Schokolade in Dresden

Das Genussmittel aus Kakao und Zucker hat hier eine lange Geschichte

Nahaufnahme von dunkler Schokolade und frischen Himbeeren, ideal für Schokoladenliebhaber in Dresden.
Schokoladenliebhaber kommen in Dresden voll auf ihre Kosten. Foto: Lisa von pexels

Die sächsische Landeshauptstadt galt einst als Schokoladenhauptstadt Deutschlands. Im Schokoladenmuseum Dresden wird diese süße Vergangenheit wieder lebendig, und auch Manufakturen, Cafés und Restaurants führen die Tradition genussvoll fort.

Was viele nicht wissen: Die erste Milchschokolade wurde in Dresden erfunden und nicht etwa in der Schweiz. Darüber hinaus entwickelte sich die sächsische Landeshauptstadt im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einem Zentrum der deutschen Schokoladenindustrie. Möglich war dieser Aufstieg unter anderem durch die gute Verkehrsanbindung, die Nähe zur Zuckerrübenindustrie sowie die lange Tradition der Dresdner Zuckerbäcker und Konditoren.

Die erste Milchschokolade kommt aus Dresden

Blick auf eine Glasvitrine mit verschiedenen Schokoladensorten und Pralinen in Dresden, inklusive Marken und Verpackungen.
Die Dresdner Schokoladengeschichte gehört selbstverständlich zur Dauerausstellung vom Dresdner Stadtmuseum. Die Exposition zeigt zeittypische Genussmittel. Neben Schokolade gehören auch Zigaretten dazu, die ebenfalls in Dresden hergestellt wurden. Foto: Karla Kallauch

Die Geschichte der Dresdner Schokolade beginnt im Jahr 1823. Damals gründeten Gottfried Heinrich Christoph Jordan und August Friedrich Timaeus in der Dresdner Neustadt das Unternehmen Jordan & Timaeus. 1839 schalteten die beiden Unternehmer eine Zeitungsannonce, in der sie auf ihr neues Produkt hinwiesen: „Chocolade mit Eselsmilch präpariert, ohne Gewürz, sowohl zum Kochen … als auch zum Rohessen in 24 Täfelchen …“ heisst es im „Dresdner Anzeiger“ vom 22. Mai 1839. Damit ist eine Milchschokolade aus Dresden mehr als drei Jahrzehnte früher belegt als die 1875 entwickelte Schweizer Variante von Daniel Peter. Die Dresdner Milchschokolade dürfte in den Anfängen allerdings deutlich herber und weniger cremig geschmeckt haben als die heutige Vollmilchschokolade.

Camondas: Das Schokoladenmuseum Dresden

Verkäufer berät einen Kunden an einer Vitrine mit zahlreichen Eissorten im Camondas Schokoladenkontor in Dresden.
So viel Auswahl: Ein Blick in die Eisvitrine des Schokoladen-Eis-Kontors Camondas. Foto: Camondas

Wie eng Kakao, Technik und Unternehmergeist in der Stadt miteinander verbunden waren, zeigt heute das Schokoladenmuseum Dresden an der Schloßstraße. Besucher erfahren dort, wie aus Kakaobohnen Schokolade entsteht, woran sich hochwertige Produkte erkennen lassen und warum Dresden einst als Schokoladenhauptstadt Deutschlands galt.

Gegründet wurde das Museum von Ivo Schaffer, der seit 2008 den Dresdner Süßwarenladen „Camondas“ betreibt. Der Name verbindet „Cacao“ mit „le monde“, dem französischen Wort für Welt. Zu sehen sind unter anderem historische Verpackungen, Werbemittel und zahlreiche Schokoladenformen. Einen besonderen Platz nimmt dabei der Dresdner Unternehmer Anton Reiche ein. Er entwickelte im 19. Jahrhundert ein Verfahren, mit dem sich Formen aus preiswerterem Weißblech statt aus Kupfer herstellen ließen. Dadurch konnten Weihnachtsmänner, Tiere und Fantasiefiguren in großen Stückzahlen produziert werden. Seine Fabrik belieferte Schokoladenhersteller in vielen Ländern und beschäftigte zu Spitzenzeiten rund 1.800 Menschen.

Der 1843 in Dresden gegründeten Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik C. C. Petzold & Aulhorn wird der erste mit Schokolade gefüllte Adventskalender zugeschrieben. Ein Exemplar dieses historischen Adventskalenders, der 1938 auf den Markt gekommen sein soll, lässt sich ebenfalls im Dresdner Schokoladenmuseum bewundern.

Camondas Schokoladenmuseum // Schloßstraße 22, 01067 Dresden // täglich 10-18 Uhr // camondas.de

Schokoladeneis am Stiel

Mann bietet Schokoladen-Eis am Dresdner Stand an.
Zum Dahinschmelzen: Dieses schokoladige Eis am Stiel ist heiß begehrt. Foto: Camondas

Zusätzlich zu einem selbständigen Rundgang durch das Dresdner Schokoladenmuseum können Führungen, Verkostungen und Mitmachkurse gebucht werden. Dazu gehören beispielsweise Eis-Tastings oder das Gießen von Schokoladenlollis für Kinder. Außerdem ist das Museum mit einem Schokoladenkontor verbunden, in dem Manufakturschokoladen aus aller Welt probiert und gekauft werden können. Besonders beliebt ist jedoch das Schokoladeneis am Stiel, das bei vielen Touristen auf der Bucketlist steht. Wer es heiß und flüssig mag, sollte die Heiße Schokolade im Camondas-Laden am Dresdner Neumarkt probieren. Darüber hinaus gibt es in der Camondas-Eismanufaktur gegenüber dem Dresdner Kulturpalast das Schokoladensortiment auch in Eisform.

