Transkript der Podcastfolge mit Modedesignerin Dorothea Michalk
Dorothea Michalk: [Musik] Das Lieblingskleid von einer meiner Kundinnen, äh die hat es zum Lüften auf die Wäscheleine gehangen. Der Windstoß hat es runter geweht. Der elektrische Rasenmäher ist drüber gegangen.
Henriette Fee Grützner: Nein?
Dorothea Michalk: [lacht]
Henriette Fee Grützner: Nein.
Dorothea Michalk: Ich habe den Kopf geschüttelt, als sie mit dem Kleid ankam. Ich habe gesagt: „Okay, wir gucken mal, was wir machen können.“ Wir haben es irgendwie wieder … Völlig vom Schnitt her verändert, aber wir konnten das Material weiterverwenden. Aus dem langen Kleid wurde ein kurzes und sie war super happy. [lacht]
Henriette Fee Grützner: Unglaublich.
Dorothea Michalk: Hm [bejahend]. [pause]
Henriette Fee Grützner: Kleider machen Leute und sie macht die Kleider und was für welche. Vor allem näht sie ganz viel Dresden, Elbland, Schönheit und Einzigartigkeit mit hinein. Hallo und herzlich willkommen an die renommierte Modedesignerin Dorothea Michalk.
Dorothea Michalk: Hallo.
Henriette Fee Grützner: Also vielen, vielen Dank erst mal. Ich freue mich, dass wir hier sein dürfen, dass du uns mitnimmst in deine herrliche Welt der Farben und der Stoffe. Aber bevor es losgeht, noch mal ganz kurz was zu unserem Podcast. Ich bin Henriette Fee Grützner und besuche in jeder Folge jemanden in Dresden Elbland mit einem AUßERGEWÖHNLICHEN Beruf. Und heute bin ich im Barockviertel mitten in Dresden gelandet. Bei dir, liebe Dorothea. Nämlich DOROTHEA MICHALK Store & Atelier. Und Barockviertel, das ist einfach einzigartig und wunderschön hier in Dresden. Aber vielleicht beschreibst du mal, der ein oder andere war ja noch NIE hier in Dresden. Wie empfindest du das Barockviertel? Wie würdest du das jemandem erklären, der das nicht kennt?
Dorothea Michalk: Also, das Barockviertel ist das schönste Viertel in der Stadt. [lacht] Äh. [pause]
Henriette Fee Grützner: [lacht] Punkt.
Dorothea Michalk: Ja. Es besticht durch diese vielen kleinen Gassen mit den ganz individuellen Geschäften. Alles inhabergeführt, alles mit sehr viel Herzblut dabei. Wir haben die alte Architektur, Originalarchitektur noch von Dresden. Wir haben das alte Kopfsteinpflaster, was hier noch im Originalzustand ist. Super viele kleine Cafés, Restaurants, Galerien, Kunsthändler, Schmuckdesigner, Modegeschäfte, Tätowierer und, und, und. Es ist ein BUNTER MIX an vielen kleinen Dingen.
Henriette Fee Grützner: Und das Schöne ist, ihr arbeitet auch ganz viel zusammen. Also es gibt immer so Events, wo man dann äh kommen kann und dann sind irgendwie alle offen und es gibt so eine Verbundenheit. Was mir spontan einfällt, ist die Cocktailnacht.
Dorothea Michalk: Genau. Die legendäre Cocktailnacht. Erster Donnerstag im September.
Henriette Fee Grützner: Was passiert da hier?
Dorothea Michalk: Da ist von 18 bis 22 Uhr super viel Spaß auf den ganzen Straßen. Alle Geschäfte, Galerien und wer alles hier im Viertel an Gewerbetreibenden da ist, stellt vor die Straße oder auf die Straße einen Cocktailstand, kreiert seinen eigenen Cocktail oder hat den Barkeeper seines Vertrauens dabei. Es ist voll mit Menschen. Es ist ein Flanieren. Musik spielt, Bands sind da, DJs legen auf und es ist wirklich eine rauschende Nacht und macht total viel Freude. Und wir haben immer Glück mit dem WETTER. [lacht]
Henriette Fee Grützner: Also die Cocktailnacht im Barockviertel hier in Dresden immer … Was hast du gesagt? Erster?
Dorothea Michalk: Erster Donnerstag im September.
Henriette Fee Grützner: Also wer jetzt keine Lust hat, ins Barockviertel zu kommen, weiß ich auch nicht.
Dorothea Michalk: [lacht]
Henriette Fee Grützner: Ganz kurz noch mal so zur Orientierung, Goldener Reiter, ne?
Dorothea Michalk: Ja.
Henriette Fee Grützner: Von da kann man losstarten. Ich war vor der Folge heute schon ein paar Mal bei dir im Laden. Und ich möchte es ganz kurz erzählen Es gab eine Situation. Es gab mal eine Modenschau, die du gemacht hast und da habe ich mich in ein Kleid verliebt und wollte das unbedingt haben und habe aber noch gezögert und gedacht: „Und hach, und hm [nachdenklich].“ Und dann hat meine Mama, die wollte mir das zum Geburtstag schenken … Hat bei dir angerufen, oder WhatsApp habt ihr geschrieben, und dann war das Kleid schon weg. Denn das Besondere … Ich war SO TRAURIG. Aber das Besondere bei dir ist, es sind individuelle Kleider. Viele gibt es auch wirklich nur einmal?
Dorothea Michalk: Ja, also wir machen ja wirklich Unikate und Kleinstserien. Es wird alles bei uns vor Ort hergestellt, die Kleider, die im Geschäft sind und wir können natürlich in der Maßanfertigung an unifarbenen Stoffen wahnsinnig viel bestellen. Aber alles, was gemustert ist, und das macht meine Kollektion auch aus, vor allen Dingen die Tageskollektionen, sind sehr viel schöne gemusterte Stoffe. Da kaufe ich auch BEWUSST NUR kleine Métragen ein, weil es individuell und ganz persönlich bleiben soll. Und wenn man eben nicht gleich zugreift, ist es wahrscheinlich, dass es dann auch zeitnah nicht mehr zu haben ist. Und ich habe wirklich dann … Mir sind die Hände gebunden. Ich kann oftmals den Stoff dann nicht mehr nachbestellen, weil die Stoffhersteller natürlich auch in die nächste Kollektion übergegangen sind.
Henriette Fee Grützner: Wenn man reinkommt, auch jetzt zum Beispiel … Gerade, dein Laden, man kommt rein, dann sieht man so ein schönes, helles … Ich glaube auch, es ist Seide, oder was ist es, das mit der großen Blume drauf?
Dorothea Michalk: Ja, das ist ein reiner Seidenchiffon mit einer gelben, großen Rosenornamentik, die einfach IRRE ist. Von der Qualität des Drucks, von dem Dekor, wie es gezeichnet ist. Ja, ist ein Eyecatcher.
Henriette Fee Grützner: Und es sind überhaupt ganz viele verschiedene Farben zu sehen. Blumenmuster habe ich gesehen, also ganz ver… viele verschiedene Sachen. Mich interessiert natürlich, du als Modedesignerin, woher holst du dir deine Inspiration?
Dorothea Michalk: Ach ja, die Inspiration tatsächlich aus der Natur. In der Natur draußen, die Ruhe. Ich muss zu mir selbst finden und bei mir selbst sein und mich INNERLICH RUHIG FÜHLEN, damit ich meine eigene Handschrift entwickle und der treu bleibe.
Henriette Fee Grützner: Wo bist du denn in Dresden Elbland unterwegs?
Dorothea Michalk: Na, ich gehe wahnsinnig gern joggen an der Elbe. Von hier, vom Goldenen Reiter aus. Rechts rum, links rum, beide Strecken wunderschön. Man ist mitten in der Stadt und man denkt, man ist komplett in der Natur. Und das ist das Faszinierende an dieser Stadt, dass einfach dieses Elbland, diese grüne Zunge mit dem … Mit der Wasserlinie in der Mitte durch die Stadt fließt, wo gerade im Sommer einfach irre viel los ist. Ja, das mag ich sehr.
Henriette Fee Grützner: Dorothea, lass uns mal noch ein kurzes Quiz machen. Ich bin mir relativ sicher, dass du die Lösung kennst, aber wir lassen mal euch ein bisschen rätseln und lösen das dann auch im Laufe der Folge auf. August der Starke ist natürlich ein großer Name hier in Dresden Elbland. Kurfürst von Sachsen war er und der hatte einen Krönungsmantel. Welche Farbe hatte der hochwertige Krönungsmantel? A, blau, B, rot oder C, reines Gold? Wie gesagt, lösen wir später auf.
Dorothea Michalk: Ja.
Henriette Fee Grützner: Lass uns noch mal darüber reden, wo wir gerade sind. Wir sind nämlich nicht in deinem wunderschönen Ladengeschäft, sondern wir sind genau gegenüber. Hier hast du dein Atelier. Riesengroßer Tisch natürlich, wo du dran arbeitest. Hinter mir die tollsten Stoffe, ich habe gerade schon gesehen. Ist ganz gut, dass die hinter mir sind, weil ich bin so fasziniert. Du hast Glitzer, du hast florale Stoffe. Und wenn man jetzt in Dresden Elbland unterwegs ist und man kommt jetzt hier bei dir vorbei, kann man dann, wenn man jetzt sagt, „die Kleider sind total schön, aber ich habe wirklich eine ganz spezielle Vorstellung, oder ich möchte gern den und den Stoff haben“ … Wenn man jetzt Freitag käme, würdest du das schaffen, innerhalb von einer Woche dann ein Kleid zu zaubern?
