Zum 90. Geburtstag von Ernst Hirsch zeigen die Technischen Sammlungen Dresden das Werk des Regisseurs – mit historischen Aufnahmen, Filminstallationen und bewegenden Blicken auf Dresden zwischen Zerstörung, Wiederaufbau und Alltag.
Ernst Hirsch gilt als das „filmische Gedächtnis der Stadt“ Dresden. Über sieben Jahrzehnte hinweg sammelte und drehte er einen einzigartigen Schatz an Dokumentar-, Amateur- und Werbefilmen. Anlässlich seines 90. Geburtstags widmen ihm die Technischen Sammlungen Dresden nun die Ausstellung „UNIVERSUM Dresden. Der Filmemacher und Filmsammler Ernst Hirsch“. Zu sehen ist sie vom 9. Mai bis 25. Oktober 2026.
Dresden in historischen Bildern
Eine Aufnahme von Ernst Hirsch in seinem Filmarchiv aus dem Dezember 2013. Foto: Ernst Hirsch, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Das alte Dresden ist geprägt von Bildern: von Canalettos berühmten Stadtansichten bis zu Fotografien der modernen Großstadt. Mit dem Aufstieg der Foto- und Kinoindustrie wurde Dresden schließlich auch für die ersten Kameramänner und Regisseure zum beliebten Motiv. Dass viele dieser einmaligen Zeugnisse heute noch zu sehen sind, ist auch das Verdienst von Ernst Hirsch.
Denn der Dresdner Kameramann, Dokumentarfilmer und Regisseur trug in seinem Archiv zahlreiche historische Filme über Dresden zusammen. So ließ er unter anderem die ältesten Filmaufnahmen Dresdens aus dem Jahr 1903 restaurieren und kombinierte das historische Filmmaterial zu mehreren thematischen Streifzügen durch die Stadt.
Vom Kindheitstrauma zur Lebensaufgabe
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Doch nicht nur diese Sammlerleidenschaft brachte dem am 13. Juli 1936 in Dresden geborenen Ernst Hirsch den Beinamen „Das Auge von Dresden“ ein. Schon als Kind entdeckte er sein Interesse am Fotografieren und Filmen. Seine Liebe zur Heimatstadt war vom Trauma ihrer Zerstörung geprägt, die er als Neunjähriger während der Bombardierung Dresdens erlebte und überlebte.
Dresden wurde das Thema des ausgebildeten Feinoptikers, der in einem Laienfilmstudio des Kulturbundes das Filmhandwerk erlernte. Nach dem Krieg entstand mit „Barock im Wiederaufbau“ sein erster eigener Film über den Zwinger. Darüber hinaus ebnete ihm die Mitarbeit an einem Film über Schloss und Park Pillnitz den Weg zum Fernsehen, für das er in mehr als zwei Jahrzehnten mehr als dreitausend Beiträge für Nachrichtensendungen lieferte.
Ein genauer Blick auf Kunst, Stadt und Geschichte
Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit konnte sich Ernst Hirsch 1968 den ideologischen Zwängen zunehmend entziehen. In rascher Folge entstanden nun Filme, in denen der subtile Beobachter Dresden mit hoher ästhetischer Qualität in den Fokus rückte. Besonders den Dresdner Kunstschätzen und den hier tätigen Künstlern galt sein Interesse. So drehte er Filme über Canaletto, Caspar David Friedrich, Raffaels „Sixtinische Madonna“ und später auch über das Grüne Gewölbe.
Dabei wurde seine Nähe zur Heimat nie zur Verklärung. Vielmehr verschloss sich Ernst Hirsch auch schwierigen Themen nicht: Er drehte über das Judenlager am Heller ebenso wie über die Zerstörung der Stadt. Dennoch blieb der Traum vom freien Filmemacher ohne staatliche Auflagen stark. 1986 stellte er einen Antrag auf Ausreise aus der DDR, der 1989 bewilligt wurde. In München arbeitete er anschließend als Kameramann für Peter Schamoni; ihr Film über Max Ernst gewann 1991 den Bayerischen Filmpreis.
