Wissen & Wirtschaft

Dresdner Arzneimittel- und Kosmetikunternehmen Li-iL feiert 111. Jubiläum

Wie das kleine Dresdner Unternehmen zu weltweitem Renommee gelangte

Dresdner Essenz
Seit Jahrhunderten schon ist Arganöl dafür bekannt, eine antibakterielle und anitioxidative Wirkung zu haben. Auch in Prdoukten der Dresdner Firma Li-iL ist das Öl zu finden. Foto: Dresdner Essenz

Vor 111 Jahren gründete der Kaufmann Richard Carl Pittlik die Firma Deutsche Arzneimittelwerke Li-iL. Nach der Wende stand das Unternehmen vor dem Ruin. Dank glücklicher personeller Fügungen und einer mutigen Entscheidung genießt es heute internationales Renommee.

Eukalyptus? Lavendel, sicher. Vielleicht auch Teebaumöl? Während die ungeübte Nase noch versucht, die in der Luft liegenden Düfte zu benennen, weiß das Gehirn bereits Erinnerungen abzurufen: an den zu lange zurückliegenden Saunatag. Die letzte wohltuende Körpermassage. Was aus den winzigen Ritzen der Fabrikfenster nach draußen schwebt, riecht nach Entspannung. Und Ruhe.

So oder ähnlich muss es hier, in Dresdens Leipziger Straße 300, schon Anfang des letzten Jahrhunderts geduftet haben, als Richard Carl Pittlik mit seinem handverlesenen Team aus wissenschaftlichen Mitarbeitern und Stoffwechselspezialisten Rosmarin und Kiefernadeln in Pflanzenöle einlegte und Blütenblätter im Mörser zu Breien zerstampfte, um aus den gewonnenen Substanzen neuartige Arzneibäder zu fertigen. In Experimenten untersuchten sie, wie diese ihre spezifische Wirkung am besten entfalten können.

Instagram

Mit dem Laden des Beitrags akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Instagram.
Mehr erfahren

Beitrag laden

Li-iL: Vom Kleinunternehmen zur Weltmarke

Heute genießt Li-iL internationales Renommee. Produkte der Fabrik sind hierzulande in jeder Drogerie erhältlich. Doch vom Erfolg seines Unternehmens sollte Pittlik nichts erfahren. Zu früh verstarb der Unternehmensgründer. Dass sein Vermächtnis noch Bestand hat, ist nicht zuletzt das Resultat glücklicher personeller Fügungen.

In den 30er-Jahren übernahmen Dr. Ernestine Gabriele Böhme und Dr. Josef Osterroth die Geschäfte und erweiterten die Produktpalette um Einreibungen wie „Camphoderm“ und „Tussidermil“. Krankenkassen und Wohlfahrtseinrichtungen erstatten bald die Heilbehandlung mit Li-iL-Produkten. Die Geschäfte florierten. Der Zweite Weltkrieg traf das Unternehmen zwar hart, doch es sollte schnell gelingen, mit neuen Markenanmeldungen an den einstigen Erfolg anzuknüpfen.

Marke „Dresdner Essenz“ umfasst heute mehr als 150 Produkte

Die Wende versetzte dem Werk einen schweren Schlag. Ostdeutsche Produkte standen in der Kritik. Zudem fielen die Li-iL-Erzeugnisse aus der Erstattungspflicht. Der Umsatz brach um 75 Prozent ein. Doch: Peter Holtsch von Holtsch Medizinprodukte aus Taunusstein, ein gebürtiger Dresdner, fühlte sich der Stadt eng verbunden und widmete sich mit seiner Frau Maria dem Wiederaufbau. Sie machten das Traditionsunternehmen wieder marktfähig – auch dank eines mutigen Schrittes: Während unter der Firmierung Li-iL weiterhin die traditionellen Arzneimittel vertrieben wurden, erschloss man sich mit der Einführung der Marke „Dresdner Essenz“ Mitte der 90er den Privatkundensektor. Die ersten neuen Produkte waren kosmetische Flüssig- und Pulverbäder sowie Sauna-Aufgüsse.

Rund 95 Prozent seines Umsatzes macht Li-iL heute mit seinen Dresdner Essenzen. Mehr als 150 Produkte umfasst das Sortiment. Man versuche, nah an seinen Wurzeln zu bleiben. So gibt es eine Naturkosmetiklinie. Vegane Gele und Cremes. Verzicht auf Parabene. Und seit vergangenem Jahr ausschließlich mikroplastikfreie Rezepturen.

Instagram

Mit dem Laden des Beitrags akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Instagram.
Mehr erfahren

Beitrag laden

Dafür könnte sich Richard Carl Pittlik vermutlich begeistern. Was er aufgebaut hat, stützt noch heute das Unternehmen. Es duftet wie früher in der Leipziger Straße 300. Einzig optisch wiedererkennen würde der Kaufmann Li-iL, das er vor genau 111 Jahren gegründet hatte, nicht. Geschäftsführer Stephan Freitag kramt eine alte Postkarte hervor, die ihm eine Kundin kürzlich vorbeigebracht hat. Sie zeigt das Werk zu Pittliks Zeiten. „Im Grunde ist nur noch der Zwischenbau vorhanden, in dem früher wohl ein Ballsaal war.“ Aber auch dieser Teil wurde überbaut. Modernisiert. Ins 21. Jahrhundert überführt.

Lesen Sie auch …

  • Dr. Peter Ufer Kolumne Dresdner Sächsisch

    Das feine Dresdner Sächsisch klingt ausgesprochen gut. Jedenfalls für den Dresdner. Für Gäste wirkt die Sprache der Elbtalbewohner oft unaussprechlich…

  • Dresdner schimpfen und motzen den ganzen Tag? Aber nö, die Sachsen sind eben nur sehr herzlich! Glauben Sie nicht? Dann…

  • Frau sitzt auf Couch am Laptop

    Wir haben 6 schöne Dinge gesammelt, die typisch Dresden sind und sich online bestellen lassen – zur Einstimmung auf den…