Die Bastei und die Felsenburg zählt nicht nur zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten im Elbsandsteingebirge, sie ist auch ein beliebtes Klettergebiet. Foto: Sylvio Dittrich (DML-BY)
Freiklettern ist in der Sächsischen Schweiz tief verwurzelt. Für Robert Leistner ist es aber nicht nur ein Stück Klettergeschichte, sondern vor allem eines: pure Leidenschaft. Was ihn an diesem Sport so fasziniert.
Oft in schwindelerregender Höhe und mit viel Adrenalin: Freiklettern (oder Freeclimbing) bedeutet, eine steile Felswand hinaufzuklettern und sich dabei allein auf die eigene Kraft zu verlassen. Es dürfen keine Hilfsmittel wie Steigklemmen oder Trittleitern benutzt werden, die den Aufstieg erleichtern könnten. Ausnahmen sind Seile und Haken, die ausschließlich zur Sicherung eingesetzt werden.
Beim Freeclimbing in der Sächsischen Schweiz ist zudem der Einsatz von Chalk (Magnesiumcarbonat), das für mehr Grip am Fels sorgt, verboten. Denn es bindet Feuchtigkeit und kann dadurch den empfindlichen Sandstein schädigen.
Im Elbsandsteingebirge geht es beim Freiklettern allerdings um mehr als den Sport. Denn über mehr als ein Jahrhundert hinweg ist hier eine eigene Kultur entstanden – mit besonderen Regeln, Traditionen und einer ganz eigenen Art zu klettern. Ihre Anfänge reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Der Dresdner Fotograf Walter Hahn hielt die frühe Kletterwelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in eindrucksvollen Bildern fest.
Besonders in der DDR gewann das Freiklettern in der Region an Bedeutung. Neben der sportlichen Herausforderung spielte dabei auch die Gemeinschaft unter den Kletterern eine wichtige Rolle. Zugleich ist das Freiklettern ein zentraler Bestandteil der traditionellen sächsischen Bergsteigerkultur, die seit 2024 zum Immateriellen Kulturerbe Deutschlands gehört.
Freikletterer Robert Leistner: „Das Elbsandsteingebirge ist einmalig“
Geht gerne an seine Leistungsgrenze: Robert Leistner an der Friensteinwarte, einem Klettergipfel in der Sächsischen Schweiz. Foto: Fabian Fischer
Hier sieht man den Kletterprofi an einer der schwersten Kletterrouten im Elbsandsteingebirge: Der „Vertreibung der letzten Idealisten“. Foto: Fabian Fischer
Einer, der sich dieser Herausforderung bereits unzählige Male gestellt hat, ist Robert Leistner. Der 44-Jährige kennt das sächsische Elbsandsteingebirge wie kaum ein anderer. Er zählt zu den besten und bekanntesten Freikletterern der Sächsischen Schweiz und hat zahlreiche schwierige Felsen in der Region als Erster bezwungen, unter anderen die „Vertreibung der letzten Idealisten“ am Nonnengärtner, eine 60 Meter glatte Wand. Wir haben mit ihm über den Klettersport und seine Faszination gesprochen.
Wie fühlt es sich an, ohne wirkliche Hilfsmittel an so einem Felsen hochzuklettern? Robert Leistner:Es ist ein sehr freies Gefühl, weil man sich von allen Dingen, die einen im Alltag beschäftigten, losreißt. In diesem Moment gibt es nichts anderes, als die eigenen Bewegungen und den Felsen. Man wird sozusagen eins mit dem Fels, denn in besonders extremen Momenten kann man nicht gegen ihn ankämpfen. Es ist wie eine sportliche Meditation.
Was motiviert dich, bis nach oben zu kommen? Robert Leistner:Ich bin besonders motiviert, wenn ich an meiner Leistungsgrenze klettere. Dabei strebe ich immer danach, meine eigene Grenze zu verschieben, auch wenn die Wahrscheinlichkeit besteht, es nicht zu schaffen. Wennich es dann geschafft habe, ist das ein Höhepunkt sehr intensiv, aber auch sehr kurz.
