911 ihre Sommer an den Moritzburger Teichen und hielten sie in ihren Skizzenbüchern fest. In der Nachbarschaft wuchs Charlotte Meentzen mitten in die Reformbewegung hinein. 1930 gründete sie ihr „Institut für Schönheitspflege“ in Dresden. 1945 holte der Sohn des letzten Sächsischen Königs die ausgebombte Käthe Kollwitz aus Berlin hierher. Ihre letzte Bleibe ist heute das Käthe-Kollwitz-Haus (www.kollwitzhaus.de).

Beste Einkehr:

Das Café im Marcolinihaus im einstigen Landsitz des sächsischen Ministers Camillo Marcolini ist ein barockes Kleinod. Kaffee- und Kuchengedecke werden hier zu opulenten Galanteriespeisen. Die Churfürstliche Waldschänke hat seit 1770 geöffnet und serviert nach wie vor Wild und Fisch aus den Wäldern und von der Moritzburger Teichwirtschaft. Die Fischzucht hat eine ähnlich lange Tradition wie die Jagd.

Gutes Mitbringsel:

Drei Haselnüsse? Wer weiß, vielleicht können sie ja auch zaubern? Die „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ aus dem DEFA-Märchenfilmklassiker stammen jedenfalls aus Moritzburg – wie auch viele Szenen des Filmes.

Nicht verpassen:

Jan Vogler ist der Intendant der Dresdner Musikfestspiele. Wenn die im Juni vorüber sind, entspannt er sich im August bei seinem Lieblingsprojekt: dem Moritzburg Festival für Kammermusik. Im September folgen (normalerweise) die Hengstparaden, eine Leistungsschau des Landesgestüts. Sie mussten auf das nächste Jahr verschoben werden. Ab November ist Aschenbrödel-Ausstellungszeit im Schloss – seit der DEFA-Film die Liebesgeschichte in den Winter versetzte, ist das Aschenbrödel eine Art Moritzburger Weihnachtsengel.

Ohne Meißen kein Dresden

Wie weit von Dresden entfernt?

Luftlinie 22 Kilometer oder auch 25 Elb-Kilometer. Mit dem Auto ist man in 40 Minuten da, mit dem Fahrrad in anderthalb Stunden.

Warum man hinfahren sollte:

Wegen der spätgotischen Albrechtsburg und dem Meißner Dom, die als Doppelspitze über der Stadt und der Elbe aufragen. Der Weg hinauf zum Burgberg führt durch ein mittelalterliches Gassengewirr, das von oben eine malerische Dächerlandschaft ergibt.

Was man dazu wissen muss:

Meißen ist die Wiege Sachsens. Hier ließ König Heinrich I. 928 die Burg Meisa bauen und installierte einen Markgrafen, um seine östlichen Landeroberungen gegen die ortsansässigen Slaven zu sichern. 968 wurde das Bistum Meißen gegründet, der Bischof zog ebenfalls auf den Burgberg. Während sich aus den Markgrafen das Geschlecht der Wettiner entwickelte, die später in Dresden als sächsische Kurfürsten und Könige reüssierten, sorgten die Bischöfe für Missionierungen, Zisterzienserklöster, den Zuzug von fränkischen und thüringischen Bauern und Handwerkern und – am nachhaltigsten – für den Weinanbau im Elbtal. Doch als sich Albrecht der Beherzte 1485 entschloss, seine Residenz nach Dresden zu verlegen, fielen Burg und Städtchen in einen Dornröschenschlaf.

Wie gelangt man hin?

Der Elberadweg führt von Dresden über Radebeul und Coswig auf 25 ländlich-idyllischen Kilometern nach Meißen. Die S-Bahn fährt halbstündlich von Dresden bis in die Meißener Altstadt – eine gute Alternative zum Auto, das in Dresden im Stau steckt und in Meißen mit einer verzwickten Streckenführung durch die Gassen geschickt wird.

Wer auch schon alles da war:

Die besten Künstler des Dresdner Hofes: Nachdem Johann Friedrich Böttger unter der strengen Aufsicht August des Starken 1708 die Porzellanformel gefunden hatte, ließ der Kurfürst und König die Porzellan-Großproduktion in die unbewohnte Albrechtsburg auf dem Meißner Burgberg verlagern. Johann Joachim Kaendler fertigte hier die riesigen Porzellantiere, die heute in der Porzellansammlung im Dresdner Zwinger zu sehen sind. Ludwig Richter war um 1830 als Zeichenlehrer der Porzellanmaler beschäftigt. Architekt Richard Riemerschmidt entwickelte 1905 das Dekor „Blaue Rispe“. Selbst der in Meißen gebürtige Arzt und Begründer der Homöopathie Samuel Friedrich Christian Hahnemann stammte aus einer Porzellanmalerfamilie.

