Freizeit & Familie

Dresdens große Liebesgeschichten

Vier Liebschaften voller Prunk, Missgunst und Affären

Jahrhunderthochzeit
Die Hochzeit von Friedrich August II. und Kaisertochter Maria Josepha von Österreich muss spektakulär gewesen sein. Foto: timjudi photography

Die Liebe ist zuweilen ein seltsames Spiel. Das war bereits vor Hunderten von Jahren so. Auch in Dresden. Und so kam es unter Fürsten und Hofdamen, Kaisern und Prinzessinnen zu manch unerwarteter Liaison. Noch heute atmen einige Orte in Dresden Geschichten voll dramatischer Romantik.

Geschichte 1: Wurde das unerwünschte Liebespaar vergiftet?

Ausgerechnet in Magdalena Sibylla von Neitschütz (1675 – 1694), die Tochter des Kommandanten seiner Leibgarde, verliebte sich Kurfürst Johann Georg (1668 – 1694), der jüngere Bruder von August dem Starken. Johann Georgs Eltern strengten sich nach Kräften an, die beiden Liebenden voneinander fernzuhalten, indem sie ihren Fürstensohn immer wieder auf Reisen und Feldzüge schickten. Als 16-Jährige wurde Sibylla dennoch offiziell Johann Georgs Mätresse und erlangte innerhalb kürzester Zeit hohen Einfluss am Hof.

Kurfürst Johann Georg und Gemahlin Magdalena Sibylla von Neitschütz. Foto: Hans-Peter Klut

Sibyllas Mutter wurde zur Reichsgräfin von Rochlitz erhoben und reich beschenkt: Sie erhielt das Rittergut Pillnitz und das Fürstenbergsche Haus in Dresden. Die Sonderstellung Sibyllas und ihrer Familie am Hof soll viel Missgunst geweckt haben, was womöglich sogar zum tragischen Ende der romantischen Beziehung geführt hat. Im Spätsommer 1693 klagten die Mätresse und ihre Hofdame nach einem Bankett über schlimme Magenkrämpfe, die in den Folgemonaten immer wiederkehrten. Im Frühjahr 1694 schließlich starb die nur 19-Jährige – nach offizieller Darstellung an den Pocken. Eine Pocken-Epidemie grassierte zu jener Zeit allerdings nirgends in der Dresdner Gegend. Nur drei Wochen nach seiner Geliebten starb auch Johann Georg, angeblich hatte ihn Sibylla angesteckt. Noch heute zweifeln viele Historiker jedoch am Wahrheitsgehalt dieser Darstellung und vermuten, dass Neider dem Ableben des unerwünschten Liebespaars mit Gift nachgeholfen haben.

Die Dachform von Schloss Pillnitz fällt auf – und ist ein Beispiel für die Chinamode des 18. Jahrhunderts. Foto: Patrick Eichler (DML-BY)

Geschichte 2: Das tragische Schicksal der Gräfin Cosel

Bei einem Brand im Haus seines Finanzministers Hoym wurde König August der Starke (1670 ­– 1733) erstmals auf dessen schöne Frau Anna Constantia von Brockdorf (1680 ­– 1765) aufmerksam. Hoym selbst war im Begriff sich scheiden zu lassen, seine Ehepartnerin bezeichnete er als „herrschsüchtig und hinterhältig“. August hingegen war hin und weg: Er verliebte sich hoffnungslos in Anna Constantia und machte sie im Handumdrehen zu seiner Mätresse.

Bildnis von Grafin Cosel, Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlung Dresden. Foto: Elke Estel / Hans-Peter Klut

Als solche wurde die als klug und eigensinnig geltende Schönheit bald zur Reichsgräfin von Cosel ernannt. August schenkte ihr das Schloss Pillnitz und ließ in Dresden das Taschenbergpalais für sie errichten. Auch politisch soll die gebildete und weitsichtig argumentierende Gräfin großen Einfluss auf den König gehabt haben. Dafür hasste man sie  am Hof.  Acht Jahre lang vermochte Anna Constantia den König zu fesseln, dann wurde sie das Opfer einer gnadenlosen Intrige und verstoßen. Auf Druck von Vertrauten am Hof verbannte August der Starke seine einst innig geliebte Gräfin Cosel schließlich sogar auf die Burg Stolpen, wo sie die folgenden 49 Jahre bis zu ihrem Tod in Einsamkeit verbringen musste.

