Ein Tag in Pirna: Zwischen Canaletto, Sonnenstein und Elbe

Warum sich ein Besuch dieser schönen Kleinstadt lohnt

Blick über die Elbe auf Pirnas Altstadt und Schloss Sonnenstein
Pirna hat eine originalgetreu erhaltene Altstadt und gilt als eine der schönsten Kleinstädte in Sachsen. Foto: Jens Dauterstedt

Enge Gassen, ein berühmter Marktplatz und schöne Elbblicke machen Pirna zum idealen Ziel für einen Tagesausflug von Dresden.

Malerisch an der Elbe gelegen, eine Altstadt voller enger Gässchen, darüber Schloss Sonnenstein: Dazu kommen kleine Läden, Brauhäuser, Cafés und überraschend viel Kunst. Gerade einmal rund 30 Kilometer von Dresden entfernt wartet eine Stadt, an der viele auf dem Weg in die Sächsische Schweiz einfach vorbeifahren. Dabei lohnt es sich, in Pirna auszusteigen. Denn die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Altstadt von Pirna liegen nah beieinander und lassen sich problemlos an einem Tag erkunden.

Auftakt auf dem Marktplatz: Pirna wie bei Canaletto

Historischer Marktplatz von Pirna mit Rathaus und Stadtkirche beim lebendigen Canaletto-Bild
Einmal im Jahr stellen die Bewohner Pirnas das berühmte Gemälde von Canaletto auf dem historischen Marktplatz nach. Foto: KTP

Pirna ist bunter als erwartet. Auf dem Marktplatz zeigt sich die ganze Pracht der Stadt: In Ocker, Hellblau und zartem Pink leuchten die Fassaden der Bürgerhäuser rund um das historische Rathaus. Zwei meterhohe rote Löwen flankieren die astronomische Sonnenuhr an der Fassade, Brunnen plätschern, Wimpel wehen über dem Platz.

Dieses Panorama faszinierte Mitte des 18. Jahrhunderts auch Bernardo Bellotto, besser bekannt unter dem Namen Canaletto. Der kurfürstlich-sächsische Hofmaler verewigte nicht nur Dresden in seinen berühmten Stadtansichten, sondern hielt Pirna gleich in elf großformatigen Gemälden fest. Das bekannteste zeigt den Marktplatz.

Das Original hängt heute in der Dresdner Gemäldegalerie. Eine Kopie findet sich jedoch direkt am Canalettohaus am Pirnaer Marktplatz, in dem auch die Tourist Information untergebracht ist. Wer das Bild betrachtet und anschließend vor die Tür tritt, merkt schnell: Vieles sieht noch fast genauso aus wie damals.

Ende April erwacht das Gemälde sogar zum Leben. Dann stellen rund 50 Laiendarsteller in historischen Kostümen die Marktszene von 1753 nach.

Sandstein und kleine Gassen: So schön ist Pirnas Altstadt

Historischer steinerner Torbogen zwischen Pflanzen in einem Innenhof in Pirna
Die kunstvoll verzierten (ehemaligen) Eingangsportale sind typisch für Pirna, so wie hier in einem Hinterhof am Marktplatz. Foto: raufeld / Ulrike Schattenmann

Schmiedegasse, Badergasse, Töpfergasse: Schon die Straßennamen rund um den Marktplatz erzählen von den Gewerken, die hier einst zu Hause waren. Im 15. und 16. Jahrhundert war Pirna eine bedeutende Handelsstadt. Vor allem die Lage an der Elbe und der Handel mit Elbsandstein brachten Wohlstand.

Bis heute ist der Sandstein überall sichtbar – etwa an Erkern, Figuren und Ornamenten sowie an den aufwendig verzierten Eingangsportalen der Bürgerhäuser. Typisch sind außerdem die steinernen Sitznischen. Hier saßen früher die Bewohner, beobachteten das Treiben auf der Straße und plauderten mit den Nachbarn.

Noch tiefer in die Geschichte geht es im StadtMuseum Pirna auf dem Gelände des ehemaligen Dominikanerklosters. Schon die efeubewachsenen Mauern und der begrünte Klosterhof lohnen den Abstecher. Vom Eingangsbereich führen einige Stufen hinab in einen Kapitelsaal aus dem 13. Jahrhundert mit imposantem Kreuzgewölbe und alten Grabsteinen – natürlich aus Sandstein.