Dorothea Michalk: Ja, also, das schaffen wir. Das haben wir sogar REGELMÄẞIG. Wir sind sehr flexibel bei uns im Atelier. Wir können wahnsinnig gern machen. Und wenn es wirklich ein ganz kurzfristiges Kleid sein soll, dann muss ein Stoff aus dem Atelier ausgewählt werden. Ansonsten habe ich ja viele Möglichkeiten, die unterschiedlichsten Stoffe in den unterschiedlichsten Formen zu bestellen, viele verschiedene Qualitäten. Und wir haben mittlerweile auch Kundschaft, die regelmäßig zu uns kommen aus ganz Deutschland, die uns vielleicht auf Instagram oder wo auch immer verfolgen und dann ein Design sehen. Sie rufen uns an und sagen: „Ich hätte gerne das Kleid.“ Die kommen dann und dann in die Stadt, dann bereiten wir das vor. Halten uns die Kapazitäten im Atelier frei. Dass wir genau an den Tagen wie die Kundin in der Stadt ist, das Kleid entweder weiterarbeiten können oder überhaupt fertigen können. Zum Teil rufen sie auch an und sagen: „Wir würden gern kommen. Wir sind drei Nächte in der Stadt.“ Dann reisen die Gäste an, checken es … Ins Hotel ein und der erste Weg ist zu uns. Dann besprechen wir das Design. Dann geben wir SOFORT in die FERTIGUNG, setzen es sofort um. Am nächsten Tag ist die Anprobe und im Bestfall ist es am dritten Tag fertig, oder wir schicken es dann hinterher.
Henriette Fee Grützner: Wahnsinn. Wolltest du eigentlich schon immer was mit Mode machen? Also warst du so ein Kind, was, weiß ich nicht, für die Puppen selber Kleider genäht hat zum Beispiel?
Dorothea Michalk: Also, ich wollte schon immer was Kreatives machen. Mit Puppen habe ich tatsächlich nie gespielt, aber ich war schon immer kreativ. Ich musste schon immer irgendwas basteln als Kleinkind. Ich hatte bei meinem Vater eine eigene Werkstatt, in der ich mich austoben konnte. Ich habe wahnsinnig viel gezeichnet. Und, ja, zu Schulzeiten hat sich das herausgestellt, dass ich Modedesign machen wollte. Es war noch so ein bisschen Fotografie hat mich auch wahnsinnig interessiert in Architektur, gestalterische Themen. Aber die Mode hat sich immer mehr herauskristallisiert. Und dann bin ich dem Weg treu geblieben.
Henriette Fee Grützner: Und dann hast du gedacht: „Ich will Designerin werden.“ Wie hat da so dein Umfeld reagiert? Was haben deine Eltern beruflich gemacht?
Dorothea Michalk: Meine Eltern haben in der Richtung nichts gemacht und da war natürlich erst mal ein großes Kopfschütteln da. Verstanden hat es niemand weil es das in der Art und Weise, wie ich es jetzt mache, hier auch überhaupt gar nicht gab. Es war eigentlich eher UNVERSTÄNDNIS. Aber irgendwann haben auch meine Eltern gemerkt, okay, die meint es irgendwie ernst, weil ich dran geblieben bin. Und dann haben sie mich selbstverständlich auch unterstützt. Klar. Aber das war erst mal Gegenwind. Auf jeden Fall.
Henriette Fee Grützner: Lass uns noch mal drüber reden, wo du herkommst. Du kommst aus der Lausitz?
Dorothea Michalk: Ja.
Henriette Fee Grützner: Dann hast du in München studiert, Modedesign? J
Dorothea Michalk: Hm [bejahend] ja.
Henriette Fee Grützner: Und dann warst du wirklich in der Welt unterwegs. Du warst in Italien. Du warst in Frankreich. Vielleicht kannst du uns da noch mal ein bisschen mitnehmen, wo du überall warst.
Dorothea Michalk: Hm [bejahend]. Hm [bejahend].
Henriette Fee Grützner: Und vor allem spannend, der Bogen, gelandet bist du in Dresden.
Dorothea Michalk: Hm [bejahend].
Henriette Fee Grützner: Warum Dresden?
Dorothea Michalk: Genau. Ich fange von vorne an? [lacht]
Henriette Fee Grützner: Ja, genau.
Dorothea Michalk: Ja, ich bin ganz behütet eigentlich aufgewachsen. Auch in einem ganz kleinen Ort in der Oberlausitz, in der Nähe von Bautzen. Bin dort dann zur Schule gegangen, aufs Gymnasium und dann eben dort den Wunsch entwickelt, Mode zu studieren. Habe mich dann deutschlandweit an unterschiedlichsten Modeschulen informiert. Was ist der Werdegang? Wie ist die Ausbildung? Und bin an der ESMOD in München angenommen worden. Das ist auch die Schule, wo ich hinwollte, weil die international ausgerichtet war. Das ist eine der ältesten Modeschuren weltweit, mit Hauptsitz in Paris. Und mir war schon immer der … Wie soll ich sagen, der eröffnete Blick … Ich sage immer: „Schotten aufmachen im Kopf“, ne? Raus und mehr, andere Einflüsse reinlassen und schauen. Ja, einfach die FÜLLE an DINGEN einfach wahrnehmen und zu erlernen. Und das habe ich mir an der Schule am meisten erhofft. Und ich würde sagen, es ist auch so geworden. Nachdem ich dort das Diplom in der Hand hatte, bin ich dann nach Italien gegangen. Zwischendrin war ich aber auch noch in Paris in einem Couture-Atelier, habe dort gearbeitet und ich wollte unbedingt zu den Italienern, weil die Italiener mich einfach wahnsinnig begeistern. Ich bin ein ganz großer Valentino-Fan, habe …
Henriette Fee Grützner: Hast du den mal getroffen, persönlich?
Dorothea Michalk: Getroffen habe ich ihn nicht. Aber als ich dann fertig war mit meiner Ausbildung, war eine Stelle in der Ausschreibung. Ich habe mich darauf beworben, hatte auch DA aus meiner eigenen Riegen, Moderiegen in München viel Gegenwind bekommen. Die haben gesagt: „Du brauchst dich nicht bewerben, bewirbt sich die ganze Welt.“ Und ich sage mir: „Ja, ich probiere es jetzt einfach, weil was soll passieren außer einer Absage?“ Und ich wurde tatsächlich eingeladen zum dreitägigen Workshop ins Atelier von Valentino in Rom, im Herzen von Rom. Das waren irre drei Tage. Ich war dort mit fünf Konkurrenten. So muss man es ja benennen. Es war eigentlich ein Wettbewerb und ich war die Einzige, die frisch vom Modestudium kam. Alle anderen waren schon Designer in renommierten Häusern gewesen. Und demzufolge, ja, ich war wahrscheinlich noch ein bisschen frisch in der Branche, sodass die Wahl auf jemand anderen gefallen ist. Aber es war eine IRRE ERFAHRUNG und für mich ein kleiner Ritterschlag, damals da eingeladen gewesen zu sein. Und die Couture-Häuser, gerade bei Valentino, was ja wirklich mein IRRES VORBILD war, da eingeladen zu sein, ja.
Henriette Fee Grützner: Was gefällt dir so an Valentino oder Italien? Was ist es?
Dorothea Michalk: Na gut, an Valentino ist es die schlichte Eleganz. Das ist irre. Die Linienführung, die er macht, das äh fand ich schon immer traumhaft schön. Dieser sagenhafte Glamour. Unaufgeregt, aber detailverliebt. Hochwertig bis ins kleinste Detail eben auch. Ja, und an Italien direkt ist einfach die Lebensfreude, diese pure Energie. Die Sonne, das Meer.
Henriette Fee Grützner: Und ich finde ein bisschen was davon hat man auch im Barockviertel hier.
Dorothea Michalk: Ja, würde ich auch sagen.
Henriette Fee Grützner: Oder?
Dorothea Michalk: Und aus dem Zimmer in Elbflorenz, ne? [lacht]
Henriette Fee Grützner: Genau. Wie bist du zurückgekommen nach Dresden? Warum Dresden?
Dorothea Michalk: Ich bin total heimatverbunden. Ich finde Sachsen wunderschön und ich finde Dresden wunderschön. Ich bin ja gebürtige Oberlausitzerin und da ist für mich Dresden sehr nahe gewesen. Und ich finde die Stadt einfach … Ja, ich fühle mich hier einfach wohl und habe mich dann hier selbstständig gemacht. Und, natürlich, zu einer Zeit bin ich hier in die Selbstständigkeit gegangen, in die Modebranche, da war jetzt hier auch noch nicht so viel. Mir war auch unklar, wird das funktionieren, was ich mache? Werden die Frauen verstehen, was ich hier anfertige? Werden sie den Look mögen? Ich bin ja durch diese Handarbeit und dieses Handwerk, was wir hier vor Ort machen, natürlich auch in einer Preislage drin, die jetzt nicht das ERSCHWINGLICHSTE ist, sage ich mal, aber eben sehr wertig. Und diese Wertigkeit bringt ihren Preis dann natürlich mit. Und demzufolge konkurriere ich ja auch mit vielen großen Namen in dem Segment. Da war ich mir unschlüssig, wird es funktionieren? Und ich bin sehr dankbar, dass das funktioniert.
Henriette Fee Grützner: Schön. [pause] Lass uns mal in die Rubrik Kurioses springen. Also entweder eine Kuriosität aus deinem Leben, dein Berufsleben oder eine Zahl zum Beruf. Und ich habe mir überlegt, was, glaube ich, ganz spannend wäre, was war das Kleid, an dem du am allerlängsten gearbeitet hast?
Dorothea Michalk: Das war das Kleid für die Moderation zum SemperOpernball, den ich als erstes mit begleitet habe, seitdem ich im Vorstand bin. Das Kleid war für mich sehr wichtig. Das Moderationskleid ist natürlich ein Highlight. Es ist sehr in der Aufmerksamkeit. Es hat eine sehr starke Präsenz, den ganzen Abend über hinweg. Und ich habe es auch mal an die Puppe gehangen, damit man es auch mal sieht.
Henriette Fee Grützner: Das ist es?