Camondas Filialen in der Schloßstraße 22, täglich 10-18 Uhr // An der Frauenkirche 20, Mo-Sa 11-20 Uhr, So 11-18 Uhr // Am Altmarkt Webergasse 1, Mo-Sa 10-20 Uhr // Camondas Eis-Kontor Schloßstraße 5, Mo-Sa 11-22 Uhr, So 11-19 Uhr

Handgemachte Schokolade in Dresden

Die großen Dresdner Schokoladenfabriken sind zwar verschwunden, die Freude am handwerklichen Genuss ist jedoch geblieben. Eine Adresse dafür ist die Bäckerei und Konditorei Wippler. Das Familienunternehmen verbindet mehr als 100 Jahre Dresdner Back- und Konditorentradition mit zeitgemäßen Rezepten und hochwertigen Zutaten. Neben Kuchen, Torten und Stollen spielt deshalb auch Schokolade eine wichtige Rolle.

Zu den besonderen Kreationen gehören Webers Freikugeln. Die sieben Marzipanpralinen mit Pistazien, Nougat, Chili und Ingwer erinnern an die berühmte Wolfsschlucht-Szene aus Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“. Das Werk entstand während der Dresdner Jahre des Komponisten und wurde 1821 in Berlin uraufgeführt.

Kaffee Wippler, Körnerplatz 2, 01326 Dresden-Loschwitz, konditorei-wippler.de

Schokolade trifft herzhafte Küche

Darüber hinaus zeigt die Dresdner Gastronomie, dass Kakao nicht nur ins Dessert gehört. Im Schmidt’s Restaurant in Hellerau, eines von vielen ausgezeichneten Fine-Dining Restaurants in Dresden, setzt Küchenchef Olaf Kranz auf handwerkliche Küche, regionale Produkte und den Slow-Food-Gedanken. Dabei verwendet er Schokolade sowohl für süße Speisen als auch als herbe oder würzige Komponente in herzhaften Gerichten und Saucen.

Ein Beispiel dafür ist Schmidt’s Schoko-Huhn, bei dem Geflügel mit Gemüse, Portwein und Kuvertüre kombiniert wird. Das Gericht ist als haltbare Konserve auch im Onlineshop des Restaurants erhältlich.

Schmidt’s Restaurant // Moritzburger Weg 67, 01109 Dresden // Di-Fr 11.30 – 14.30 Uhr und 17-22 Uhr, Sa 17-22 Uhr // schmidts-dresden.de

Das berühmte Dresdner Schokoladenmädchen

Gemälde „Das Schokoladenmädchen“ von Jean-Étienne Liotard: Eine junge Frau trägt ein Tablett mit einer Tasse Schokolade und einem Glas Wasser.

Schon an den europäischen Fürstenhöfen des 18. Jahrhunderts galt heiße Schokolade als kostbares Modegetränk. Davon erzählt auch Jean-Étienne Liotards berühmtes Pastellbild „Das Schokoladenmädchen“. Es entstand um 1744 in Wien und zeigt eine Dienstmagd, die auf einem Tablett ein Glas Wasser und eine Tasse heiße Schokolade trägt.

Bereits 1745 kaufte der Kunsthändler Francesco Algarotti das Bild direkt vom Künstler für das Dresdner Pastellkabinett. Heute gehört es zu den bekanntesten Werken der Gemäldegalerie Alte Meister und ist zugleich eng mit Dresdens Ruf als Schokoladenstadt verbunden.


© Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Herbert Boswank

Eine historische Figur wird zur Marke

Auch die Marke „Dresdner Schokoladenmädchen“ greift diese süße Geschichte auf. Dahinter steht der Dresdner Eventmanager Ronny Kürschner, der die Marke zusammen mit Peggy Junke führt. Zum Sortiment gehören handgefertigte Bio-Tafelschokoladen, Pralinen und eine Schokoladentorte.

Große Schokoladentafeln der Marke Dresdner Schokoladenmädchen mit bunt gestalteten Verpackungen.
Die Marke Dresdner Schokoladenmädchen vertreibt Schokolade in verschiedensten Sorten, bunt verpackt. Auf der Innenseite der Banderole erfährt man etwas über die Geschichte historischer Dresdner Schokoladenunternehmen. Foto: Karla Kallauch

Zudem gibt es ein echtes „Schokoladenmädchen“, das als Botschafterin für die Schokoladenstadt Dresden auftritt. Aktuell übernimmt diese Rolle die Dresdner Studentin Vivian Rücker, die neben ihrem Studium für eine Schokoladenmanufaktur in Dresden Elbland arbeitet. So lebt Dresdens Schokoladentradition nicht nur im Museum weiter.

dresdner-schokoladenmaedchen.de

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