Freizeit & Familie

Wir feiern die Stadtteile (2)

Die Neustadt

Dietrich Flechtner

Quirlige Cafés, Street Art und jede Menge alternative Lebensentwürfe: Wer in Dresden keine Lust auf Eintönigkeit hat, wohnt in der Neustadt. Eine ihrer Bewohnerinnen ist die Stadtführerin Anett Lentwojt, die genau weiß, was den nördlich der Elbe gelegenen Stadtteil so lebens- und liebenswert macht.

Die Neustadt ist der schönste Dresdner Stadtteil, weil … 

„… sie sich immerzu verändert. Wer hier lebt, ist daran gewöhnt, dass Ladengeschäfte verschwinden, immer neue liebevoll eingerichtete Cafés eröffnen und Pop-Up-Stores auftauchen. Und dazwischen hält sich generationenaltes Traditionshandwerk, wie auf dem Dorf. Die Nachbarn kennen sich, zum Beispiel durch gemeinsame Projekte wie die Organisation des Stadtteilfestes „Bunte Republik Neustadt“. Gäste staunen immer wieder über die viele Street-Art, die es hier gibt: bunte Häuser genauso wie total professionelle Graffiti. Hier geht der Tag einen Tick später los als anderswo – dafür dauert der Abend länger.“

Wie würden Sie die Neustadt einem Ortsfremden erklären? 

„Es ist ein alternativer Stadtteil – ein Reiseführer würde vermutlich von „Szeneviertel“ sprechen. Aber tatsächlich ist die Neustadt tagsüber ein Familienwohnort: Es gibt viele Kinder und viele Spielplätze. Erst ab 17 Uhr ändert sich die Szene, dann wird es zum Ausgeh-Ort, auch für die Locals, mit denen man im Allgemeinen schnell ins Gespräch kommt.“

Christoph Münch
Alljährlich im Juni feiert Dresdens urbanstes Stadtviertel seine „Unabhängigkeit“ bei der Bunten Republik Neustadt (BRN). Hier ein Blick in die Louisenstraße.
Christoph Münch
Die vielen Gesichter der Neustadt: Street Art am Kulturzentrum Scheune (Alaunstraße Ecke Louisenstraße) …
Christoph Münch
… und prächtige Gründerzeitfassaden gegenüber dem Alaunpark, der grünen Lunge der Neustadt.

Wer fühlt sich in der Neustadt besonders wohl? 

„Aufgeschlossene Menschen! In der Neustadt wohnen viele Bevölkerungsgruppen zusammen, Menschen aus aller Herren Länder. Außerdem gibt es hier die Punks und die Party-People. Es ist eine Mischung aus Urbanität, Kreativität und Gelassenheit, und die sollte man mögen.“

Wenn die Neustadt ein Mensch wäre: Wie würden Sie ihn charakterisieren?

„Als Regenbogenmensch: mit Rastas und bunter Haut. Vor allem wäre es ein musikalischer Mensch. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Leute hier in der Neustadt Musikinstrumente spielen. Und unser Neustadt-Mensch würde natürlich alternative Musik mögen.“

Der passende Soundtrack für einen Spaziergang durch die Neustadt wäre dieser Song:

„My Town“ von der Dresdner Band „Goldener Anker“.

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Anett Lentwojt
Arbeitet als Stadtführerin und leitet das Stadtteildokumentationszentrum Dresden Neustadt. 2010 eröffnete sie außerdem das BRN-Museum im Stadtteilhaus Dresden Äußere Neustadt. Ursprünglich stammt Anett Lentwojt aus dem Erzgebirge, wohnt aber schon seit 1995 in Dresden.

Bunte Republik Neustadt
Die Bunte Republik Neustadt (BRN) war eine von 1990 bis 1993 bestehende Mikronation in der Äußeren Neustadt. Seither findet sie sich als alljährlich wiederkehrendes anarchistisches Fest wieder, veranstaltet von einigen Hundert Neustadt-Bewohnern jeweils am dritten Juniwochenende.

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