Forstbotanischer Garten Tharandt: Eine Weltreise unter Bäumen

Einzigartige Pflanzenvielfalt

Gelb blühende Zaubernuss vor herbstlich gefärbten Gehölzen im Forstbotanischen Garten Tharandt.
Farbtupfer: Der Forstbotanische Garten Tharandt liegt eine halbe Autostunde von Dresden entfernt und ist nicht nur im Herbst einen Ausflug wert. Foto: Ulrich Pietzarka

Rocky Mountains, Neuengland und Ostasien – und das nur wenige Kilometer von Dresden entfernt. Im Forstbotanischen Garten Tharandt wachsen mehr als 3.200 verschiedene Gehölze aus aller Welt. Ein Spaziergang zwischen botanischer Weltreise und Forschung am Wald der Zukunft.

Für eine Reise in die Rocky Mountains braucht es nicht unbedingt einen Langstreckenflug. Von Dresden aus reicht die S-Bahn, zwei Stationen. Rund 13 Kilometer südwestlich von Dresden beginnt eine botanische Weltreise, die zu Fuß funktioniert: Der Forstbotanische Garten Tharandt versammelt auf 34 Hektar Bäume und Sträucher aus nahezu allen Teilen der Erde. Rund 3.200 verschiedene Baumsorten wachsen hier – damit zählt die Anlage zu den größten Sammlungen winterharter Gehölze Europas.

Gegründet wurde der Garten bereits 1811 von Heinrich Cotta, dem Begründer der modernen Forstwissenschaft. Heute gehört er zur Fakultät Umweltwissenschaften der TU Dresden und ist nicht nur Ausflugsziel, sondern zugleich Lehr- und Forschungsort. Inzwischen kommen jährlich rund 100.000 bis 120.000 Besucher in den Forstbotanischen Garten Tharandt.

Vom Forstgarten in die Rocky Mountains

Drohnenaufnahme des Forstbotanischen Gartens Tharandt mit bunt gefärbten Bäumen, Wegen und Teichen im Herbst.
Herbst von oben: Die Gehölze im Forstbotanischen Garten Tharandt zeigen sich in kräftigen Rot-, Gelb- und Orangetönen. Foto: Karl Jeremias Donath

Besonders eindrucksvoll ist das Nordamerika-Areal. Hier führen die Wege gedanklich nach Utah, Nevada oder Neuengland. Zuckerahorn, Roteich und zahlreiche weitere nordamerikanische Gehölze wachsen nebeneinander – viele davon aus Samen, deren Herkunft genau dokumentiert ist.

Dr. Ulrich Pietzarka ist seit 1995 Kustos des Forstbotanischen Gartens Tharandt. Auf Forschungsreisen hat er selbst Saatgut gesammelt, unter anderem in Nordamerika. Wo die jeweiligen Mutterbäume standen, ist dokumentiert. „Jeder der Bäume ist ein Punkt auf der Weltkarte“, beschreibt Pietzarka die Sammlung.

Auch Riesenmammutbäume sind hier zu finden. Manche sehen ihrem Namen allerdings noch nicht ähnlich: Die Samen einiger Exemplare sammelte Pietzarka 1999 in der Sierra Nevada, gepflanzt wurden die Bäume wenige Jahre später. Heute sind die Mammutbäume bereits etwa zehn Meter hoch. Bis sie tatsächlich zu Riesen werden, dürften noch einige Jahrzehnte vergehen.

Forschung am Wald der Zukunft

Leuchtend rot gefärbte Ahornblätter im herbstlichen Forstbotanischen Garten Tharandt. Foto: Ulrich Pietzarka

Die Sammlung ist weit mehr als eine schöne Kulisse für Spaziergänge. Pietzarka und seine Kollegen von der TU Dresden untersuchen hier unter anderem, welche Baumarten künftig besser mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen. Denn der Wald wird sich verändern müssen, je weiter der Klimawandel fortschreitet. „Der Sommer in diesem Jahr hat es wieder bewiesen. Wir müssen dringend den Wald anpassen. Ich mache mir langsam Sorgen, ob wir schnell genug sein werden“, sagt der Forstwissenschaftler.

