Dresden in Bewegung Leonard Fischer beim Parcours in der Innenstadt

Dresden in Bewegung 3 Dresdner über ihre Leidenschaft

D ie Tänzerin, der Freerunner, der Radrennfahrer: Sie alle stehen nicht still – wie die Stadt, in der sie leben. Exemplarisch für ein Dresden in ständiger Bewegung sind sie unterwegs in den Straßen und manchmal, für einen kurzen Augenblick, auch in der Luft. Drei Dresdener erzählen von ihrer Passion.

20. Mai 2020

Der Freerunner: Parkour als Lebensgefühl

„Auf Parkour bin ich auf YouTube gestoßen. Sich durch den urbanen Raum zu bewegen, Hindernisse zu überwinden ohne Hilfsmittel – das habe ich nachgemacht, ohne überhaupt zu wissen, wie es heißt. Die Faszination hat nicht nachgelassen: Man braucht nichts, nur Schuhe. Man geht raus, legt los und spürt sofort diese unglaubliche Freiheit. Schürfwunden gehören zum Alltag, aber schwere Verletzungen sind selten. Einmal habe ich mir das Kahnbein, einen Mittelfußknochen, gebrochen. Mittlerweile habe ich schon in London, Rom und Prag Parkour gemacht. Man findet überall Gleichgesinnte. Dresden ist eine gute Stadt für Parkour, vor allem die Neubauviertel mit vielen Kanten und glatten Flächen.“

Man geht raus, legt los und spürt sofort diese unglaubliche Freiheit.
Leonard Fischer, Student, 20 Jahre

Die Tänzerin: Innersten Gefühlen Ausdruck verleihen

„Mit dem Tanzen kann ich innere Gefühle in eine äußere Form bringen, ich kann mich wortlos ausdrücken – und das Unsagbare sagen. Wenn das gelingt, ist es das größte Glück, das ich kenne. Seit ich mit zehn Jahren zur Palucca-Schule in Dresden ging, tanze ich. Dresden ist eine Stadt des Tanzes, die legendäre Mary Wigmann hat hier gelehrt, Gret Palucca war ihre Schülerin. In Dresden gibt es neben dem Ballet der Semperoper eine vielfältige freie Tanzszene. Hellerau mit seinem Festspielhaus beitet diesen Tanzschaffenden einen wunderbaren Aufführungsort. Jeder findet hier sein Publikum.“

Mit dem Tanzen kann ich das Unsagbare sagen. Wenn das gelingt, ist es das größte Glück.
Katja Erfurth, Tänzerin und Choreographin, 49 Jahre

Der Radfahrer: In allen Himmelsrichtungen unterwegs

„Die Schleudergang hat in Nürnberg begonnen. Dort haben sich die Radfahrer immer vor einem Waschsalon getroffen, da lag das Wortspiel nahe. Seit sieben Jahren gibt es die Schleudergang nun in Dresden. Es geht vor allem darum, Leute zusammen zu bringen, denn Radfahren ist ein sozialer Sport, weil man während des Fahrens auch mal die Beine hochnehmen und quatschen kann. Hier in Dresden treffen wir uns zwei Mal die Woche. Am Dienstag geht es drei Stunden eher gemütlich, am Donnerstag wird geballert. Wir fahren in alle Himmelsrichtungen: In den Süden bis Freital, im Osten in die Sächsische Schweiz, im Westen ins Meißener Hochland. Im Norden ist es eher flach. Das Elbland mit seinen Bergen ist ideal zum Radfahren, denn es gibt doch nichts Langweiligeres, als einfach geradeaus zu fahren. Wenn man so durch die Natur rollt, dann hat es fast etwas von Schweben.“

Das Elbland mit seinen Bergen ist ideal zum Radfahren, wenn man so durch die Natur rollt, dann hat es fast etwas von Schweben.
Stephan Böhlig, Fotograf, 37 Jahre