Genuss

Deutsches Archiv der Kulinarik in Dresden gegründet

15 Jahre lang wurde der Bestand an der SLUB zusammengetragen - und er soll noch wachsen. © SLUB Dresden, Ramona Ahlers-Bergner

Dresden ist um ein neues kulturelles Juwel reicher: Am Montag wurde das Deutsche Archiv für Kulinarik in der Sächsischen Landesbibliothek gegründet. Dass die einzigartige Sammlung aus Rezepten, Notizen von Spitzenköchen und vielem mehr in Dresden entstand, ist dabei kein Wunder.

Feinschmecker und Connoisseure aufgepasst: Am vergangenen Montag gründeten die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) und die TU Dresden das Deutsche Archiv der Kulinarik. Das bundesweit einmalige Archiv zur Geschichte der Kochkunst sowie der Tafel- und Esskultur soll in den kommenden Jahren gezielt erweitert und die inter- und transdisziplinäre Forschung zu diesen Themen ausgebaut werden. Denn wer hätte es gedacht: Auf dem Feld der Kulinarik gilt es anscheinend noch eine große Forschungslücke zu schließen.

Der Fundus, der über 15 Jahre zusammengetragen wurde, ist gewaltig: Weit mehr als 50.000 Bücher, Handschriften, Menükarten und Fotografien, ein Großteil aus Privatsammlungen, sind in der Sammlung zu finden.

Es gibt ein auffallend großes Interesse der Dresdner an gutem Essen.

Prof. Josef Matzerath, Experte für Ernährungsgeschichte an der TU Dresden

Deutsches Archiv der Kulinarik besteht aus über 50.000 Objekten

Kern des Archivs ist die Sammlung des bekannten Küchenchefs Ernst Birsner (1935-2015), die die SLUB 2021 erwarb. Sie allein besteht aus mehr als 10.000 Büchern und etwa 40.000 Menü- und Speisekarten, darunter auch Exemplare der englischen Königin Elizabeth II. aus dem Jahr 1959. Hinzu kommt ebenfalls der Nachlass des berühmten Restaurantkritikers Wolfram Siebeck (1928-2016), der seit 2018 im Besitz der SLUB ist.

Weit mehr als 50.000 Bücher, Handschriften, Menükarten und Fotografien sind Bestandteil des Archivs. © SLUB Dresden, Ramona Ahlers-Bergner

Gemeinsam mit dem Archiv wurde in den Räumlichkeiten der SLUB auch die Austellung „Eckart Witzigmanns Kalbsbries Rumohr“ eröffnet, die dem erfolgreichsten Gericht des berühmten Ausnahmekochs gewidmet ist.

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Warum ist das Deutsche Archiv der Kulinarik in Dresden?

Dass Genuss in Dresden großgeschrieben wird, ist kein Geheimnis. Das weiß auch Prof. Josef Matzerath, der an der TU Dresden zu Ernährungsgeschichte forscht und im vergangenen Jahr bereits die Online-Ausstellung „Wolfram Siebeck und das Deutsche Küchenwunder“ kuratierte. Der Historiker führt die Dresdner Affinität zur gehobenen Küche mitunter auf das kulturelle Erbe der sächsischen Landeshauptstadt zurück: „Es gibt ein auffallend großes Interesse der Dresdner an gutem Essen. Das ist sicher kein Zufall“, sagte er in einem Interview Anfang des Jahres.

Denn: „Die großen Institutionen der klassischen Kultur wurden alle von sächsischen Kurfürsten und Königen gegründet.“ Die Dresdnerinnen und Dresdner sähen sich daher in der Verantwortung, diese geerbte Hochkultur weiterzugeben – und das schließe eben auch die Kochkunst ein. So wurde etwa schon vor 400 Jahren eines der ersten deutschen Profi-Kochbücher in Dresden verfasst. Kein Wunder also, dass das einmalige Kulinarik-Archiv heute ebenda zu finden ist.

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