Beste Einkehr:

Auf dem Weg zur Burgserviert die Fuchshöhl indische Küche, die urige Schloss-Taverne gleich daneben sächsische Hausmannskost. Im Traditionsrestaurant Vincenz Richter sollte man unbedingt den Traminer des hauseigenen Weinbergs probieren.

Gutes Mitbringsel:

Meissener Porzellan ist längst auf der ganzen Welt bekannt und käuflich zu erwerben. Aber in der Porzellan-Manufaktur Meissen können sie auch zuschauen, wie es entsteht. Dass man einen Meißner Fummel essen, aber schlecht transportieren kann, erfahren sie in der Konditorei Zieger. Trotzdem versuchen?

Nicht verpassen:

Beim Literaturfest im Juni (dieses Jahr coronabedingt auf den 4.-6. September verschoben) verbinden sich die Geschichten der lokalen und überregionalen Literaten mit Einblicken in Höfe und Gärten, die sonst für Besucher verschlossen bleiben. Das Meißner Stadtfest im September ist natürlich dem Wein gewidmet – es wird sicher schon seit Bischof Benno gefeiert!

Radebeul – La Dolce Vita an der Elbe

Wie weit von Dresden entfernt?

Bis Bahnhof Radebeul-Ost knapp 6 Kilometer, mit dem Fahrrad in einer halben Stunde erreichbar, mit dem Auto auch.

Warum man hinfahren sollte:

Wegen der Idyllen: Terrassierte Weinberge, durchzogen von Villen und Schlösschen, der Dorfanger von Altkötzschenbroda und schließlich das Staatsweingut Schloss Wackerbarth – diese Gesamtkomposition holt la Dolce Vita an die Elbe.

Was man dazu wissen muss:

Radebeul ist eigentlich zu zehnt: für den Stadtstatus haben sich zehn Gemeinden zusammengeschlossen. Was sie eint: Ihre geschützte Lage im Elbtal mit Hängen, die den ganzen Tag in der Südsonne liegen. Ein ideales Klima für den Weinanbau! Wein ist in Radebeul das identitätsstifte Element, das sich durch Wirtschaft, Architektur, Feste und Lebensstil zieht.

Wie gelangt man hin?

Die Schaufelraddampfer der Sächsischen Dampfschiffahrt brauchen eine Stunde vom Dresdner Terrassenufer bis zur Anlagestelle in Radebeul-Altkötzschenbroda, die Straßenbahnlinie 4 eine halbe Stunde, die S-Bahn 15 Minuten. Die 13 Kilometer per Rad auf dem Elberadweg fahren sich auch bequem!

Wer auch schon alles da war:

Fast so identitätsstiftend wie der Wein ist der Schriftsteller Karl May. Gar nicht so wenige Radebeuler haben eine komplette Indianerkluft im Schrank – die brauchen sie auch für die alljährlichen Karl-May-Festtage. Karl Mays Villa Bärenfett ist das bekannteste Museum der Stadt.

Beste Einkehr:

Bei schönem Wetter laden entlang der Weinbergwege zahlreiche Besen- oder Straußwirtschaften zur Einkehr. Wind- und wetterfest sind Vinothek und Restaurant des Weinguts Drei Herren, die Weinstube vom Weingut Karl Friedrich Aust, die Weinterrasse des Staatsweingutes Hoflößnitz und natürlich das Wahrzeichen ganz Radebeuls: das staatliche Erlebnisweingut Schloss Wackerbarth.

Gutes Mitbringsel:

Wein natürlich! Wer es nicht bis in die Weinberge schafft, kann sich bei Gräfes Wein & Fein auf der Hauptstr. 19 in Radebeul-Ost die besten Winzer und Jahrgänge aus der nächsten Umgebung empfehlen lassen.

Nicht verpassen:

Natürlich das Weinfest im September! Untrennbar dazu gehört das Internationale Wandertheaterfestival. Eine ähnliche Parallelwelt schaffen nur die Karl-May-Festtage – ebenfalls ein Fest mit der für Radebeul so typischen fantasievoll-überbordenden Handschrift.