Kultur

Die teuersten Künstler im Barockviertel

Thomas Fröhlich

Die Galerie Holger John im Barockviertel zeigt derzeit eine Ausstellung mit dem Titel „Die Unbegabten“. Das kann eigentlich nur ein Witz sein. Denn von Koons über Hirst und Richter bis zu Warhol versammelt sie einige der größten Namen des Kunstbetriebes.

Auch Superman ist da, aber er ist wohl übers Ziel hinausgeschossen. Und jetzt ragt er aus dem gepflasterten Gehweg heraus, muskelbepackt, den Kopf in den Boden gerammt, die Beine stramm gen Himmel gereckt. „Auch Helden haben schlechte Tage“, so heißt die überlebensgroße Skulptur des in Berlin ansässigen Künstlers Marcus Wittmers.

„Superman ist schön farbenfroh, da kommen die Leute gern herein, besonders im Herbst“, ruft Holger John gutgelaunt. Dabei ist Wittmers einer der kleineren Namen der aktuellen Ausstellung in seiner Galerie. Neben ihm stehen und hängen da noch: Andy Warhol, Jeff Koons, Damien Hirst, Gerhard Richter und Banksy, den Superheroes des Kunstmarktes.

Thomas Fröhlich
„Zeit versetzt“. Seitenleitwerk einer MiG 21 vom Kölner Künstler Bernd Reiter.
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In der Mitte das kleine Porzellanäffchen von Jeff Koons, eingerahmt von Bildern von Damien Hirst. Die knallige Tapete hat der Musiker Lenny Kravitz gestaltet.
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In der Beletage der Galerie: Kunst von Julian Opie, David Hockney und Gerhard Richter.
Thomas Fröhlich
„Moll“ von Sigmar Polke, Gemälde des Dresdner Künstlers Kosmo Mars, Bronzeplastik von Tony Cragg.
Thomas Fröhlich
„Die Glückliche“ Europa mit Maschinengewehr auf dem Goldenen „Kalb“ reitend, Skulptur von Marcus Witwers. Hinten links: Andy Warhol. Rechts davon: Keith Haring.

Dass Holger John die Ausstellung „Die Unbegabten“ überschrieben hat, ist natürlich auch ein großer Spaß. Unbegabt sind die berühmtesten und teuersten Künstler unserer Zeit vermutlich nicht – auch wenn der Ein oder Andere insgeheim schon mal gedacht haben mag, dass diese Siebdrucke von Warhol doch ein wenig hingeschlampt wirken. Oder sich fragt, was an den kaugummiblasenhaften Skulpturen von Jeff Koons nun genau so besonders sein soll. Zumal der sie ja von seinen Assistenten hat machen lassen.

John mag Wortspiele, und er mag es, mit den Vorurteilen der Betrachter zu spielen. Eine Ausstellung mit DDR-Kunst nannte er „Schnee von gestern“, eine mit mehreren Malerinnen hieß „Frauen können auch malen!“

„Die Unbegabten“ nun stellt die Frage: Was ist eigentlich Kunst? Was muss ein Werk können, um Kunst zu sein?

Holger John mag die Buntheit und Verspieltheit und den intellektuellen Anspruch der Pop Art. Die Galerie im Barockviertel führt John, der abwechselnd in Dresden, Berlin und seiner Heimatinsel Usedom lebt, seit 2013. Er selbst ist nicht nur Maler, sondern auch Grafiker und Eventmanager. Er hat schon Projekte mit Immendorff, Baselitz und der Band Rammstein inszeniert.

Der „Unbegabte“ Künstler & Galerist Holger John mit einem originalen, noch ungeschredderten Kunstwerk von Banksy. © Thomas Fröhlich

„Dass Warhol, Koons und Hirst so groß geworden sind, liegt ja auch daran, dass sie große Strategen sind“, sagt John. Die wissen genau, wie man Höchstpreise erzielt.“ Im Grunde seien sie eher Produktentwickler als Künstler. Sie als kapitalistisch zu kritisieren, trifft den Kern aber nicht, weil sie den Kapitalismus ja schon selbst kritisieren. Oder persiflieren. Oder so ungeniert von ihm profitieren, dass es schon wieder sympathisch ist.

Das Elitäre des Kunstbetriebes liegt dem 58-Jährigen jedenfalls fern. Über die Preisexzesse der Malerstars sagt er: „Das ist doch alles eine große Absprache des Kunstmarktes.“ Was aber überhaupt nicht heißen soll, dass John die einzelnen Arbeiten für wertlos hält. Das metallic glasierte Porzellanäffchen von Jeff Koons etwa, das gerade in seiner Galerie steht, sei „unglaublich magisch“. Ihn fasziniert, wie Koons mit dem Material spielt. Und er kann humorvoller Kunst viel abgewinnen.

Zum Beispiel den Trump-Böllern des chinesischen Künstlers Feng Lu: Chinakrachern mit dem Konterfei des amerikanischen Präsidenten. „Da juckt es mich schon in den Fingern, das Feuerzeug rauszuholen“, sagt er und schmunzelt. Aber er will sich beherrschen.

Blickfang: der 6,5 Meter lange Cadillac vor der Galerie. © Thomas Fröhlich

Die Unbegabten
Die Ausstellung läuft noch bis zum 18.11. Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 14 bis 19 Uhr und nach Absprache. Eintritt frei.

Galerie Holger John, Rähnitzgasse 17, 01097 Dresden, Tel. 0162 4772739

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