Dorothea Michalk: Das ist dieses Kleid, ja. Da ist sehr viel von dem drinnen, was eigentlich meine Handschrift ist. Es ist ein rotes Kleid, ein langes rotes Kleid. Es ist asymmetrisch. Es hat eine Drapierung über das ganze Oberteil hinweg wie ein Fluss, der da lang fließt und im Rock in einen Volant aufgeht. Bestickt mit wirklich sehr, sehr, sehr viel Swarovskisteinen in Rot, die wir alle selber eingefasst haben, mit der Hand aufgenäht haben. Die verziert ist mit einer drapierten Rose, Blume am Oberteil. Die Steine gehen auf wie eine, na ja, ich sage mal Edelsteinader und versteckt sich wieder im Kleid und es hat eine Schleppe dran. Es ist für den roten Teppich gedacht und für den großen Auftritt. Es hat eine LEICHTIGKEIT, aber es ist trotzdem sehr, sehr stark und sehr auffällig auch, j
Henriette Fee Grützner: Wunderschön. Auch ein wunderschönes Rot. Und wie lange hast du da dran gesessen?
Dorothea Michalk: An dem Kleid tatsächlich zehn Tage.
Henriette Fee Grützner: Zehn Tage?
Dorothea Michalk: Ja, zehn Tage.
Henriette Fee Grützner: Aber nicht Tag und Nacht?
Dorothea Michalk: Doch, tatsächlich Tag und Nacht, weil …
Henriette Fee Grützner: [lacht] Wie du das so sagst: „Doch, ja, doch.“
Dorothea Michalk: Ja, weil wenn ich solche, ich nenne es immer bei mir, Hauptkleider mache, arbeite ich sehr viel in der Nacht. Dann habe ich hier meine Ruhe. Dann ist der Kundentagesverkehr weg, dann klingelt kein Telefon. Dann habe ich keine Gespräche oder Austausch mit meinen Mitarbeitern. Dann habe ich wirklich meine Ruhe. Dann schließe ich mich hier ein, mache eine Flasche Rotwein auf, mache Musik an und dann bin ich hier kreativ und ganz für mich allein. Macht mir sehr viel SPAẞ.
Henriette Fee Grützner: Okay, welche Musik?
Dorothea Michalk: Oh, ganz gemischt, ist situationsabhängig. Also ich höre relativ viel. Ich bin groß geworden mit elektronischer Tanzmusik. [lacht] Ich höre aber auch wahnsinnig viel Jazz und Soul und bin da breit aufgestellt, musikalisch.
Henriette Fee Grützner: Du bist ja, das kann man wirklich sagen, wenn man nach Dresden Elbland kommt … Du bist hier eine feste Instanz, du bist ein Name, den man kennt. Wann war sozusagen dein Durchbruch hier in Dresden?
Dorothea Michalk: Ja, der Durchbruch kam tatsächlich, eigentlich, kurz bevor ich mein erstes Geschäft aufgemacht habe. Also ich habe ja angefangen in meiner Wohnung, in einem Atelier. Also in einem Raum, quasi aus der Wohnung heraus Kleider zu fertigen. Da eine witzige Anekdote, die ich jetzt schon einbauen kann. Mein allererstes Kleid für halt meine allererste Kundin in der Maßanfertigung, das war jemand, die ich kannte, die ein Brautkleid gesucht hat. Und zwar was ganz Spezielles, was es nirgends gab. Das Symbol für dieses Brautpaar waren quasi Hoodies. Beide haben gern Hoodies getragen und sie wollte an ihrem Brautkleid … Sie wollte es rückenfrei haben und trotzdem eine Kapuze drann. Und das hat sie halt nirgends gefunden.
Henriette Fee Grützner: Nee, das glaube ich.
Dorothea Michalk: Und sie hat mich etwas länger bearbeiten müssen, mit schönen Worten. Und irgendwann hat sie es geschafft, dass ich gesagt habe: „Okay, ich mache es dir jetzt, also ich schneide dir jetzt dieses Brautkleid, rückenfrei mit Kapuze.“
Henriette Fee Grützner: Großartig.
Dorothea Michalk: Und sie war SUPER HAPPY und weil sie auch so glücklich war und weil es auch besonders war, hat sich das dann rumgesprochen.
Henriette Fee Grützner: Was waren denn so die verrücktesten Anfragen oder die verrücktesten Sachen, wo jemand zu dir gekommen ist? Vielleicht auch eine Stammkundin oder so? Was ist so passiert?
Dorothea Michalk: Schöne Anekdoten über die Jahre hinweg sind eigentlich ja die Kleider, die aus meinen ersten Jahren wieder zurückkommen und abgeändert werden müssen. Aus den unterschiedlichsten Gründen, also …
Henriette Fee Grützner: Nennt mal einen Grund. Also, ich meine, gut, einen können wir uns alle denken, ne? Man hat abgenommen, man hat zugenommen.
Dorothea Michalk: Genau.
Henriette Fee Grützner: Aber was ist auch so, wo man gesagt hat: „Mensch …“
Dorothea Michalk: Na ja, ich sage immer, der Klassiker bei mir ist dann auch, wenn die Kleider vererbt werden an die Töchter. Und das natürlich an die Töchter dann angepasst werden muss. Ich hatte aber auch schon Trauerfälle, dass die Frau verstorben ist und der Mann es der besten Freundin vererbt hat und wir es der Freundin angepasst haben.
Henriette Fee Grützner: Ach Gott.
Dorothea Michalk: Auch solche Geschichten gibt es bei uns. Wir hatten aber auch schon … Also, die verrückteste Geschichte ist, das Lieblingskleid von einer meiner Kundinnen, äh die hat es zum Lüften auf die Wäscheleine gehangen. Der Windstoß hat es runter geweht. Der elektrische Rasenmäher ist drüber gegangen.
Henriette Fee Grützner: Nein?
Dorothea Michalk: [lacht]
Henriette Fee Grützner: Nein.
Dorothea Michalk: Ich habe den Kopf geschüttelt, als sie mit dem Kleid ankam. Ich habe gesagt: „Okay, wir gucken mal, was wir machen können.“ Wir haben es irgendwie wieder … Völlig vom Schnitt her verändert, aber wir konnten das Material weiterverwenden. Aus dem langen Kleid wurde ein kurzes und sie war super happy. [lacht]
Henriette Fee Grützner: Unglaublich.
Dorothea Michalk: Hm [bejahend].
Henriette Fee Grützner: Lass uns noch mal reden über den SemperOpernball. Das ist ja auch eine Herausforderung.
Dorothea Michalk: Hm [bejahend].
Henriette Fee Grützner: Du bist da ja gleich, kann man sagen, dreifach aufgestellt. Einmal haben wir schon darüber gesprochen, die Kundinnen, die natürlich zum SemperOpernball gehen wollen und tanzen wollen, die ein Kleid brauchen. Dann bist du, wenn ich richtig informiert bin, im Vorstand?
Dorothea Michalk: Ja.
Henriette Fee Grützner: Und dann, dieses Jahr zum zweiten Mal, wirst du die Debütantinnen einkleiden?
Dorothea Michalk: Hm [bejahend]. Genau.
Henriette Fee Grützner: Wie ist das zustande gekommen? Und vor allem, wie war der Moment, als du dann, das stelle ich mir GROẞARTIG vor … Wenn man das dann sieht, wenn die deine Kleider tragen und tanzen?
Dorothea Michalk: Also der SemperOpernball ist natürlich ein irres Event für diese Stadt, mit einer unglaublichen Ausstrahlungskraft nach außen. Und ich mag solche Veranstaltungen persönlich sehr. Deshalb war ich auch immer Gast, auf allen Bällen und habe auch über all die Jahre hinweg die Kunden ausgestattet. Und das Thema der Debütantenkleider kam, weil ich … Eine ganz reguläre Ausschreibung war und ich mich da auch beworben habe. Und mich natürlich damit beworben habe, dass ich die Kleider lokal produzieren lasse.
Henriette Fee Grützner: Das finde ich so spannend und ich frage mich … Also, nimm uns gleich mal mit, wo werden die gemacht, regional?
Dorothea Michalk: Hm [bejahend].
Henriette Fee Grützner: Und das ist natürlich der Wahnsinn, wenn man sich überlegt, heutzutage, ne,fast alle, sind wir ehrlich, oder VIELE assen in China produzieren. Wie siehst du das? Oder warum war dir das wichtig, zu sagen: „Nein, wir machen das hier regional.“
Dorothea Michalk: Also ich muss schon sagen, die Debütantenkleider sind für mich schon eine kleine Challenge. [lacht] Und ist meine Handschrift, dass alle Kleider, wo ich sage mal, mein Name hinten drin steht, in Sachsen hergestellt werden. Es ist für mich so ein bisschen Leidenschaft zum Handwerk und Leidenschaft zum Regionalen. Und in Sachsen ist einfach eine große Industriegeschichte zum Schneiderhandwerk Ich bin gebürtige Oberlausitzerin und in der Oberlausitz waren damals alle Webstühle. Die Firmen gibt es alle nicht mehr. Also es war eine sehr große Produktion und um Chemnitz drum herum, im Erzgebirge sind natürlich all die Produktionsstätten gewesen und in Leipzig waren ja die Modemessen. So war ja die Geschichte von Sachsen in der Modebranche. Und übrig geblieben ist fast gar nichts mehr. Und es gibt noch vereinzelt Produktionsstätten im Erzgebirge und da ist auch eine, das Studio U&N, wo ich schon all die Jahre immer mal wieder etwas abgebe, wenn wir im Atelier was nicht schaffen.
Henriette Fee Grützner: Lass uns mal darüber reden. Wir haben nämlich eine neue Rubrik. Du bist jetzt die Erste, die das machen wird. Und zwar, zwei Tage Dresden, welche Highlights darf ich auf gar keinen Fall verpassen? Also ich könnte mir vorstellen, dass uns auch gerade ganz viele Mädels zuhören. Jetzt stellen wir uns mal vor, so zwei Tage. Freitags kommt man an mit den Mädels, macht so ein Wochenende. Was würdest du sagen, wo checkt man ein? Welches Hotel zum Beispiel?