Rückkehr nach Dresden und Chronist des Wiederaufbaus
Bereits 1993 kehrte Ernst Hirsch jedoch nach Dresden zurück. Bald darauf dokumentierte er mit mehr als 500 Stunden Videomaterial den Wiederaufbau der Frauenkirche. Die siebenteilige Dokumentarfilmreihe „Die steinerne Glocke“ wurde zum Höhepunkt und krönenden Abschluss seiner beruflichen Laufbahn. Diese Gesamtdokumentation übergab er im Jahr 2008 an die Mediathek der SLUB Dresden.
2017 zog er in seiner Autobiografie Bilanz über sein Leben. Für das aus dem enormen Bilderschatz seiner persönlichen Sammlung reich illustrierte Buch konnte es nur einen Titel geben: Das Auge von Dresden.
Sammlungen von Ernst Hirsch: Ein einzigartiges Archiv
2024 übernahmen die SLUB Dresden und die Technischen Sammlungen Dresden die wertvollen Sammlungen von Ernst Hirsch für die Öffentlichkeit. Eine Auswahl ist nun in der Sonderausstellung zu sehen: Mehr als 20 Filminstallationen zeigen das alte Dresden, Zerstörung und Wiederaufbau sowie das Alltagsleben der Stadt. Erstmals werden zudem Gespräche mit ehemals Dresdner Jüdinnen und Juden präsentiert, die Hirsch 1997 in Israel führte.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Ein Ausflug in den Dresdner Stadtteil Loschwitz und zum Blauen Wunder lohnt sich eigentlich immer, aber jetzt noch umso mehr:…
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Zum 90. Geburtstag von Ernst Hirsch zeigen die Technischen Sammlungen Dresden das Werk des Regisseurs – mit historischen Aufnahmen, Filminstallationen und bewegenden Blicken auf Dresden zwischen Zerstörung, Wiederaufbau und Alltag.
Ernst Hirsch gilt als das „filmische Gedächtnis der Stadt“ Dresden. Über sieben Jahrzehnte hinweg sammelte und drehte er einen einzigartigen Schatz an Dokumentar-, Amateur- und Werbefilmen. Anlässlich seines 90. Geburtstags widmen ihm die Technischen Sammlungen Dresden nun die Ausstellung „UNIVERSUM Dresden. Der Filmemacher und Filmsammler Ernst Hirsch“. Zu sehen ist sie vom 9. Mai bis 25. Oktober 2026.
Dresden in historischen Bildern
Das alte Dresden ist geprägt von Bildern: von Canalettos berühmten Stadtansichten bis zu Fotografien der modernen Großstadt. Mit dem Aufstieg der Foto- und Kinoindustrie wurde Dresden schließlich auch für die ersten Kameramänner und Regisseure zum beliebten Motiv. Dass viele dieser einmaligen Zeugnisse heute noch zu sehen sind, ist auch das Verdienst von Ernst Hirsch.
Denn der Dresdner Kameramann, Dokumentarfilmer und Regisseur trug in seinem Archiv zahlreiche historische Filme über Dresden zusammen. So ließ er unter anderem die ältesten Filmaufnahmen Dresdens aus dem Jahr 1903 restaurieren und kombinierte das historische Filmmaterial zu mehreren thematischen Streifzügen durch die Stadt.
Vom Kindheitstrauma zur Lebensaufgabe
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenDoch nicht nur diese Sammlerleidenschaft brachte dem am 13. Juli 1936 in Dresden geborenen Ernst Hirsch den Beinamen „Das Auge von Dresden“ ein. Schon als Kind entdeckte er sein Interesse am Fotografieren und Filmen. Seine Liebe zur Heimatstadt war vom Trauma ihrer Zerstörung geprägt, die er als Neunjähriger während der Bombardierung Dresdens erlebte und überlebte.
