August Kotzsch: Fotografie im Leonhardi-Museum Dresden

Anlässlich des 190. Geburtstag des Dresdner Fotopioniers gibt es eine Ausstellung und ein neues Werkverzeichnis

Sepiaporträt: Junge Person mit Mütze blickt zur Kamera; eine Elster sitzt auf einem Holzständer daneben.
Der Fotograf August Kotzsch hielt das Dorfleben und die Natur in und um Loschwitz fest. SLUB Dresden / Schirmer/Mosel Verlag

August Kotzsch war der erste gewerbliche Fotograf in Loschwitz. Er dokumentierte nicht nur die Entwicklung des Ortes vom Weinbauerndorf zum Dresdner Villenvorort, sondern machte auch wunderschöne Naturaufnahmen.

Ein Ausflug in den Dresdner Stadtteil Loschwitz und zum Blauen Wunder lohnt sich eigentlich immer, aber jetzt noch umso mehr: Denn das Leonhardi-Museum Dresden in Loschwitz zeigt vom 28. März bis 21. Juni 2026 die Ausstellung „August Kotzsch: Fotografie“. Im Mittelpunkt steht dabei das vielseitige Werk des Fotografen August Kotzsch (1836–1910), der vor allem mit Loschwitz und dem ausgehenden 19. Jahrhundert verbunden ist.

So werden unter anderem Ortsansichten, Landschaften, inszenierte Genredarstellungen sowie die bemerkenswerten „Studien nach der Natur“ von August Kotzsch gezeigt. Anlass für die Ausstellung ist ein neues Werkverzeichnis über den Loschwitzer Fotografen mit mehr als 1.000 Arbeiten, erschienen im Schirmer/Mosel Verlag.

August Kotzsch 1836-1910, Landmann und Photograph in Loschwitz bei Dresden, Werkverzeichnis, Hrsg. von Matthias Griebel und Jürgen Frohse für den Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e.V. und Agnes Matthias für die Deutsche Fotothek. 512 Seiten, 1171 Farbabbildungen, 98 Euro

Der Loschwitzer Fotograf im Fokus

August Kotzsch und seine Werke sind definitiv eine Entdeckung wert, sagt Jürgen Frohse. Der Redakteur des Elbhang-Kuriers beschäftigt sich schon länger mit dem Loschwitzer Fotografen und ist einer der Herausgeber des Werkverzeichnisses. Doch was war so besonders an dem Loschwitzer Fotografen? „Er begann sehr früh, das neue Medium Fotografie zu nutzen. Die erste datierte Aufnahme stammt von 1861. Außerdem war er Autodidakt und hat sich Technik sowie chemische Vorgänge selbst beigebracht. Das war für diese Zeit schon sehr ungewöhnlich“, sagt Jürgen Frohse.

Historische Fototechnik: Bilder mit künstlerischem Anspruch

Historische Hofszene vor einem Fachwerkhaus: Mehrere Personen sitzen und stehen in Gruppen, einige blicken aus Fenstern.
August Kotzsch stammte aus einer Weinbauerfamilie im Loschwitz. Auch sein Elternhaus und seine Familie hat er fotografisch festgehalten. SLUB Dresden / Schirmer/Mosel Verlag

Die historische Fototechnik war damals sehr aufwendig und erforderte verschiedenste Geräte und Chemikalien: Vor der Aufnahme mussten die Fotografen eine Glasplatte mit lichtempfindlichem Kollodium beschichten und anschließend in die Kamera schieben. Nach der Belichtung wurde die Glasplatte dann sofort mit Entwicklungslösung bearbeitet. Der Prozess erforderte also eine Dunkelkammer vor Ort. Kein Vergleich zum mühelosen Knipsen mit dem Handy heute. Das sogenannte Kollodium-Verfahren lieferte Bilder auf Glasplatte mit extrem hoher Auflösung und einer charismatischen Ästhetik. „Jede Glasplatte war ein Unikat“, sagt Frohse.

Künstlernetzwerk in Loschwitz

  • Sepiabild von Menschen auf der Brücke Blaues Wunder in Loschwitz, im Hintergund die Gaststätte Schillergarten
  • Weite, helle Aufnahme eines städtischen Platzes mit Geschäften und Markisen. Wenige Karren, kaum Menschen; klare Sicht auf die Hänge dahinter.

Loschwitz war bereits Mitte des 19. Jahrhunderts ein beliebter Treffpunkt für Künstler, die sich bei Weinbauern im malerischen Elbtal einmieteten. Auch im Hause Kotzsch gab es regelmäßig einen Feriengast, nämlich den Künstler Ludwig Richter. Von ihm inspiriert, begann der junge August zu malen und zu zeichnen. Allerdings kam eine künstlerische Ausbildung für den Sohn eines Weinbauern nicht in Frage. Neben seiner Tätigkeit im Weinberg half er einem in der Nachbarschaft wohnenden Maler und Fotografen als Gehilfe. Später übernahm er dann dessen Fotoausrüstung. Schließlich war August Kotzsch ab 1861 der erste gewerbliche Fotograf in Loschwitz.

Romantische Bildwelt: Naturstudien aus Loschwitz

„August Kotzsch hat das Lebensgefühl der Romantiker in die Fotografie hineingetragen“, sagt Jürgen Frohse. So fotografierte Kotzsch das Alltagsleben der Bewohner von Loschwitz und dokumentierte zugleich das Dorfleben. Sein Lieblingsmotiv war jedoch die Natur. Mit seiner Kamera zog er hinaus in die Landschaft und fotografierte Pflanzen, Bäume, blühende Wiesen oder Wolken. „Dabei entwickelte er eine große Fertigkeit und erlangte internationale Aufmerksamkeit. Außerdem dienten seine Aufnahmen anderen Künstlern als Vorlage und verkauften sich überregional“, sagt Frohse.

Recherchen und Funde: Bedeutung für Loschwitz und darüber hinaus

Im Zuge der Recherchen für das Werkverzeichnis haben Frohse und seine Mitherausgeber Fotografien von Kotzsch nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sondern auch in den USA und in Australien ausfindig gemacht. Darüber hinaus wurden zahlreiche bislang unbekannte Motive sowie neue schriftliche Quellen gefunden. Somit dokumentieren diese alten, seltenen Fotos nicht nur ein Stück Zeitgeschichte in Loschwitz, sondern sind zugleich auch eine künstlerische Entdeckung.

Ausstellung „August Kotsch: Fotografie“ im Leonhardi-Museum Dresden, Grundstraße 26, 01326 Dresden, noch bis 21.06.26, Di-Fr 14-18 Uhr, Sa, So 10-18 Uhr

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