Die Forscher kennen die Herkunft jedes einzelnen Baumes, schließlich haben sie ihre Samen eigenhändig eingesammelt. Der Standort der Mutterbäume ist in einer Datenbank gespeichert. Neben einem engen Austausch mit Nordamerika wurde 2014 ein ähnliches Projekt in Zusammenarbeit mit einer Forstakademie im russischen Ussuriisk angeschoben. „Diese Kooperation ruht jetzt natürlich“, sagt Dr. Ulrich Pietzarka. „Wir richten unser Augenmerk derzeit auf den Balkan, wo wir ein Kooperationsprojekt mit der Universität Skopje in Nord-Mazedonien haben.“

Die sorgfältig dokumentierten Bestände machen es möglich, Arten und Herkünfte über Jahrzehnte hinweg miteinander zu vergleichen. Forschung braucht hier einen langen Atem: Viele Erkenntnisse werden erst kommenden Generationen zugutekommen. „Eine Waldgeneration dauert rund 100 Jahre“, sagt Dr. Ulrich Pietzarka. „Da sind zehn oder 20 Jahre ein Witz.“ Ungeduld ist in seinem Beruf also ohnehin fehl am Platz.

Besonders schön im Herbst

Herbstlicher Teich im Forstbotanischen Garten Tharandt mit Seerosen, kleiner Brücke und rot-gelb gefärbten Bäumen.
Indian Summer in Sachsen: Rund um den Teich leuchtet der Forstbotanische Garten Tharandt im Herbst in vielen Farben. Foto: Ulrich Pietzarka

Eine besonders reizvolle Zeit für einen Besuch ist der Herbst. Dann leuchtet vor allem das Nordamerika-Areal in Gelb, Orange und tiefem Rot: Zuckerahorn, Rotahorn und andere Gehölze sorgen für einen kleinen Indian Summer. Doch hinter der Farbenpracht steckt auch eine Idee davon, wie der Wald der Zukunft aussehen könnte. „Da wollen wir hin“, sagt Dr. Ulrich Pietzarka. „Zu diesem Durcheinander.“ Denn der deutsche Wald sei vielerorts zu strukturiert und zu gleichförmig – und damit anfälliger für Schädlinge. In Monokulturen haben sie leichtes Spiel: Vereinfacht gesagt müssen sie nur von einem Baum zum nächsten gelangen.

Dieser Indian Summer mitten in Sachsen ist nur einer der Gründe, warum sich ein Ausflug nach Tharandt auch für Menschen lohnt, die mit Forstwissenschaft sonst wenig zu tun haben. Im historischen Gartenteil führen verschlungene Wege vorbei an alten Bäumen und immer wieder zu überraschenden Ausblicken. Einen Besuch wert ist auch das Schweizerhaus aus dem 19. Jahrhundert, in dem heute ein kleines Museum und der Forstgartenshop untergebracht sind.

Forstbotanischer Garten Tharandt: Öffnungszeiten und Zugang

Der Forstbotanische Garten Tharandt ist in der Saison vom 29. März bis 31. Oktober täglich von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos, Hunde dürfen angeleint mitkommen.

Sanierungsarbeiten: Der Übergang zwischen dem historischen Garten und dem Nordamerika-Areal – die Zeisiggrundbrücke – wird saniert und bleibt bis Ende 2026 gesperrt. Beide Bereiche können besucht werden, sind derzeit aber nicht direkt miteinander verbunden.

Forstbotanischer Garten Tharandt

Haupteingang (Historischer Teil):
Am Forstgarten 1, 01737 Tharandt
Nordamerika-Areal (ForstPark): Das Nordamerika-Areal ist nur über den Eingang Zeisigweg 19a, 01737 Kurort Hartha erreichbar.

Mehr Informationen unter info.forstpark.de

 

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