Dresden wurde das Thema des ausgebildeten Feinoptikers, der in einem Laienfilmstudio des Kulturbundes das Filmhandwerk erlernte. Nach dem Krieg entstand mit „Barock im Wiederaufbau“ sein erster eigener Film über den Zwinger. Darüber hinaus ebnete ihm die Mitarbeit an einem Film über Schloss und Park Pillnitz den Weg zum Fernsehen, für das er in mehr als zwei Jahrzehnten mehr als dreitausend Beiträge für Nachrichtensendungen lieferte.
Ein genauer Blick auf Kunst, Stadt und Geschichte
Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit konnte sich Ernst Hirsch 1968 den ideologischen Zwängen zunehmend entziehen. In rascher Folge entstanden nun Filme, in denen der subtile Beobachter Dresden mit hoher ästhetischer Qualität in den Fokus rückte. Besonders den Dresdner Kunstschätzen und den hier tätigen Künstlern galt sein Interesse. So drehte er Filme über Canaletto, Caspar David Friedrich, Raffaels „Sixtinische Madonna“ und später auch über das Grüne Gewölbe.
Dabei wurde seine Nähe zur Heimat nie zur Verklärung. Vielmehr verschloss sich Ernst Hirsch auch schwierigen Themen nicht: Er drehte über das Judenlager am Heller ebenso wie über die Zerstörung der Stadt. Dennoch blieb der Traum vom freien Filmemacher ohne staatliche Auflagen stark. 1986 stellte er einen Antrag auf Ausreise aus der DDR, der 1989 bewilligt wurde. In München arbeitete er anschließend als Kameramann für Peter Schamoni; ihr Film über Max Ernst gewann 1991 den Bayerischen Filmpreis.
Rückkehr nach Dresden und Chronist des Wiederaufbaus
Bereits 1993 kehrte Ernst Hirsch jedoch nach Dresden zurück. Bald darauf dokumentierte er mit mehr als 500 Stunden Videomaterial den Wiederaufbau der Frauenkirche. Die siebenteilige Dokumentarfilmreihe „Die steinerne Glocke“ wurde zum Höhepunkt und krönenden Abschluss seiner beruflichen Laufbahn. Diese Gesamtdokumentation übergab er im Jahr 2008 an die Mediathek der SLUB Dresden.
2017 zog er in seiner Autobiografie Bilanz über sein Leben. Für das aus dem enormen Bilderschatz seiner persönlichen Sammlung reich illustrierte Buch konnte es nur einen Titel geben: Das Auge von Dresden.
Ernst Hirsch vor der Ruine der Frauenkirche, 1994, Foto: Konrad Hirsch © Ernst Hirsch
Sammlungen von Ernst Hirsch: Ein einzigartiges Archiv
2024 übernahmen die SLUB Dresden und die Technischen Sammlungen Dresden die wertvollen Sammlungen von Ernst Hirsch für die Öffentlichkeit. Eine Auswahl ist nun in der Sonderausstellung zu sehen: Mehr als 20 Filminstallationen zeigen das alte Dresden, Zerstörung und Wiederaufbau sowie das Alltagsleben der Stadt. Erstmals werden zudem Gespräche mit ehemals Dresdner Jüdinnen und Juden präsentiert, die Hirsch 1997 in Israel führte.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenUniversum Dresden.
Der Filmemacher und Filmsammler Ernst Hirsch
Junghansstraße 1-3, 01277 Dresden
tsd.de
Lesen Sie auch …
Dresden hat eine lange Trickfilmtradition. Bis zur Wende hatte hier das DEFA-Studio für Trickfilme seinen Sitz, damals das größte Studio…
Ein Ausflug in den Dresdner Stadtteil Loschwitz und zum Blauen Wunder lohnt sich eigentlich immer, aber jetzt noch umso mehr:…