Dorothea Michalk: Also, natürlich, zum Einchecken bei uns im Viertel das Bülowhotel mit zwei Häusern, wunderschön, ganz individuell. Hat schon mehrere Auszeichnungen bekommen für die unglaubliche Gastfreundschaft und den Service sehr persönlich, sehr gastorientiert. Das ist natürlich wunderbar.
Henriette Fee Grützner: Also Bülowpalais im Barockviertel eingecheckt und dann?
Dorothea Michalk: Ja. Und dann, am Freitag …
Henriette Fee Grützner: Schlafen gehen?
Dorothea Michalk: Da geht man natürlich nicht schlafen, [lacht] weil das Wochenende beginnt. Mein persönliches Highlight, aber da muss man speziell in der Stadt sein. Einen Freitag im Monat ist die legendäre 120 Minuten Party, mein persönliches Highlight, eine Partyserie im Glory Club, sehr speziell. Kleiner Club, elektronische Tanzmusik und geht konsequente 120 Minuten. Man geht dahin. Das Licht ist noch an, es ist eine ganz große Uhr, die rückwärts zählt. Um Punkt 0 Uhr geht das Licht aus, die Regler werden hochgezogen und es geht die Party los. Und dann zählt die Uhr wieder runter, die 120 Minuten. Darum heißt sie so und nach 120 Minuten ist die Party vorbei. Das Licht geht wieder an, die Musik ist aus. Das ist konsequentes Feiern. Kopf freimachen.
Henriette Fee Grützner: [lacht] Konsequentes feiern, sehr gut.
Dorothea Michalk: Ja. Und es ist zu einer Uhrzeit, wo es noch nicht so ganz gefährlich wird, finde ich.
Henriette Fee Grützner: Ja. Also Glory Club Bautzner Straße. So, dann aber wirklich ausschlafen und wo frühstücken gehen am nächsten Morgen?
Dorothea Michalk: Frühstücken gehen, empfehle ich das Alma Dailys Brunch auf der Bosbergstraße.
Henriette Fee Grützner: Das kenne ich gar nicht.
Dorothea Michalk: Das ist ganz neu. Das ist von einem ehemaligen Sternekoch, der da ein neues Lokal aufgemacht hat, mit ganz tollem Frühstücksangebot. Ganz gemütlich, ganz individuell. Zum Beispiel das Ei Benedict ist dort meine Lieblingsspeise. Kann ich nur empfehlen. Super Service, ganz, ganz toll.
Henriette Fee Grützner: So, und jetzt gibt es ja noch viele Highlights, was man noch machen könnte mit dem angefangenen Tag oder an dem Wochenende. Was fällt dir noch ein?
Dorothea Michalk: Im Sommer fällt mir da sofort ein die Weinberge in Radebeul mit den Winzern. Eine ganz schöne Strecke an der Spitzhaustreppe, wo man im Hof Lössnitz einkehren kann, bei dem Weingut Drei Herren oder am Weingut Aust. Drei wunderbare Weingüter direkt aneinander. Man kann in den Weinbergen spazieren gehen. Das ist WIRKLICH SCHÖN. Oder man fährt noch ein Stückchen weiter bis nach Meißen und geht dort in die Porzellanmanufaktur rein, kann sich sogar selber mal beim Bemalen ausprobieren. Ganz schön. Oder auch in den Wintermonaten ein wunderschöner Tipp, wo ich auch gern hingehe, ist zum Konzertplatz auf dem Weißen Hirsch.
Henriette Fee Grützner: Ach, super.
Dorothea Michalk: Da ist eine Schlittschuhbahn aufgebaut, ganz romantisch, wunderschön dekoriert, wo man sich die Schlittschuhe ausleihen kann, Glühwein trinken kann, aber auch ganz LECKER ESSEN gibt, wo man sich auch mit Freunden verabreden kann. Und man kann mit der Straßenbahn hoch fahren. Das heißt, wenn man zu viel getrunken hat, kommt man wieder gut in die Stadt runter. [lacht]
Henriette Fee Grützner: Das ist sehr, gut, genau. November bis Februar ist das immer, Konzertplatz Weißer Hirsch, kann man Eislaufen gehen. Das ist alles ganz fantastisch. Und wenn du jetzt sagen würdest, noch ein bisschen Kultur mitnehmen, welches Museum zum Beispiel, fällt dir sofort ein?
Dorothea Michalk: Ja, also die Stadt ist natürlich voll mit den schönsten Museen, aber ein persönliches Highlight ist für mich im Residenzschloss die Ausstellung Macht und Mode.
Henriette Fee Grützner: Ach, wie passend. [lacht]
Dorothea Michalk: [lacht] Ja, komisch, gell? Genau. Finde ich super spannend. Zeigt auch allein an der Betitelung … Das ist natürlich eine Ausstellung über die Robe vom August des Starkens und davor und danach. Aber allein die Betitelung finde ich hier ganz spannend. Weil es auch immer noch heute so ist, dass man nicht unterschätzen sollte, was es ausmacht, gut gekleidet zu sein.
Henriette Fee Grützner: Absolut, gut gekleidet. Lass uns mal an der Stelle das Quiz auflösen. Frage war ja der Mantel von August dem Starken, der Krönungsmantel … Kurfürst von Sachsen war er. Welche Farbe hatte der? Blau, Rot oder reines Gold? Die Krönung war ja 1697 in Krakow. Weißt du es?
Dorothea Michalk: Es ist der BLAUE MANTEL.
Henriette Fee Grützner: Genau, ausgestellt in der Rüstkammer. Also wirklich absolut sehenswert. Prunkvoll ohne Ende. Also, das ist schön, dass du das sagst, weil das hatten wir noch gar nicht. Macht und Mode, eine schöne Dauerausstellung.
Dorothea Michalk: Ja.
Henriette Fee Grützner: Hättest du denn gerne gelebt in der Zeit gelebt von August? Oder in welcher Modezeit hättest du gern gelebt?
Dorothea Michalk: Hm [nachdenklich] wenn ich es mir aussuchen könnte, einmal reinzuschnuppern, dann wäre es die Antike. Dort ist tatsächlich auch ein bisschen meine Hauptinspirationsquelle, der drapierten Kleider, römisch-griechischer Fall. Eigentlich auch noch das Schönheitsideal von damals, ne? Offene, lange Haare das Zeichen für innere Schönheit. Mag ich sehr.
Henriette Fee Grützner: Und vielleicht noch mal so, weil wir jetzt wirklich eine Expertin zu dem Thema hier haben, wie siehst denn du das, eher Trends folgen oder den eigenen Stil finden?
Dorothea Michalk: Hm [bejahend]. Ja, ich bin definitiv für den eigenen Stil finden. Also …
Henriette Fee Grützner: Wie findet man den?
Dorothea Michalk: Na, indem man sich mal ein bisschen auf sich selbst konzentriert. Das können heutzutage nicht mehr viele, aber man soll … Ich gebe es wirklich als Tipp, das mal zu machen und sich mal von allem rechts, links und Überflutungssituationen von Bildern, die man so alltäglich hineinbekommt, in seinen Kopf, mal entfernen. Und sich mal AUF SICH SELBST KONZENTRIEREN, dann findet man auch seinen eigenen Stil und seinen eigenen Look. Und so wird man ja, ich sage mal, individuell und interessant. Die Trends sind so schnelllebig heutzutage geworden. Also, ich würde sagen, selbst die Stars schaffen es nicht, konsequent da hinterher zu sein. Und so schnell, wie er da ist, so schnell ist der nächste wieder da und der Alte wieder weg. Ich finde, man sollte sich ein bisschen darauf konzentrieren und seinen eigenen Stil und seinen eigenen Look finden.
Henriette Fee Grützner: Genau, und wer gar nicht weiter weiß, kommt einfach mal bei dir vorbei, ne?
Dorothea Michalk: Ja, wäre eine gute Möglichkeit. [lacht]
Henriette Fee Grützner: Dorothea Michalk im Barockviertel in Dresden.
Dorothea Michalk: Hm [bejahend].
Henriette Fee Grützner: Einfach vorbeikommen, durchstöbern. Und wenn nicht, dich einfach ansprechen. Du bist ja auch hier vor Ort. Das ist ja das Coole, dass man wirklich sagen kann: „Was steht mir denn? Steht mir der Schnitt?“ Du hast auch unterschiedliche Schnitte. „Was steht mir überhaupt?“ Also, es war eine Freude mit dir. Vielen, vielen Dank für das Gespräch.
Dorothea Michalk: Ich habe zu danken. Gerne.
Henriette Fee Grützner: Alle Infos zu dieser Folge wie immer in unseren Shownotes und unter www.visit-dresden-elbland.de. Ich sage tschüss, freue mich dann schon auf die nächste Folge Nu gucke ma da.
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Transkript der Podcastfolge mit Modedesignerin Dorothea Michalk
Dorothea Michalk: [Musik] Das Lieblingskleid von einer meiner Kundinnen, äh die hat es zum Lüften auf die Wäscheleine gehangen. Der Windstoß hat es runter geweht. Der elektrische Rasenmäher ist drüber gegangen.
Henriette Fee Grützner: Nein?
Dorothea Michalk: [lacht]
Henriette Fee Grützner: Nein.
Dorothea Michalk: Ich habe den Kopf geschüttelt, als sie mit dem Kleid ankam. Ich habe gesagt: „Okay, wir gucken mal, was wir machen können.“ Wir haben es irgendwie wieder … Völlig vom Schnitt her verändert, aber wir konnten das Material weiterverwenden. Aus dem langen Kleid wurde ein kurzes und sie war super happy. [lacht]
Henriette Fee Grützner: Unglaublich.