Burg Stolpen bei Dresden
Burg Stolpen liegt östlich von Dresden. Prominenteste Bewohnerin war die Gräfin Cosel. Foto: Klaus Schieckel

Geschichte 3: Jahrhunderthochzeit mit Kindersegen

Dass royale Hochzeiten mit viel Pomp gefeiert werden, ist auch heutzutage keine Seltenheit. Doch was August der Starke 1719 zur Vermählung seines Sohnes Friedrich August II. (1696 – 1763) mit der Kaisertochter Maria Josepha von Österreich (1699 – 1757) veranstaltete, hat wahrscheinlich kein anderer König je vor oder nach ihm aufgeboten. Den gesamten September hindurch feierte das Könighaus im Dresdener Stadtgebiet mit so ziemlich allen Formen gepflegter Unterhaltung, mit denen sich Menschen zu jener Zeit amüsieren ließen: Bankette, Maskenbälle, Ritterspiele, Militärturniere, Feuerwerke, Konzerte, Aufzüge, italienische und französische Komödien, Opern- und Operettenaufführungen sowie Seeschlachten auf den Gewässern um Schloss Moritzburg. Für einen Teil der Feierlichkeiten war extra der Bau zweier Dresdner Wahrzeichen beschleunigt worden: Der Zwinger und das Opernhaus wurden auf königlichen Befehl in einem Hauruck-Verfahren gerade noch rechtzeitig fertiggestellt.

Das umfangreiche Festprogramm war in erster Linie dazu gedacht, die Großartigkeit des sächsischen Hofes und die Kaisertauglichkeit seines Herrschers zu demonstrieren. Die Ambitionen auf den Kaisertitel scheiterten zwar einige Jahre später, aber immerhin blieb das rauschende Fest allen seinen Gästen noch viele Jahre in seliger Erinnerung. Offenbar auch dem Brautpaar selbst, denn obwohl es sich um eine arrangierte Ehe handelte, sollen beide sehr glücklich miteinander geworden sein – dafür sprechen auch die 15 gemeinsamen Kinder, die das Paar bekam.

Geschichte 4: Liebesglück nach doppeltem Ehebruch

Weder Tinder noch sonst ein Dating-Portal hätte Prinz Albrecht von Preußen (1809-1872) und Marianne von Oranien-Nassau in der heutigen Zeit zusammengeführt. Denn die beiden hatten im Grunde absolut nichts gemeinsam. Folglich verlief ihre Ehe schon nach kurzer Zeit alles andere als harmonisch. Zum Glück, kann man aus heutiger Sicht sagen – denn sonst hätte Dresden auf eins seiner Elbschlösser verzichten müssen. Aber der Reihe nach: Albrecht und Marianne waren schon eine ganze Weile unglücklich miteinander, als der Prinz 1844 eine Affäre mit Rosalie von Rauch, der Hofdame seiner Ehefrau, begann. Der preußische und der niederländische Hof wollten einer Scheidung dennoch auf keinen Fall zustimmen, bis Marianne ihnen den Entschluss erleichterte, indem sie selbst eine folgenreiche Affäre mit ihrem Kutscher einging. Als sie von diesem ein Kind erwartete, sahen auch die Königshäuser ein, dass es in der royalen Ehe nichts mehr zu retten gab.

Prinz Albrecht durfte Rosalie heiraten und Marianne mit ihrem Kutscher durch Europa reisen. Am preußischen Hof allerdings wollte danach niemand mehr etwas von den geschiedenen Eheleuten wissen. Was soll’s, sagte sich Prinz Albrecht und ließ das prachtvolle Schloss Albrechtsberg am Elbhang für sich und seine große Liebe bauen. Dort lebten Rosalie und er fortan ein glückliches Leben mit ihren beiden Söhnen – ganz ohne höfische Bevormundung.

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