Kultur

Silhouettenfilm ehrt Komponisten Carl Maria von Weber

Carl-Maria-von-Weber-Museum zeigt ab März „Komponieren beim Spazieren“ anlässlich 200 Jahre „Der Freischütz“

Sequenz aus dem Silhouettenfilm „Komponieren beim Spazieren“ über Carl Maria von Weber
Der Silhouettenfilm „Komponieren beim Spazieren“ über den Komponisten ist im Carl-Maria-von-Weber-Museum zu sehen. Foto: mediahaus Kreischa

Carl Maria von Webers wohl bekannteste Oper „Der Freischütz“ wurde vor nunmehr knapp 200 Jahren uraufgeführt. Jetzt hat das berühmte musikalische Werk des einstigen Dresdner Hofkapellmeisters eine Würdigung in einem ganz besonderen Medium erfahren: dem Silhouettenfilm.

„Komponieren beim Spazieren“ gibt Einblicke in Webers Leben als Komponist, Kapellmeister und Familienmensch und ist ab, voraussichtlich, März im Carl-Maria-von-Weber-Museum zu sehen.

Jörg Herrmann gilt als letzter Silhouetten-Trickfilmmacher der Welt. Foto: mediahaus Kreischa

Realisiert wurde er von Jörg Herrmann, der als der letzte Silhouetten-Trickfilmmacher der Welt gilt. Als Mitbegründer des DEFA-Studios für Trickfilme hat der heute 79-Jährige bis 1990 zahlreiche Silhouettenfilme produziert und in seinem eigenen Trickatelier zudem bis zur Wende 24 Silhouettenfilme für den Abendgruß von „Unser Sandmännchen“ beigesteuert. Im Jahr 2011 kam Jörg Herrmanns beeindruckende Silhouetten-Neuverfilmung der sorbischen Sage Krabat in die Kinos.

So aufwendig ist die Herstellung eines Silhouettenfilms

Für die Produktion eines Silhouettenfilms wird jede Figur aus Pappkarton ausgeschnitten, auf einen beleuchteten Untergrund gelegt und abfotografiert. Das Ausschneiden und Zusammenbauen der Figuren erfordert viel Übung und Präzision, sodass es früher einen eigenen Berufszweig dafür gab: die Psaligrafie. Meist wurde diese Handwerkskunst von Frauen ausgeführt, die die filigranen Einzelteile und Requisiten mit feinem Draht zu beweglichen Figuren zusammensetzten. Durch die zeitaufwendige Vorarbeit entstehen pro Tag nur etwa 20 Sekunden Filmmaterial.

Reizvoll an der Technik ist außerdem die Widersprüchlichkeit der Silhouette. Dadurch, dass man als Zuschauer nur die Umrisse erkennen kann, muss man sich den Rest – etwa die Gesichtsausdrücke der handelnden Figuren – dazu denken. Der Zuschauer behält so eine kreative Mitgestalterrolle, während er sich den Film ansieht. Gerade Kindern macht es oft großen Spaß, dass sie so beim Anschauen ihre Fantasie benutzen können.

Die Frau, die den Silhouettenfilm in Deutschland etablierte

Begründerin des deutschen Silhouettenfilms war die Berlinerin Lotte Reiniger, die 1919 mit „Das Ornament des verliebten Herzens“ den ersten Silhouettenfilm in Deutschland gestaltete. Oft wird Reiniger als die Erfinderin des Silhouettenfilms an sich bezeichnet, das stimmt allerdings nicht ganz. Etwa zeitgleich gab es auch in anderen Ländern der Welt erste Filme in der damals völlig neuartigen Technik.

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Die Renaissance eines alten Spiels

Von Lotte Reiniger wiederum ließ sich der damalige Regie- und Kameraassistent der DEFA, Bruno J. Böttge, inspirieren, der später sein Wissen an Jörg Herrmann weitergab. Die beiden Männer teilten sich während ihrer Arbeit für das DEFA-Studio für Trickfilme ein Arbeitszimmer, ehe Herrmann die Festanstellung Anfang der 1980er Jahre verließ, um sich mit seinem eigenen Trickfilmatelier selbstständig zu machen.

Das DIAF – eine einzigartige Sammlungs- und Informationsstätte zum Animationsfilm

Als die DEFA nach der Wende schließen musste, hatte sich im Bereich Trickfilm viel bedeutsames Material angesammelt. Dieses ging Anfang der 1990er Jahr in den Bestand des Deutschen Instituts für Animationsfilm (DIAF) über, eine bundesweit einzigartige Sammlungs- und Informationsstätte zum Animationsfilm. Etwa 3.000 Filmkopien, 100.000 Zeichentrickfolien und 1.000 Silhouettenfiguren gehören neben vielen anderen künstlerischen Belegen des Animationsfilmschaffens zur Sammlung des DIAF. Sein Archiv unterhält das Institut in den Technischen Sammlungen Dresden, wo es eine Dauerausstellung sowie auch wechselnde Sonderausstellungen und Filmvorführungen gibt.

Klicktipp

Zwischen 1955 und 1992 entstanden im Trickfilmstudio der DEFA in Dresden mehr als 2.000 Filme, zum Beispiel „Alarm im Kasperletheater“. Der Mitteldeutsche Rundfunk stellt dazu auf seiner Website den Film „Wie Träume laufen lernen – Trickfilme aus Dresden“ bereit, den ihr hier sehen könnt.

Jörg Herrmanns neuer Silhouettenfilm „Komponieren beim Spazieren“ ist im Carl-Maria-von-Weber-Museum zu sehen. Das Museum ist pandemiebedingt noch bis mindestens Ende Februar geschlossen. Danach sind die Öffnungszeiten freitags bis sonntags und an Feiertagen 12-17 Uhr, montags bis donnerstag ist das Museum geschlossen.

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