Dorothea Michalk: Hm [bejahend]. [pause]
Henriette Fee Grützner: Kleider machen Leute und sie macht die Kleider und was für welche. Vor allem näht sie ganz viel Dresden, Elbland, Schönheit und Einzigartigkeit mit hinein. Hallo und herzlich willkommen an die renommierte Modedesignerin Dorothea Michalk.
Dorothea Michalk: Hallo.
Henriette Fee Grützner: Also vielen, vielen Dank erst mal. Ich freue mich, dass wir hier sein dürfen, dass du uns mitnimmst in deine herrliche Welt der Farben und der Stoffe. Aber bevor es losgeht, noch mal ganz kurz was zu unserem Podcast. Ich bin Henriette Fee Grützner und besuche in jeder Folge jemanden in Dresden Elbland mit einem AUßERGEWÖHNLICHEN Beruf. Und heute bin ich im Barockviertel mitten in Dresden gelandet. Bei dir, liebe Dorothea. Nämlich DOROTHEA MICHALK Store & Atelier. Und Barockviertel, das ist einfach einzigartig und wunderschön hier in Dresden. Aber vielleicht beschreibst du mal, der ein oder andere war ja noch NIE hier in Dresden. Wie empfindest du das Barockviertel? Wie würdest du das jemandem erklären, der das nicht kennt?
Dorothea Michalk: Also, das Barockviertel ist das schönste Viertel in der Stadt. [lacht] Äh. [pause]
Henriette Fee Grützner: [lacht] Punkt.
Dorothea Michalk: Ja. Es besticht durch diese vielen kleinen Gassen mit den ganz individuellen Geschäften. Alles inhabergeführt, alles mit sehr viel Herzblut dabei. Wir haben die alte Architektur, Originalarchitektur noch von Dresden. Wir haben das alte Kopfsteinpflaster, was hier noch im Originalzustand ist. Super viele kleine Cafés, Restaurants, Galerien, Kunsthändler, Schmuckdesigner, Modegeschäfte, Tätowierer und, und, und. Es ist ein BUNTER MIX an vielen kleinen Dingen.
Henriette Fee Grützner: Und das Schöne ist, ihr arbeitet auch ganz viel zusammen. Also es gibt immer so Events, wo man dann äh kommen kann und dann sind irgendwie alle offen und es gibt so eine Verbundenheit. Was mir spontan einfällt, ist die Cocktailnacht.
Dorothea Michalk: Genau. Die legendäre Cocktailnacht. Erster Donnerstag im September.
Henriette Fee Grützner: Was passiert da hier?
Dorothea Michalk: Da ist von 18 bis 22 Uhr super viel Spaß auf den ganzen Straßen. Alle Geschäfte, Galerien und wer alles hier im Viertel an Gewerbetreibenden da ist, stellt vor die Straße oder auf die Straße einen Cocktailstand, kreiert seinen eigenen Cocktail oder hat den Barkeeper seines Vertrauens dabei. Es ist voll mit Menschen. Es ist ein Flanieren. Musik spielt, Bands sind da, DJs legen auf und es ist wirklich eine rauschende Nacht und macht total viel Freude. Und wir haben immer Glück mit dem WETTER. [lacht]
Henriette Fee Grützner: Also die Cocktailnacht im Barockviertel hier in Dresden immer … Was hast du gesagt? Erster?
Dorothea Michalk: Erster Donnerstag im September.
Henriette Fee Grützner: Also wer jetzt keine Lust hat, ins Barockviertel zu kommen, weiß ich auch nicht.
Dorothea Michalk: [lacht]
Henriette Fee Grützner: Ganz kurz noch mal so zur Orientierung, Goldener Reiter, ne?
Dorothea Michalk: Ja.
Henriette Fee Grützner: Von da kann man losstarten. Ich war vor der Folge heute schon ein paar Mal bei dir im Laden. Und ich möchte es ganz kurz erzählen Es gab eine Situation. Es gab mal eine Modenschau, die du gemacht hast und da habe ich mich in ein Kleid verliebt und wollte das unbedingt haben und habe aber noch gezögert und gedacht: „Und hach, und hm [nachdenklich].“ Und dann hat meine Mama, die wollte mir das zum Geburtstag schenken … Hat bei dir angerufen, oder WhatsApp habt ihr geschrieben, und dann war das Kleid schon weg. Denn das Besondere … Ich war SO TRAURIG. Aber das Besondere bei dir ist, es sind individuelle Kleider. Viele gibt es auch wirklich nur einmal?
Dorothea Michalk: Ja, also wir machen ja wirklich Unikate und Kleinstserien. Es wird alles bei uns vor Ort hergestellt, die Kleider, die im Geschäft sind und wir können natürlich in der Maßanfertigung an unifarbenen Stoffen wahnsinnig viel bestellen. Aber alles, was gemustert ist, und das macht meine Kollektion auch aus, vor allen Dingen die Tageskollektionen, sind sehr viel schöne gemusterte Stoffe. Da kaufe ich auch BEWUSST NUR kleine Métragen ein, weil es individuell und ganz persönlich bleiben soll. Und wenn man eben nicht gleich zugreift, ist es wahrscheinlich, dass es dann auch zeitnah nicht mehr zu haben ist. Und ich habe wirklich dann … Mir sind die Hände gebunden. Ich kann oftmals den Stoff dann nicht mehr nachbestellen, weil die Stoffhersteller natürlich auch in die nächste Kollektion übergegangen sind.
Henriette Fee Grützner: Wenn man reinkommt, auch jetzt zum Beispiel … Gerade, dein Laden, man kommt rein, dann sieht man so ein schönes, helles … Ich glaube auch, es ist Seide, oder was ist es, das mit der großen Blume drauf?
Dorothea Michalk: Ja, das ist ein reiner Seidenchiffon mit einer gelben, großen Rosenornamentik, die einfach IRRE ist. Von der Qualität des Drucks, von dem Dekor, wie es gezeichnet ist. Ja, ist ein Eyecatcher.
Henriette Fee Grützner: Und es sind überhaupt ganz viele verschiedene Farben zu sehen. Blumenmuster habe ich gesehen, also ganz ver… viele verschiedene Sachen. Mich interessiert natürlich, du als Modedesignerin, woher holst du dir deine Inspiration?
Dorothea Michalk: Ach ja, die Inspiration tatsächlich aus der Natur. In der Natur draußen, die Ruhe. Ich muss zu mir selbst finden und bei mir selbst sein und mich INNERLICH RUHIG FÜHLEN, damit ich meine eigene Handschrift entwickle und der treu bleibe.
Henriette Fee Grützner: Wo bist du denn in Dresden Elbland unterwegs?
Dorothea Michalk: Na, ich gehe wahnsinnig gern joggen an der Elbe. Von hier, vom Goldenen Reiter aus. Rechts rum, links rum, beide Strecken wunderschön. Man ist mitten in der Stadt und man denkt, man ist komplett in der Natur. Und das ist das Faszinierende an dieser Stadt, dass einfach dieses Elbland, diese grüne Zunge mit dem … Mit der Wasserlinie in der Mitte durch die Stadt fließt, wo gerade im Sommer einfach irre viel los ist. Ja, das mag ich sehr.
Henriette Fee Grützner: Dorothea, lass uns mal noch ein kurzes Quiz machen. Ich bin mir relativ sicher, dass du die Lösung kennst, aber wir lassen mal euch ein bisschen rätseln und lösen das dann auch im Laufe der Folge auf. August der Starke ist natürlich ein großer Name hier in Dresden Elbland. Kurfürst von Sachsen war er und der hatte einen Krönungsmantel. Welche Farbe hatte der hochwertige Krönungsmantel? A, blau, B, rot oder C, reines Gold? Wie gesagt, lösen wir später auf.
Dorothea Michalk: Ja.
Henriette Fee Grützner: Lass uns noch mal darüber reden, wo wir gerade sind. Wir sind nämlich nicht in deinem wunderschönen Ladengeschäft, sondern wir sind genau gegenüber. Hier hast du dein Atelier. Riesengroßer Tisch natürlich, wo du dran arbeitest. Hinter mir die tollsten Stoffe, ich habe gerade schon gesehen. Ist ganz gut, dass die hinter mir sind, weil ich bin so fasziniert. Du hast Glitzer, du hast florale Stoffe. Und wenn man jetzt in Dresden Elbland unterwegs ist und man kommt jetzt hier bei dir vorbei, kann man dann, wenn man jetzt sagt, „die Kleider sind total schön, aber ich habe wirklich eine ganz spezielle Vorstellung, oder ich möchte gern den und den Stoff haben“ … Wenn man jetzt Freitag käme, würdest du das schaffen, innerhalb von einer Woche dann ein Kleid zu zaubern?
Dorothea Michalk: Ja, also, das schaffen wir. Das haben wir sogar REGELMÄẞIG. Wir sind sehr flexibel bei uns im Atelier. Wir können wahnsinnig gern machen. Und wenn es wirklich ein ganz kurzfristiges Kleid sein soll, dann muss ein Stoff aus dem Atelier ausgewählt werden. Ansonsten habe ich ja viele Möglichkeiten, die unterschiedlichsten Stoffe in den unterschiedlichsten Formen zu bestellen, viele verschiedene Qualitäten. Und wir haben mittlerweile auch Kundschaft, die regelmäßig zu uns kommen aus ganz Deutschland, die uns vielleicht auf Instagram oder wo auch immer verfolgen und dann ein Design sehen. Sie rufen uns an und sagen: „Ich hätte gerne das Kleid.“ Die kommen dann und dann in die Stadt, dann bereiten wir das vor. Halten uns die Kapazitäten im Atelier frei. Dass wir genau an den Tagen wie die Kundin in der Stadt ist, das Kleid entweder weiterarbeiten können oder überhaupt fertigen können. Zum Teil rufen sie auch an und sagen: „Wir würden gern kommen. Wir sind drei Nächte in der Stadt.“ Dann reisen die Gäste an, checken es … Ins Hotel ein und der erste Weg ist zu uns. Dann besprechen wir das Design. Dann geben wir SOFORT in die FERTIGUNG, setzen es sofort um. Am nächsten Tag ist die Anprobe und im Bestfall ist es am dritten Tag fertig, oder wir schicken es dann hinterher.
