Freizeit & Familie

Auf den Pfaden von Winnetou und Old Shatterhand

Karl-May-Festtage vom 27. bis 29. Mai in Radebeul

Karl May Winnetou Lößnitzgrund
Aufführung von "Winnetou I" im Lößnitzgrund. Foto: Landesbühnen Sachsen/Thomas Arndt

Karl May lebte nahe am Lößnitzgrund. Der zählte damals zu den beliebtesten Naherholungsgebieten der Gegend. Am kommenden Wochenende erweckt die Stadt Radebeul das romantische Tal erneut zum Leben.

Da nun verengt sich die Landschaft aus anmutigen Hügeln, an deren Hängen prächtige Rebstöcke wachsen, zu einem schmalen Tal. Ein Rinnsal fließt an dessen Grund, zumindest in jenen Jahren, die von so viel Niederschlag gesegnet sind wie dieses. Der Lößnitzgrund, wie ihn die Einheimischen nennen, schlängelt sich durch einen Tann, so dicht, dass der Westmann weiß: Hinter manchem Gehölz könnte hier eine Gefahr lauern.

So ähnlich hätte es vielleicht geklungen, hätte Karl May (1842–1912) über den Lößnitzgrund nahe Radebeul geschrieben, wo er sich als erfolgreicher Schriftsteller niedergelassen hatte.

Der Lößnitzgrund inspirierte Karl May

Leider schrieb er nie explizit über das enge Tal, aber es ist leicht vorstellbar, wie er diese wilde Landschaft auf langen Spaziergängen erkundete und dabei Inspiration für die Figuren und Geschichten fand, die ihn zu einem der meistgelesenen und meistübersetzten deutschen Schriftsteller machten. Von den Tantiemen kaufte er sich ein Haus in der damaligen Kirchstraße, die heute Karl-May-Straße heißt, und taufte es Villa Shatterhand. Das denkmalgeschützte Haus beherbergt heute das Karl-May-Museum und steht nur ein paar Gehminuten entfernt von dem damals ungemein beliebten Naherholungsgebiet. Schon ab 1880 legte der „Verschönerungsverein für die Lößnitz“ die ersten Wanderwege an, vier Jahre später nahm die einst hochmoderne Schmalspurbahn ihren Betrieb zwischen Radebeul und Radeburg auf. Der „Lößnitzdackel“, wie die Radebeuler die tapfer schnaufende Dampfbahn liebevoll nennen, ruckelt noch heute durch das enge Tal, mitten durch den malerischen Dippelsdorfer Teich und Moritzburg.

Karl-May-Festtage in Radebeul

Diese glorreichen Tage belebt die Stadt Radebeul nun auf ein Neues wieder. Bei den Karl-May-Festtagen vom 27. bis 29. Mai in Radebeul folgen die Besucher dem großen Schriftsteller auf seinen Pfaden im Lößnitzgrund. Dabei begegnen ihnen mitunter rauflustige Ganoven, orientalische Tänzer und Karl May höchstpersönlich, der von seinen abenteuerlichen Reisen berichtet. Stand das Event im vergangenen Jahr noch unter dem Motto „Karl May – Abseits des Pfades“, kehren die Festtage nun wieder zu ihren Wurzeln zurück und hauchen dem gesamten Naherholungsgebiet neues Leben ein. Hier können große und kleine Besucher in die Zeit des Wilden Westens eintauchen, Einblicke in fremde Kulturen erhalten und sich in ferne Welten träumen.

Alle in Deckung! Schurken überfallen die Bahn – genau wie im Western. Foto: Claudia Hübschmann

Für Musik und Action ist gesorgt

Wie in Mays Abenteurromanen darf dabei natürlich auch eine gehörige Portion Action nicht fehlen: Wer schon immer live bei einem Bahnnüberfall dabei sein wollte, spektakuläre Pferde-Akrobatik bestaunen oder den Trubel in einer Westernstadt hautnah erleben möchte, ist hier genau richtig. Für stilechte musikalische Untermalung sorgen zahlreiche Künstler und Bands aus den Bereichen Folk, Country und Bluegrass. Alle Infos zum umfangreichen Programm finden Besucher in dieser Übersicht.

Anreise zu den Karl-May-Festtagen am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Tickets zu den Karl-May-Festtagen können sowohl im Vorverkauf als auch an der Tageskasse erworben werden. Alle Infos und Preise sind hier zu finden. Da die Parksituation vor Ort schwierig ist, empfiehlt es sich, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Das geht mit S-Bahn, Tram oder Bus. Alle wichtigen Infos zur Anreise gibt es hier.

Begebt euch auf die Spuren Karl Mays

Auch nach den Karl-May-Festtagen lädt der Lößnitzgrund zu einer schönen Wanderung für die ganze Familie ein. Am besten fährt man dafür mit dem Lößnitzdackel zum Bahnhof Friedewald Bad und spaziert von dort gemütlich zurück nach Radebeul. Die Strecke führt vorbei an Sanatorien, die zu Wohnhäusern umgebaut wurden, und ehemaligen Mühlen-Gaststätten. Der Weg windet sich durch ein romantisch enges Tal, in dem zwar nicht wirklich Gefahren aus Karl Mays Abenteuerwelt lauern – aber was ist schon wirklich? Das konnte der berühmte Schriftsteller irgendwann selbst nicht mehr leicht auseinanderhalten:

Wie stark Realität und Fantasie bei ihm verschwammen, ob er dauerhaft davon besessen war, Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi zu sein, oder ob ihn nur gelegentlich die eigene Fantasie davongetragen hat, das ist heute nicht mehr zu ermitteln

sagt Philipp Schwenke, der Karl May zur Figur seines dokumentarischen Romans „Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste“ machte.

Tatsache ist, dass May viele Länder nur im Geiste bereiste, seine Leserschaft aber anderes glauben ließ.

Wäre Karl May heute auf Instagram?

Wäre dieses Vortäuschen falscher Tatsachen heute noch möglich? „Allerdings“, ist Schwenke überzeugt. „Wenn May heute jung wäre, würde er sich in den sozialen Netzwerken tummeln. Mit seinem Hang zur Übertreibung wäre das eine großartige Spielwiese für ihn.“ Man könne ihn sich als Reise-Blogger vorstellen, der Fotos von wilden Wüstenlandschaften auf Instagram veröffentlicht. „Würde man aber in die andere Richtung blicken können, würde man sehen, dass er nur kurz aus seinem komfortablen Hotelzimmer gekommen ist.“

Karl May lässt uns nicht los. Zudem leben seine Figuren in Filmen, auf den Bühnen wie im Lößnitzgrund, im Gedächtnis und in den Herzen der Deutschen. Man solle seine Romane lesen, sagt Philipp Schwenke. „Aber klar: Diese Bücher erzählen einem mehr über dieses Land als über die Länder, in denen sie spielen.“ Am Ende des Wegs durch den schattigen Lößnitzgrund wechselt das Licht zum warmen Licht in den Weinbergen über Radebeul, an deren Hängen die teuersten Grundstücke Ostdeutschlands liegen. Und da Winnetou und Old Shatterhand den Spaziergang im Geiste begleiteten, bietet es sich an, deren Erfinder noch einen Besuch an seinem Grab auf dem Friedhof Radebeul-Ost abzustatten. Dort liegt Karl May neben seinem alten Freund Eduard Bilz, als wären sie Seit an Seit durch den Lößnitzgrund direkt ins Jenseits spaziert.

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