Kleine Läden, süße Cafés und besondere Mitbringsel

Gäste sitzen vor Restaurants und Cafés in einer Gasse der Pirnaer Altstadt.
Auch kulinarisch kann man es sich in den malerischen Altstadtgassen von Pirna gut gehen lassen. Foto: Thomas Rötting (DML-BY)

Pirna ist eine Stadt mit historischem Charme und gleichzeitig sehr lebendig. Zwischen den alten Fassaden verstecken sich viele kleine Shops, inhabergeführte Geschäfte, Cafés und Handwerksbäckereien.

Am Marktplatz lockt die kleine Backstube Toni Beier mit hausgebackenen Streuselschnecken. Im Canaletto Café gibt es unter anderem selbst gemachte Limonade, belgische Waffeln und Avocadotoast – dazu kommt der Blick auf den berühmten Platz.

Nahe der Marienkirche liegt Fräulein Kleinstadtliebe, ein kleiner Concept Store mit liebevoll gestalteten Karten, Geschenkpapier und besonderen Kleinigkeiten. Nur wenige Meter entfernt überrascht Cupcake Floristry in der Schössergasse 2 mit essbaren Blumensträußen aus Cupcakes – von Rosen bis Sonnenblumen.

Wer regionale Kunst und Handwerk mag, sollte außerdem in der „Galerie der Vielfalt“ vorbeischauen. In der kleinen Produzentengalerie mitten in der Altstadt zeigen Künstlerinnen und Künstler unter anderem Glaskunst, Keramik, Aquarelle und handgewebte Leinenschals. Wer ein besonderes Souvenir aus der Region sucht, wird hier schnell fündig.

Ebenfalls einen Besuch wert ist die Kaffeerösterei Schmole, eine der ältesten Kaffeeröstereien Sachsens. Holzgetäfelte Vitrinen und alte Registrierkassen verleihen dem Geschäft den Charme eines historischen Kolonialwarenladens. Neben Kaffee und hausgebackenem Kuchen gibt es hier außerdem eine große Auswahl an Schokolade und Spirituosen. Holzgetäfelte Vitrinen und alte Registrierkassen verleihen dem Geschäft den Charme eines historischen Kolonialwarenladens.

Wer Lust auf deftige Spezialitäten und hausgebrautes Bier hat, sollte das Brauhaus Pirna „Zum Gießer“ besuchen. Es liegt im Stadtteil Copitz auf der anderen Elbseite und ist eines von vielen beliebten Brauhäusern in Dresden Elbland.

Schloss Sonnenstein: Weite Sicht und Kunst in der historischen Bastion

Jetzt geht es bergauf, hoch zu Schloss Sonnenstein. Hier liegt der Ursprung der Stadt, hier bauten erste Siedler im Mittelalter eine Burg. Von der Terrasse der Schlossschänke schaut man weit über die Dächer Pirnas. Spannend ist außerdem ein Rundgang durch die alten Wehranlagen. Der Weg führt durch dunkle Gewölbe entlang der in Fels gehauenen Mauern, manchmal blitzt Sonnenlicht durch Schießscharten, dann geht es wieder hinaus auf die grünen Terrassen unterhalb der Felsen. Im Sommer sind hier zudem Kunstobjekte und Skulpturen zu sehen – ein Grund mehr für einen Besuch, der echtes Burgfeeling bringt und auch für Kinder spannend ist.

Nur wenige Schritte entfernt bekommt der Besuch allerdings eine völlig andere, deutlich ernstere Dimension.

Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein: ein Ort, der nicht vergessen werden darf

Ausstellung mit Porträts von Opfern in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein.
In der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein erinnern 22 biografische Tafeln an die dort ermordeten Menschen. Foto: Stiftung Sächsische Gedenkstätten

Etwas versteckt im rückwärtigen Teil der Anlage liegt die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein. Der Ort steht für eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte.

Während der NS-Zeit wurden hier im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ systematisch psychisch kranke und geistig behinderte Menschen ermordet, später auch Häftlinge aus Konzentrationslagern. Die Opfer wurden aus psychiatrischen Einrichtungen in Bussen nach Pirna-Sonnenstein gebracht, dort zum Schein untersucht und anschließend in einer Gaskammer umgebracht. Die Täter verbrannten die Leichen in zwei Öfen und verstreuten die Asche anschließend über den Schlossberg. Mehr als 14.750 Frauen, Männer und Kinder wurden hier zwischen 1940 und 1941 ermordet.