Henriette Fee Grützner: Wahnsinn. Wolltest du eigentlich schon immer was mit Mode machen? Also warst du so ein Kind, was, weiß ich nicht, für die Puppen selber Kleider genäht hat zum Beispiel?
Dorothea Michalk: Also, ich wollte schon immer was Kreatives machen. Mit Puppen habe ich tatsächlich nie gespielt, aber ich war schon immer kreativ. Ich musste schon immer irgendwas basteln als Kleinkind. Ich hatte bei meinem Vater eine eigene Werkstatt, in der ich mich austoben konnte. Ich habe wahnsinnig viel gezeichnet. Und, ja, zu Schulzeiten hat sich das herausgestellt, dass ich Modedesign machen wollte. Es war noch so ein bisschen Fotografie hat mich auch wahnsinnig interessiert in Architektur, gestalterische Themen. Aber die Mode hat sich immer mehr herauskristallisiert. Und dann bin ich dem Weg treu geblieben.
Henriette Fee Grützner: Und dann hast du gedacht: „Ich will Designerin werden.“ Wie hat da so dein Umfeld reagiert? Was haben deine Eltern beruflich gemacht?
Dorothea Michalk: Meine Eltern haben in der Richtung nichts gemacht und da war natürlich erst mal ein großes Kopfschütteln da. Verstanden hat es niemand weil es das in der Art und Weise, wie ich es jetzt mache, hier auch überhaupt gar nicht gab. Es war eigentlich eher UNVERSTÄNDNIS. Aber irgendwann haben auch meine Eltern gemerkt, okay, die meint es irgendwie ernst, weil ich dran geblieben bin. Und dann haben sie mich selbstverständlich auch unterstützt. Klar. Aber das war erst mal Gegenwind. Auf jeden Fall.
Henriette Fee Grützner: Lass uns noch mal drüber reden, wo du herkommst. Du kommst aus der Lausitz?
Dorothea Michalk: Ja.
Henriette Fee Grützner: Dann hast du in München studiert, Modedesign? J
Dorothea Michalk: Hm [bejahend] ja.
Henriette Fee Grützner: Und dann warst du wirklich in der Welt unterwegs. Du warst in Italien. Du warst in Frankreich. Vielleicht kannst du uns da noch mal ein bisschen mitnehmen, wo du überall warst.
Dorothea Michalk: Hm [bejahend]. Hm [bejahend].
Henriette Fee Grützner: Und vor allem spannend, der Bogen, gelandet bist du in Dresden.
Dorothea Michalk: Hm [bejahend].
Henriette Fee Grützner: Warum Dresden?
Dorothea Michalk: Genau. Ich fange von vorne an? [lacht]
Henriette Fee Grützner: Ja, genau.
Dorothea Michalk: Ja, ich bin ganz behütet eigentlich aufgewachsen. Auch in einem ganz kleinen Ort in der Oberlausitz, in der Nähe von Bautzen. Bin dort dann zur Schule gegangen, aufs Gymnasium und dann eben dort den Wunsch entwickelt, Mode zu studieren. Habe mich dann deutschlandweit an unterschiedlichsten Modeschulen informiert. Was ist der Werdegang? Wie ist die Ausbildung? Und bin an der ESMOD in München angenommen worden. Das ist auch die Schule, wo ich hinwollte, weil die international ausgerichtet war. Das ist eine der ältesten Modeschuren weltweit, mit Hauptsitz in Paris. Und mir war schon immer der … Wie soll ich sagen, der eröffnete Blick … Ich sage immer: „Schotten aufmachen im Kopf“, ne? Raus und mehr, andere Einflüsse reinlassen und schauen. Ja, einfach die FÜLLE an DINGEN einfach wahrnehmen und zu erlernen. Und das habe ich mir an der Schule am meisten erhofft. Und ich würde sagen, es ist auch so geworden. Nachdem ich dort das Diplom in der Hand hatte, bin ich dann nach Italien gegangen. Zwischendrin war ich aber auch noch in Paris in einem Couture-Atelier, habe dort gearbeitet und ich wollte unbedingt zu den Italienern, weil die Italiener mich einfach wahnsinnig begeistern. Ich bin ein ganz großer Valentino-Fan, habe …
Henriette Fee Grützner: Hast du den mal getroffen, persönlich?
Dorothea Michalk: Getroffen habe ich ihn nicht. Aber als ich dann fertig war mit meiner Ausbildung, war eine Stelle in der Ausschreibung. Ich habe mich darauf beworben, hatte auch DA aus meiner eigenen Riegen, Moderiegen in München viel Gegenwind bekommen. Die haben gesagt: „Du brauchst dich nicht bewerben, bewirbt sich die ganze Welt.“ Und ich sage mir: „Ja, ich probiere es jetzt einfach, weil was soll passieren außer einer Absage?“ Und ich wurde tatsächlich eingeladen zum dreitägigen Workshop ins Atelier von Valentino in Rom, im Herzen von Rom. Das waren irre drei Tage. Ich war dort mit fünf Konkurrenten. So muss man es ja benennen. Es war eigentlich ein Wettbewerb und ich war die Einzige, die frisch vom Modestudium kam. Alle anderen waren schon Designer in renommierten Häusern gewesen. Und demzufolge, ja, ich war wahrscheinlich noch ein bisschen frisch in der Branche, sodass die Wahl auf jemand anderen gefallen ist. Aber es war eine IRRE ERFAHRUNG und für mich ein kleiner Ritterschlag, damals da eingeladen gewesen zu sein. Und die Couture-Häuser, gerade bei Valentino, was ja wirklich mein IRRES VORBILD war, da eingeladen zu sein, ja.
Henriette Fee Grützner: Was gefällt dir so an Valentino oder Italien? Was ist es?
Dorothea Michalk: Na gut, an Valentino ist es die schlichte Eleganz. Das ist irre. Die Linienführung, die er macht, das äh fand ich schon immer traumhaft schön. Dieser sagenhafte Glamour. Unaufgeregt, aber detailverliebt. Hochwertig bis ins kleinste Detail eben auch. Ja, und an Italien direkt ist einfach die Lebensfreude, diese pure Energie. Die Sonne, das Meer.
Henriette Fee Grützner: Und ich finde ein bisschen was davon hat man auch im Barockviertel hier.
Dorothea Michalk: Ja, würde ich auch sagen.
Henriette Fee Grützner: Oder?
Dorothea Michalk: Und aus dem Zimmer in Elbflorenz, ne? [lacht]
Henriette Fee Grützner: Genau. Wie bist du zurückgekommen nach Dresden? Warum Dresden?
Dorothea Michalk: Ich bin total heimatverbunden. Ich finde Sachsen wunderschön und ich finde Dresden wunderschön. Ich bin ja gebürtige Oberlausitzerin und da ist für mich Dresden sehr nahe gewesen. Und ich finde die Stadt einfach … Ja, ich fühle mich hier einfach wohl und habe mich dann hier selbstständig gemacht. Und, natürlich, zu einer Zeit bin ich hier in die Selbstständigkeit gegangen, in die Modebranche, da war jetzt hier auch noch nicht so viel. Mir war auch unklar, wird das funktionieren, was ich mache? Werden die Frauen verstehen, was ich hier anfertige? Werden sie den Look mögen? Ich bin ja durch diese Handarbeit und dieses Handwerk, was wir hier vor Ort machen, natürlich auch in einer Preislage drin, die jetzt nicht das ERSCHWINGLICHSTE ist, sage ich mal, aber eben sehr wertig. Und diese Wertigkeit bringt ihren Preis dann natürlich mit. Und demzufolge konkurriere ich ja auch mit vielen großen Namen in dem Segment. Da war ich mir unschlüssig, wird es funktionieren? Und ich bin sehr dankbar, dass das funktioniert.
Henriette Fee Grützner: Schön. [pause] Lass uns mal in die Rubrik Kurioses springen. Also entweder eine Kuriosität aus deinem Leben, dein Berufsleben oder eine Zahl zum Beruf. Und ich habe mir überlegt, was, glaube ich, ganz spannend wäre, was war das Kleid, an dem du am allerlängsten gearbeitet hast?
Dorothea Michalk: Das war das Kleid für die Moderation zum SemperOpernball, den ich als erstes mit begleitet habe, seitdem ich im Vorstand bin. Das Kleid war für mich sehr wichtig. Das Moderationskleid ist natürlich ein Highlight. Es ist sehr in der Aufmerksamkeit. Es hat eine sehr starke Präsenz, den ganzen Abend über hinweg. Und ich habe es auch mal an die Puppe gehangen, damit man es auch mal sieht.
Henriette Fee Grützner: Das ist es?
Dorothea Michalk: Das ist dieses Kleid, ja. Da ist sehr viel von dem drinnen, was eigentlich meine Handschrift ist. Es ist ein rotes Kleid, ein langes rotes Kleid. Es ist asymmetrisch. Es hat eine Drapierung über das ganze Oberteil hinweg wie ein Fluss, der da lang fließt und im Rock in einen Volant aufgeht. Bestickt mit wirklich sehr, sehr, sehr viel Swarovskisteinen in Rot, die wir alle selber eingefasst haben, mit der Hand aufgenäht haben. Die verziert ist mit einer drapierten Rose, Blume am Oberteil. Die Steine gehen auf wie eine, na ja, ich sage mal Edelsteinader und versteckt sich wieder im Kleid und es hat eine Schleppe dran. Es ist für den roten Teppich gedacht und für den großen Auftritt. Es hat eine LEICHTIGKEIT, aber es ist trotzdem sehr, sehr stark und sehr auffällig auch, j
Henriette Fee Grützner: Wunderschön. Auch ein wunderschönes Rot. Und wie lange hast du da dran gesessen?