Die Landschaft im Elbsandsteingebirge ist fantastisch und fast schon surreal.
Robert Leistner, Profikletterer
Man ist als Freikletterer also nie wirklich fertig? Robert Leistner:Nein, man sucht sich immer wieder neue Herausforderungen. Aber jeder hat seine eigene Grenze. Deshalb lässt sich dieses Gefühl unabhängig vom Alter oder Trainingsstand erleben.
Welcher Moment beim Freiklettern hat dich bisher am meisten geprägt? Robert Leistner:Als ich im Alter von 19 Jahren das erste Mal in der Sächsischen Schweiz den Schwierigkeitsgrad 10a geklettert bin [Anm. d. Red.: Die Sächsische Skala reicht derzeit von 1 bis 12c] und oben auf dem Gipfel ankam, hatte ich einen sehr majestätischen und heroischen Moment. Es hat sich fantastisch angefühlt, endlich diese Schallmauer durchbrochen zu haben.
Und die gefährlichste Situation? Robert Leistner: Eine, die mir in Erinnerung geblieben ist, war auf einer Expedition in Jakutien, einer Region im östlichen Sibirien. Zusammen mit anderen Profikletterern habe ich zuvor noch nie gekletterte Granitnadeln bestiegen. Jeder Schritt war gefährlich. Das ist mir als extremes Abenteuer noch ganz nahe, weil ich so sehr um den Gipfel, aber auch ums Überleben gekämpft habe.
Du stellst die Sächsische Schweiz immer wieder in den Fokus und möchtest ihr mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Was fasziniert dich am Freiklettern in dieser Region? Robert Leistner: Sandstein ist für mich ein lebendiger Stein. Er fühlt sich organischer, sensibler und wärmer an als Granit oder Kalk. Wenn ich über Sandstein klettere, nehme ich diese Schönheit, die der Stein mit sich bringt, ganz besonders stark wahr. Außerdem hat das Elbsandsteingebirge eine fantastische, märchenhafte, fast schon surreale Landschaft, die auf dieser Erde einmalig ist. Auch wenn es weltweit nicht so bekannt ist wie andere Regionen, ist das Gebirge in seiner Dimension und Vielseitigkeit interessanter und schöner. Ich bin glücklich darüber, es mein Zuhause nennen zu können. Hier kann ich auch im Alter noch Abenteuer erleben.
Du bist vor Ort mittendrin: Merkst du, was für eine Bedeutung die Kletterkultur in der Region hat? Robert Leistner: In meiner Schulzeit in Chemnitz wurde ich fürs Klettern noch ausgelacht. Anders in Dresden: Hier kletterten auf einmal ganz viele, hier war es Volkssport, war ich in Kletterkreisen herzlich willkommen. Das ist in der Sächsischen Schweiz oder in Dresden bis heute so. Klettern spielt hier im Leben vieler Menschen eine Rolle.
Durch meine Arbeit in der Boulderhalle wurde mir auch erst bewusst, wie viele Menschen klettern. Vom Gefühl her sind wir eine der Städte mit den meisten Kletterern in Deutschland. Es ist ein faszinierender Sport, aber Achtung: Klettern macht süchtig.
Infobox Robert Leistner ist in Chemnitz geboren und aufgewachsen und kam früh durch seine Großeltern zum Klettern in die Sächsische Schweiz. Später zog er für seine Ausbildung zum Physiotherapeuten nach Dresden. Heute lebt er in der Region, ist Profikletterer und für zahlreiche Erstbegehungen schwieriger Routen bekannt. Vor rund zehn Jahren eröffnete er mit Gunter Gäbel die Mandala-Boulderhalle in der Königsbrücker Straße in Dresden, 2024 folgte ein zweiter Standort am Postplatz.
Die besten Freikletterer in der sächsischen Schweiz
Robert Leistner ist bei weitem nicht der einzige Freikletterer, den die Region hervorgebracht hat. Es gibt noch viele andere Persönlichkeiten, die das Freiklettern im Elbsandsteingebirge bekannt gemacht haben – eine Auswahl:
Bernd Arnold kann wohl als sächsische Kletterlegende bezeichnet werden. Durch über 900 Erstbegehungen erlangte er internationale Berühmtheit. Bekannt ist Arnold vor allem dadurch, extrem schwierige Wege im oberen neunten Grad komplett barfuß erstzubegehen.