Erst nach dem Ende der DDR rückte dieses lange verdrängte Verbrechen stärker ins öffentliche Bewusstsein. Nicht zuletzt dank des Engagements Pirnaer Bürgerinnen und Bürger entstand schließlich ein Dokumentations- und Gedenkort.

Heute informiert eine Ausstellung über die Organisation der Krankenmorde, über Täter und Helfer – Ärzte, Pflegepersonal, Fahrer der „grauen Busse“ – sowie über die menschenverachtende Ideologie der nationalsozialistischen „Rassenhygiene“. Im
Keller befinden sich die ehemaligen Tötungsräume. Der Warteraum, in dem sich die Opfer entkleiden mussten, die Gaskammer, wo der Arzt durch ein kleines Sichtfenster in der Wand die sterbenden Menschen beobachtete. Es ist ein stiller, ein bewegender Ort und sicher keine leichte Station für einen Tagesausflug. Wer Pirna und seine Geschichte wirklich kennenlernen möchte, sollte sie dennoch nicht auslassen.

Schifftorvorstadt: Hinunter ans Elbufer

  • Bunte historische Häuser in einer schmalen Gasse der Pirnaer Schiffvorstadt.
  • Ausflugsschiff an der Elbe in Pirna vor den bewaldeten Hängen des Elbtals


Unterhalb der alten Festungsmauern geht es jetzt über den malerischen Canalettoweg unterhalb der Festungsmauern Richtung Elbe. Dabei lohnt sich ein Abstecher in die Schifftorvorstadt, den ältesten Stadtteil direkt unterhalb des Schlosses. Kleine Gassen, niedrige Häuschen mit Blumentöpfen vor den Türen und der verträumte Platz „Am Plan“ mit alten Bäumen und einem Trog-Brunnen vermitteln fast dörfliches Flair. Überhaupt die historischen Brunnen. Sie begegnen einem überall in der Stadt, werden von Quellwasser unterhalb des Schlossberges gespeist und sind teilweise aufwendig verziert oder mit Figuren geschmückt.

Nur wenige Schritte weiter führt das alte Stadttor ans Elbufer – und damit zum perfekten Platz für eine Pause. Früher wurden hier Schiffe mit Sandstein be- und entladen. Heute lässt es sich entspannt am Wasser entlang spazieren oder auf einer der Holzbänke auf der Wiese sitzen. Auf der anderen Seite schmiegen sich die Gründerzeitvillen des Stadtteils Copitz in die Felsen. Gänse schnattern, eine Fähre setzt ans andere Ufer über. Alles wirkt sehr ruhig und friedlich, perfekt für ein kleine Auszeit.

Barockgarten Großsedlitz: Abstecher ins sächsische Versailles

Barockgarten mit Alleen und Orangenbäumchen
Der etwa 18 Hektar große Garten wurde von August dem Starken in den 1720er Jahren angelegt und gilt als überragendes Beispiel für französische Gartenbaukunst in Sachsen. Foto: Sylvio Dittrich

Pomeranzen vor den Toren Pirnas: Der Barockgarten Großsedlitz, rund eine Viertelstunde Autofahrt von Pirna entfernt, beeindruckt mit Terrassen, Wasserspielen, Alleen, historischen Sandsteinskulpturen und vor allem zahlreichen Zitruspflanzen. In der kalten Jahreszeit überwintern sie in den Orangerien – ebenso wie übrigens die Bitterorangen aus dem Dresdner Zwingerhof. Großsedlitz ist ein Paradebeispiel für Sachsens höfische Gartenkunst und dennoch als Ausflugsziel erstaunlich wenig bekannt. Wer Lust auf eine kleine Erfrischung hat, kann zudem im Café Friedrichschlößchen eine Kleinigkeit essen und Kaffee trinken. Ein Besuch lohnt sich.

Anfahrt von Dresden

  • Mit der S-Bahn: Linie S1 vom Hauptbahnhof Dresden,  Dauer ca. 25 Minuten
  • Mit dem Auto über über die Bundesstraße B172. Dauer ca. 30  Minuten. Parkmöglichkeiten gibt es u.a. an der Elbe, am Bahnhof sowie in mehreren Parkhäusern in der Altstadt.
  • mit dem Fahrrad über den Elberadweg, Dauer etwa 1,5 Std. (ca. 23 km)

Barockgarten Großsedlitz
Parkstraße 87, 01809 Heidenau, Di-So 10-17 Uhr
www.barockgarten-grosssedlitz.de

 

 

Lesen Sie auch …