Dorothea Michalk: An dem Kleid tatsächlich zehn Tage.
Henriette Fee Grützner: Zehn Tage?
Dorothea Michalk: Ja, zehn Tage.
Henriette Fee Grützner: Aber nicht Tag und Nacht?
Dorothea Michalk: Doch, tatsächlich Tag und Nacht, weil …
Henriette Fee Grützner: [lacht] Wie du das so sagst: „Doch, ja, doch.“
Dorothea Michalk: Ja, weil wenn ich solche, ich nenne es immer bei mir, Hauptkleider mache, arbeite ich sehr viel in der Nacht. Dann habe ich hier meine Ruhe. Dann ist der Kundentagesverkehr weg, dann klingelt kein Telefon. Dann habe ich keine Gespräche oder Austausch mit meinen Mitarbeitern. Dann habe ich wirklich meine Ruhe. Dann schließe ich mich hier ein, mache eine Flasche Rotwein auf, mache Musik an und dann bin ich hier kreativ und ganz für mich allein. Macht mir sehr viel SPAẞ.
Henriette Fee Grützner: Okay, welche Musik?
Dorothea Michalk: Oh, ganz gemischt, ist situationsabhängig. Also ich höre relativ viel. Ich bin groß geworden mit elektronischer Tanzmusik. [lacht] Ich höre aber auch wahnsinnig viel Jazz und Soul und bin da breit aufgestellt, musikalisch.
Henriette Fee Grützner: Du bist ja, das kann man wirklich sagen, wenn man nach Dresden Elbland kommt … Du bist hier eine feste Instanz, du bist ein Name, den man kennt. Wann war sozusagen dein Durchbruch hier in Dresden?
Dorothea Michalk: Ja, der Durchbruch kam tatsächlich, eigentlich, kurz bevor ich mein erstes Geschäft aufgemacht habe. Also ich habe ja angefangen in meiner Wohnung, in einem Atelier. Also in einem Raum, quasi aus der Wohnung heraus Kleider zu fertigen. Da eine witzige Anekdote, die ich jetzt schon einbauen kann. Mein allererstes Kleid für halt meine allererste Kundin in der Maßanfertigung, das war jemand, die ich kannte, die ein Brautkleid gesucht hat. Und zwar was ganz Spezielles, was es nirgends gab. Das Symbol für dieses Brautpaar waren quasi Hoodies. Beide haben gern Hoodies getragen und sie wollte an ihrem Brautkleid … Sie wollte es rückenfrei haben und trotzdem eine Kapuze drann. Und das hat sie halt nirgends gefunden.
Henriette Fee Grützner: Nee, das glaube ich.
Dorothea Michalk: Und sie hat mich etwas länger bearbeiten müssen, mit schönen Worten. Und irgendwann hat sie es geschafft, dass ich gesagt habe: „Okay, ich mache es dir jetzt, also ich schneide dir jetzt dieses Brautkleid, rückenfrei mit Kapuze.“
Henriette Fee Grützner: Großartig.
Dorothea Michalk: Und sie war SUPER HAPPY und weil sie auch so glücklich war und weil es auch besonders war, hat sich das dann rumgesprochen.
Henriette Fee Grützner: Was waren denn so die verrücktesten Anfragen oder die verrücktesten Sachen, wo jemand zu dir gekommen ist? Vielleicht auch eine Stammkundin oder so? Was ist so passiert?
Dorothea Michalk: Schöne Anekdoten über die Jahre hinweg sind eigentlich ja die Kleider, die aus meinen ersten Jahren wieder zurückkommen und abgeändert werden müssen. Aus den unterschiedlichsten Gründen, also …
Henriette Fee Grützner: Nennt mal einen Grund. Also, ich meine, gut, einen können wir uns alle denken, ne? Man hat abgenommen, man hat zugenommen.
Dorothea Michalk: Genau.
Henriette Fee Grützner: Aber was ist auch so, wo man gesagt hat: „Mensch …“
Dorothea Michalk: Na ja, ich sage immer, der Klassiker bei mir ist dann auch, wenn die Kleider vererbt werden an die Töchter. Und das natürlich an die Töchter dann angepasst werden muss. Ich hatte aber auch schon Trauerfälle, dass die Frau verstorben ist und der Mann es der besten Freundin vererbt hat und wir es der Freundin angepasst haben.
Henriette Fee Grützner: Ach Gott.
Dorothea Michalk: Auch solche Geschichten gibt es bei uns. Wir hatten aber auch schon … Also, die verrückteste Geschichte ist, das Lieblingskleid von einer meiner Kundinnen, äh die hat es zum Lüften auf die Wäscheleine gehangen. Der Windstoß hat es runter geweht. Der elektrische Rasenmäher ist drüber gegangen.
Henriette Fee Grützner: Nein?
Dorothea Michalk: [lacht]
Henriette Fee Grützner: Nein.
Dorothea Michalk: Ich habe den Kopf geschüttelt, als sie mit dem Kleid ankam. Ich habe gesagt: „Okay, wir gucken mal, was wir machen können.“ Wir haben es irgendwie wieder … Völlig vom Schnitt her verändert, aber wir konnten das Material weiterverwenden. Aus dem langen Kleid wurde ein kurzes und sie war super happy. [lacht]
Henriette Fee Grützner: Unglaublich.
Dorothea Michalk: Hm [bejahend].
Henriette Fee Grützner: Lass uns noch mal reden über den SemperOpernball. Das ist ja auch eine Herausforderung.
Dorothea Michalk: Hm [bejahend].
Henriette Fee Grützner: Du bist da ja gleich, kann man sagen, dreifach aufgestellt. Einmal haben wir schon darüber gesprochen, die Kundinnen, die natürlich zum SemperOpernball gehen wollen und tanzen wollen, die ein Kleid brauchen. Dann bist du, wenn ich richtig informiert bin, im Vorstand?
Dorothea Michalk: Ja.
Henriette Fee Grützner: Und dann, dieses Jahr zum zweiten Mal, wirst du die Debütantinnen einkleiden?
Dorothea Michalk: Hm [bejahend]. Genau.
Henriette Fee Grützner: Wie ist das zustande gekommen? Und vor allem, wie war der Moment, als du dann, das stelle ich mir GROẞARTIG vor … Wenn man das dann sieht, wenn die deine Kleider tragen und tanzen?
Dorothea Michalk: Also der SemperOpernball ist natürlich ein irres Event für diese Stadt, mit einer unglaublichen Ausstrahlungskraft nach außen. Und ich mag solche Veranstaltungen persönlich sehr. Deshalb war ich auch immer Gast, auf allen Bällen und habe auch über all die Jahre hinweg die Kunden ausgestattet. Und das Thema der Debütantenkleider kam, weil ich … Eine ganz reguläre Ausschreibung war und ich mich da auch beworben habe. Und mich natürlich damit beworben habe, dass ich die Kleider lokal produzieren lasse.
Henriette Fee Grützner: Das finde ich so spannend und ich frage mich … Also, nimm uns gleich mal mit, wo werden die gemacht, regional?
Dorothea Michalk: Hm [bejahend].
Henriette Fee Grützner: Und das ist natürlich der Wahnsinn, wenn man sich überlegt, heutzutage, ne,fast alle, sind wir ehrlich, oder VIELE assen in China produzieren. Wie siehst du das? Oder warum war dir das wichtig, zu sagen: „Nein, wir machen das hier regional.“
Dorothea Michalk: Also ich muss schon sagen, die Debütantenkleider sind für mich schon eine kleine Challenge. [lacht] Und ist meine Handschrift, dass alle Kleider, wo ich sage mal, mein Name hinten drin steht, in Sachsen hergestellt werden. Es ist für mich so ein bisschen Leidenschaft zum Handwerk und Leidenschaft zum Regionalen. Und in Sachsen ist einfach eine große Industriegeschichte zum Schneiderhandwerk Ich bin gebürtige Oberlausitzerin und in der Oberlausitz waren damals alle Webstühle. Die Firmen gibt es alle nicht mehr. Also es war eine sehr große Produktion und um Chemnitz drum herum, im Erzgebirge sind natürlich all die Produktionsstätten gewesen und in Leipzig waren ja die Modemessen. So war ja die Geschichte von Sachsen in der Modebranche. Und übrig geblieben ist fast gar nichts mehr. Und es gibt noch vereinzelt Produktionsstätten im Erzgebirge und da ist auch eine, das Studio U&N, wo ich schon all die Jahre immer mal wieder etwas abgebe, wenn wir im Atelier was nicht schaffen.
Henriette Fee Grützner: Lass uns mal darüber reden. Wir haben nämlich eine neue Rubrik. Du bist jetzt die Erste, die das machen wird. Und zwar, zwei Tage Dresden, welche Highlights darf ich auf gar keinen Fall verpassen? Also ich könnte mir vorstellen, dass uns auch gerade ganz viele Mädels zuhören. Jetzt stellen wir uns mal vor, so zwei Tage. Freitags kommt man an mit den Mädels, macht so ein Wochenende. Was würdest du sagen, wo checkt man ein? Welches Hotel zum Beispiel?
Dorothea Michalk: Also, natürlich, zum Einchecken bei uns im Viertel das Bülowhotel mit zwei Häusern, wunderschön, ganz individuell. Hat schon mehrere Auszeichnungen bekommen für die unglaubliche Gastfreundschaft und den Service sehr persönlich, sehr gastorientiert. Das ist natürlich wunderbar.
Henriette Fee Grützner: Also Bülowpalais im Barockviertel eingecheckt und dann?
Dorothea Michalk: Ja. Und dann, am Freitag …
Henriette Fee Grützner: Schlafen gehen?