Rudolf Fehrmann hat die moderne sächsische Kletterkultur mit seinem im Jahr 1908 veröffentlichten Kletterführer „Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz“ geprägt. Darin legte er wichtige Grundlagen für die späteren „Sächsischen Kletterregeln“.
Alexander Adler ist ein Spitzenkletterer, der unter anderem durch die zweite Begehung der „Action Directe“ im Jahr 1995 bekannt ist. Er betreibt außerdem die Kletterhalle „XXL’ Die Wand“ in Dresden.
Gunter Gäbel hat als ehemaliger Bundestrainer im Wettkampfklettern Spitzenathleten geprägt. Er ist Mitbegründer und Geschäftsführer der Mandala-Boulderhallen in Dresden.
Stephan Gerber ist innerhalb der Szene bekannt als „der Seppo“ und erklimmt schon seit den 1990ern die Sächsische Schweiz. Ihm gelang es alle anspruchsvollen Wege der DDR-„74-Meisterliste“ zu durchsteigen.
Freiklettern ist in der Sächsischen Schweiz tief verwurzelt. Für Robert Leistner ist es aber nicht nur ein Stück Klettergeschichte, sondern vor allem eines: pure Leidenschaft. Was ihn an diesem Sport so fasziniert.
Oft in schwindelerregender Höhe und mit viel Adrenalin: Freiklettern (oder Freeclimbing) bedeutet, eine steile Felswand hinaufzuklettern und sich dabei allein auf die eigene Kraft zu verlassen. Es dürfen keine Hilfsmittel wie Steigklemmen oder Trittleitern benutzt werden, die den Aufstieg erleichtern könnten. Ausnahmen sind Seile und Haken, die ausschließlich zur Sicherung eingesetzt werden.
Beim Freeclimbing in der Sächsischen Schweiz ist zudem der Einsatz von Chalk (Magnesiumcarbonat), das für mehr Grip am Fels sorgt, verboten. Denn es bindet Feuchtigkeit und kann dadurch den empfindlichen Sandstein schädigen.
Im Elbsandsteingebirge geht es beim Freiklettern allerdings um mehr als den Sport. Denn über mehr als ein Jahrhundert hinweg ist hier eine eigene Kultur entstanden – mit besonderen Regeln, Traditionen und einer ganz eigenen Art zu klettern. Ihre Anfänge reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Der Dresdner Fotograf Walter Hahn hielt die frühe Kletterwelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in eindrucksvollen Bildern fest.
Foto: © Deutsche Fotothek / Walter Hahn
Besonders in der DDR gewann das Freiklettern in der Region an Bedeutung. Neben der sportlichen Herausforderung spielte dabei auch die Gemeinschaft unter den Kletterern eine wichtige Rolle. Zugleich ist das Freiklettern ein zentraler Bestandteil der traditionellen sächsischen Bergsteigerkultur, die seit 2024 zum Immateriellen Kulturerbe Deutschlands gehört.
Freikletterer Robert Leistner: „Das Elbsandsteingebirge ist einmalig“
Einer, der sich dieser Herausforderung bereits unzählige Male gestellt hat, ist Robert Leistner. Der 44-Jährige kennt das sächsische Elbsandsteingebirge wie kaum ein anderer. Er zählt zu den besten und bekanntesten Freikletterern der Sächsischen Schweiz und hat zahlreiche schwierige Felsen in der Region als Erster bezwungen, unter anderen die „Vertreibung der letzten Idealisten“ am Nonnengärtner, eine 60 Meter glatte Wand. Wir haben mit ihm über den Klettersport und seine Faszination gesprochen.
Wie fühlt es sich an, ohne wirkliche Hilfsmittel an so einem Felsen hochzuklettern?