Dorothea Michalk: Da geht man natürlich nicht schlafen, [lacht] weil das Wochenende beginnt. Mein persönliches Highlight, aber da muss man speziell in der Stadt sein. Einen Freitag im Monat ist die legendäre 120 Minuten Party, mein persönliches Highlight, eine Partyserie im Glory Club, sehr speziell. Kleiner Club, elektronische Tanzmusik und geht konsequente 120 Minuten. Man geht dahin. Das Licht ist noch an, es ist eine ganz große Uhr, die rückwärts zählt. Um Punkt 0 Uhr geht das Licht aus, die Regler werden hochgezogen und es geht die Party los. Und dann zählt die Uhr wieder runter, die 120 Minuten. Darum heißt sie so und nach 120 Minuten ist die Party vorbei. Das Licht geht wieder an, die Musik ist aus. Das ist konsequentes Feiern. Kopf freimachen.
Henriette Fee Grützner: [lacht] Konsequentes feiern, sehr gut.
Dorothea Michalk: Ja. Und es ist zu einer Uhrzeit, wo es noch nicht so ganz gefährlich wird, finde ich.
Henriette Fee Grützner: Ja. Also Glory Club Bautzner Straße. So, dann aber wirklich ausschlafen und wo frühstücken gehen am nächsten Morgen?
Dorothea Michalk: Frühstücken gehen, empfehle ich das Alma Dailys Brunch auf der Bosbergstraße.
Henriette Fee Grützner: Das kenne ich gar nicht.
Dorothea Michalk: Das ist ganz neu. Das ist von einem ehemaligen Sternekoch, der da ein neues Lokal aufgemacht hat, mit ganz tollem Frühstücksangebot. Ganz gemütlich, ganz individuell. Zum Beispiel das Ei Benedict ist dort meine Lieblingsspeise. Kann ich nur empfehlen. Super Service, ganz, ganz toll.
Henriette Fee Grützner: So, und jetzt gibt es ja noch viele Highlights, was man noch machen könnte mit dem angefangenen Tag oder an dem Wochenende. Was fällt dir noch ein?
Dorothea Michalk: Im Sommer fällt mir da sofort ein die Weinberge in Radebeul mit den Winzern. Eine ganz schöne Strecke an der Spitzhaustreppe, wo man im Hof Lössnitz einkehren kann, bei dem Weingut Drei Herren oder am Weingut Aust. Drei wunderbare Weingüter direkt aneinander. Man kann in den Weinbergen spazieren gehen. Das ist WIRKLICH SCHÖN. Oder man fährt noch ein Stückchen weiter bis nach Meißen und geht dort in die Porzellanmanufaktur rein, kann sich sogar selber mal beim Bemalen ausprobieren. Ganz schön. Oder auch in den Wintermonaten ein wunderschöner Tipp, wo ich auch gern hingehe, ist zum Konzertplatz auf dem Weißen Hirsch.
Henriette Fee Grützner: Ach, super.
Dorothea Michalk: Da ist eine Schlittschuhbahn aufgebaut, ganz romantisch, wunderschön dekoriert, wo man sich die Schlittschuhe ausleihen kann, Glühwein trinken kann, aber auch ganz LECKER ESSEN gibt, wo man sich auch mit Freunden verabreden kann. Und man kann mit der Straßenbahn hoch fahren. Das heißt, wenn man zu viel getrunken hat, kommt man wieder gut in die Stadt runter. [lacht]
Henriette Fee Grützner: Das ist sehr, gut, genau. November bis Februar ist das immer, Konzertplatz Weißer Hirsch, kann man Eislaufen gehen. Das ist alles ganz fantastisch. Und wenn du jetzt sagen würdest, noch ein bisschen Kultur mitnehmen, welches Museum zum Beispiel, fällt dir sofort ein?
Dorothea Michalk: Ja, also die Stadt ist natürlich voll mit den schönsten Museen, aber ein persönliches Highlight ist für mich im Residenzschloss die Ausstellung Macht und Mode.
Henriette Fee Grützner: Ach, wie passend. [lacht]
Dorothea Michalk: [lacht] Ja, komisch, gell? Genau. Finde ich super spannend. Zeigt auch allein an der Betitelung … Das ist natürlich eine Ausstellung über die Robe vom August des Starkens und davor und danach. Aber allein die Betitelung finde ich hier ganz spannend. Weil es auch immer noch heute so ist, dass man nicht unterschätzen sollte, was es ausmacht, gut gekleidet zu sein.
Henriette Fee Grützner: Absolut, gut gekleidet. Lass uns mal an der Stelle das Quiz auflösen. Frage war ja der Mantel von August dem Starken, der Krönungsmantel … Kurfürst von Sachsen war er. Welche Farbe hatte der? Blau, Rot oder reines Gold? Die Krönung war ja 1697 in Krakow. Weißt du es?
Dorothea Michalk: Es ist der BLAUE MANTEL.
Henriette Fee Grützner: Genau, ausgestellt in der Rüstkammer. Also wirklich absolut sehenswert. Prunkvoll ohne Ende. Also, das ist schön, dass du das sagst, weil das hatten wir noch gar nicht. Macht und Mode, eine schöne Dauerausstellung.
Dorothea Michalk: Ja.
Henriette Fee Grützner: Hättest du denn gerne gelebt in der Zeit gelebt von August? Oder in welcher Modezeit hättest du gern gelebt?
Dorothea Michalk: Hm [nachdenklich] wenn ich es mir aussuchen könnte, einmal reinzuschnuppern, dann wäre es die Antike. Dort ist tatsächlich auch ein bisschen meine Hauptinspirationsquelle, der drapierten Kleider, römisch-griechischer Fall. Eigentlich auch noch das Schönheitsideal von damals, ne? Offene, lange Haare das Zeichen für innere Schönheit. Mag ich sehr.
Henriette Fee Grützner: Und vielleicht noch mal so, weil wir jetzt wirklich eine Expertin zu dem Thema hier haben, wie siehst denn du das, eher Trends folgen oder den eigenen Stil finden?
Dorothea Michalk: Hm [bejahend]. Ja, ich bin definitiv für den eigenen Stil finden. Also …
Henriette Fee Grützner: Wie findet man den?
Dorothea Michalk: Na, indem man sich mal ein bisschen auf sich selbst konzentriert. Das können heutzutage nicht mehr viele, aber man soll … Ich gebe es wirklich als Tipp, das mal zu machen und sich mal von allem rechts, links und Überflutungssituationen von Bildern, die man so alltäglich hineinbekommt, in seinen Kopf, mal entfernen. Und sich mal AUF SICH SELBST KONZENTRIEREN, dann findet man auch seinen eigenen Stil und seinen eigenen Look. Und so wird man ja, ich sage mal, individuell und interessant. Die Trends sind so schnelllebig heutzutage geworden. Also, ich würde sagen, selbst die Stars schaffen es nicht, konsequent da hinterher zu sein. Und so schnell, wie er da ist, so schnell ist der nächste wieder da und der Alte wieder weg. Ich finde, man sollte sich ein bisschen darauf konzentrieren und seinen eigenen Stil und seinen eigenen Look finden.
Henriette Fee Grützner: Genau, und wer gar nicht weiter weiß, kommt einfach mal bei dir vorbei, ne?
Dorothea Michalk: Ja, wäre eine gute Möglichkeit. [lacht]
Henriette Fee Grützner: Dorothea Michalk im Barockviertel in Dresden.
Dorothea Michalk: Hm [bejahend].
Henriette Fee Grützner: Einfach vorbeikommen, durchstöbern. Und wenn nicht, dich einfach ansprechen. Du bist ja auch hier vor Ort. Das ist ja das Coole, dass man wirklich sagen kann: „Was steht mir denn? Steht mir der Schnitt?“ Du hast auch unterschiedliche Schnitte. „Was steht mir überhaupt?“ Also, es war eine Freude mit dir. Vielen, vielen Dank für das Gespräch.
Dorothea Michalk: Ich habe zu danken. Gerne.
Henriette Fee Grützner: Alle Infos zu dieser Folge wie immer in unseren Shownotes und unter www.visit-dresden-elbland.de. Ich sage tschüss, freue mich dann schon auf die nächste Folge Nu gucke ma da.
Millionen Menschen reisen jedes Jahr nach Dresden, um die Frauenkirche, den Zwinger oder die Semperoper zu sehen. Einige kommen eigens dafür, um sich bei der Dresdner Modedesignerin Dorothea Michalk ein Kleid nähen zu lassen. Die Aufenthaltsdauer dieser Kundinnen liegt bei drei bis vier Tagen. Wie Dorothea Michalk es schafft, in dieser kurzen Zeit ein maßgeschneidertes Kleid zu zaubern und welche Locations und Events in Dresden und der Region sie besonders empfiehlt, das und mehr erzählt die Dresdner Modedesignerin im Gespräch mit unserer Podcast-Gastgeberin Henriette Fee-Grützner.
Schneidern für den SemperOpernball: Dorothea Michalk entwirft Debütantinnenkleider
In ihrem Atelier im Barockviertel steht bereits ein Highlight: das knallrote, seidene Debütantinnenkleid für den SemperOpernball 2026. Zum zweiten Mal übernimmt Michalk diese Aufgabe – für sie eine Challenge, für die sie meist mehrere Nächte am Stück in ihrem Atelier am Entwurf arbeitet. Die Kleider von Dorothea Michalk und auch die 100 Exemplare für die SemperOpernball-Debütantinnen werden ausschließlich regional gefertigt. Damit knüpft die geborene Lausitzerin bewusst an die Tradition ihrer Heimat an. Von der großen Textilindustrie in Sachsen sei kaum noch etwas übrig. „Die Stoffe dafür wurden früher in meiner Heimat, der Lausitz, gewebt“, sagt sie. Dorothea Michalk gibt Styling-Tipps für einen eigenen Look, jenseits von kurzlebigen Trends. Mit Zeit, Mut und einem sicheren Gefühl für sich selbst entsteht Stil ganz von allein. Hören Sie rein und holen Sie sich Inspiration für Ihren nächsten (Kurz-)Trip nach Dresden Elbland und fürs eigene Styling.
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