Robert Leistner: Es ist ein sehr freies Gefühl, weil man sich von allen Dingen, die einen im Alltag beschäftigten, losreißt. In diesem Moment gibt es nichts anderes, als die eigenen Bewegungen und den Felsen. Man wird sozusagen eins mit dem Fels, denn in besonders extremen Momenten kann man nicht gegen ihn ankämpfen. Es ist wie eine sportliche Meditation.
Was motiviert dich, bis nach oben zu kommen?
Robert Leistner: Ich bin besonders motiviert, wenn ich an meiner Leistungsgrenze klettere. Dabei strebe ich immer danach, meine eigene Grenze zu verschieben, auch wenn die Wahrscheinlichkeit besteht, es nicht zu schaffen. Wenn ich es dann geschafft habe, ist das ein Höhepunkt sehr intensiv, aber auch sehr kurz.
Man ist als Freikletterer also nie wirklich fertig?
Robert Leistner: Nein, man sucht sich immer wieder neue Herausforderungen. Aber jeder hat seine eigene Grenze. Deshalb lässt sich dieses Gefühl unabhängig vom Alter oder Trainingsstand erleben.
Welcher Moment beim Freiklettern hat dich bisher am meisten geprägt?
Robert Leistner: Als ich im Alter von 19 Jahren das erste Mal in der Sächsischen Schweiz den Schwierigkeitsgrad 10a geklettert bin [Anm. d. Red.: Die Sächsische Skala reicht derzeit von 1 bis 12c] und oben auf dem Gipfel ankam, hatte ich einen sehr majestätischen und heroischen Moment. Es hat sich fantastisch angefühlt, endlich diese Schallmauer durchbrochen zu haben.
Und die gefährlichste Situation?
Robert Leistner: Eine, die mir in Erinnerung geblieben ist, war auf einer Expedition in Jakutien, einer Region im östlichen Sibirien. Zusammen mit anderen Profikletterern habe ich zuvor noch nie gekletterte Granitnadeln bestiegen. Jeder Schritt war gefährlich. Das ist mir als extremes Abenteuer noch ganz nahe, weil ich so sehr um den Gipfel, aber auch ums Überleben gekämpft habe.
Du stellst die Sächsische Schweiz immer wieder in den Fokus und möchtest ihr mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Was fasziniert dich am Freiklettern in dieser Region?
Robert Leistner: Sandstein ist für mich ein lebendiger Stein. Er fühlt sich organischer, sensibler und wärmer an als Granit oder Kalk. Wenn ich über Sandstein klettere, nehme ich diese Schönheit, die der Stein mit sich bringt, ganz besonders stark wahr. Außerdem hat das Elbsandsteingebirge eine fantastische, märchenhafte, fast schon surreale Landschaft, die auf dieser Erde einmalig ist. Auch wenn es weltweit nicht so bekannt ist wie andere Regionen, ist das Gebirge in seiner Dimension und Vielseitigkeit interessanter und schöner. Ich bin glücklich darüber, es mein Zuhause nennen zu können. Hier kann ich auch im Alter noch Abenteuer erleben.
Du bist vor Ort mittendrin: Merkst du, was für eine Bedeutung die Kletterkultur in der Region hat?
Robert Leistner: In meiner Schulzeit in Chemnitz wurde ich fürs Klettern noch ausgelacht. Anders in Dresden: Hier kletterten auf einmal ganz viele, hier war es Volkssport, war ich in Kletterkreisen herzlich willkommen. Das ist in der Sächsischen Schweiz oder in Dresden bis heute so. Klettern spielt hier im Leben vieler Menschen eine Rolle.
Durch meine Arbeit in der Boulderhalle wurde mir auch erst bewusst, wie viele Menschen klettern. Vom Gefühl her sind wir eine der Städte mit den meisten Kletterern in Deutschland. Es ist ein faszinierender Sport, aber Achtung: Klettern macht süchtig.
Die besten Freikletterer in der sächsischen Schweiz
Robert Leistner ist bei weitem nicht der einzige Freikletterer, den die Region hervorgebracht hat. Es gibt noch viele andere Persönlichkeiten, die das Freiklettern im Elbsandsteingebirge bekannt gemacht haben – eine Auswahl:
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