Das Leben von Carl Maria von Weber als Silhouettenfilm

Das Carl-Maria-von-Weber-Museum zeigt „Komponieren beim Spazieren“ und damit, wie „Der Freischütz“ entstand

Sequenz aus dem Silhouettenfilm „Komponieren beim Spazieren“ über Carl Maria von Weber
Der Silhouettenfilm „Komponieren beim Spazieren“ über den Komponisten ist im Carl-Maria-von-Weber-Museum zu sehen. Foto: mediahaus Kreischa

Am 5. Juni vor 200 Jahren starb Carl Maria von Weber. Der einstige Dresdner Hofkapellmeister und seine berühmte Oper "Der Freischütz" wird in einem ganz besonderen Medium gewürdigt: dem Silhouettenfilm.

Vor 200 Jahren, am 5. Juni 1826, starb Carl Maria von Weber. Der Komponist und Dirigent arbeitete bis zu seinem Tod in Dresden und schuf mit dem „Freischütz“ ein Werk, das Generationen inspirierte. Der Silhouettenfilm „Komponieren beim Spazierengibt Einblicke in Webers Leben als Komponist, Kapellmeister und Familienmensch und ist gleichzeitig selbst ein handwerkliches Meisterstück.

Der Silhouettenfilm ist online im Carl-Maria-von-Weber-Museum zu sehen.

Carl Maria von Weber in Dresden

Für den Komponisten und Dirigenten Carl Maria von Weber war Dresden weit mehr als eine biografische Station.

Der letzte Silhouettenfilmer der Welt: Jörg Herrmann

Foto von Jörg Herrmann

Realisiert wurde der Film von Jörg Herrmann, der als der letzte Silhouetten-Trickfilmmacher der Welt gilt. Als Mitbegründer des DEFA-Studios für Trickfilme hat der heute 87-Jährige bis 1990 zahlreiche Silhouettenfilme produziert und in seinem eigenen Trickatelier zudem bis zur Wende 24 Silhouettenfilme für den Abendgruß von „Unser Sandmännchen“ beigesteuert. Im Jahr 2011 kam Jörg Herrmanns beeindruckende Silhouetten-Neuverfilmung der sorbischen Sage Krabat in die Kinos.

Foto: Carl-Maria-von-Weber-Museum

So aufwendig ist die Herstellung eines Silhouettettenfilms

Für die Produktion eines Silhouettenfilms wird jede Figur aus Pappkarton ausgeschnitten, auf einen beleuchteten Untergrund gelegt und abfotografiert. Das Ausschneiden und Zusammenbauen der Figuren erfordert viel Übung und Präzision, sodass es früher einen eigenen Berufszweig dafür gab: die Psaligrafie. Meist wurde diese Handwerkskunst von Frauen ausgeführt, die die filigranen Einzelteile und Requisiten mit feinem Draht zu beweglichen Figuren zusammensetzten. Durch die zeitaufwendige Vorarbeit entstehen pro Tag nur etwa 20 Sekunden Filmmaterial.

Reizvoll an der Technik ist außerdem die Widersprüchlichkeit der Silhouette. Dadurch, dass man als Zuschauer nur die Umrisse erkennen kann, muss man sich den Rest – etwa die Gesichtsausdrücke der handelnden Figuren – dazu denken. Der Zuschauer behält so eine kreative Mitgestalterrolle, während er sich den Film ansieht. Gerade Kindern macht es oft großen Spaß, dass sie so beim Anschauen ihre Fantasie benutzen können.

Lotte Reiniger – die Frau, die den Silhouettenfilm in Deutschland etablierte

Begründerin des deutschen Silhouettenfilms war die Berlinerin Lotte Reiniger, die 1919 mit „Das Ornament des verliebten Herzens“ den ersten Silhouettenfilm in Deutschland gestaltete. Oft wird Reiniger als die Erfinderin des Silhouettenfilms an sich bezeichnet, das stimmt allerdings nicht ganz. Etwa zeitgleich gab es auch in anderen Ländern der Welt erste Filme in der damals völlig neuartigen Technik.

Von Lotte Reiniger wiederum ließ sich der damalige Regie- und Kameraassistent der DEFA, Bruno J. Böttge, inspirieren, der später sein Wissen an Jörg Herrmann weitergab. Die beiden Männer teilten sich während ihrer Arbeit für das DEFA-Studio für Trickfilme ein Arbeitszimmer, ehe Herrmann die Festanstellung Anfang der 1980er Jahre verließ, um sich mit seinem eigenen Trickfilmatelier selbstständig zu machen.

Das DIAF – eine einzigartige Sammlungs- und Informationsstätte zum Animationsfilm

Als die DEFA nach der Wende schließen musste, hatte sich im Bereich Trickfilm viel bedeutsames Material angesammelt. Dieses ging Anfang der 1990er Jahr in den Bestand des Deutschen Instituts für Animationsfilm (DIAF) über, eine bundesweit einzigartige Sammlungs- und Informationsstätte zum Animationsfilm. Etwa 3.000 Filmkopien, 100.000 Zeichentrickfolien und 1.000 Silhouettenfiguren gehören neben vielen anderen künstlerischen Belegen des Animationsfilmschaffens zur Sammlung des DIAF. Sein Archiv unterhält das Institut in den Technischen Sammlungen Dresden, wo es eine Dauerausstellung sowie auch wechselnde Sonderausstellungen und Filmvorführungen gibt.

Jörg Herrmanns Silhouettenfilm „Komponieren beim Spazieren“ ist online hier zu sehen: Carl-Maria-von-Weber-Museum .

Das Museum ist bis voraussichtlich 2028 für eine denkmalgerechte Instandsetzung geschlossen. Konzerte finden in dieser Zeit im Kügelgenhaus – Museum der Dresdner Romantik statt.

Alle Konzerte, Opern, Veranstaltungen und Ausstellungen im Weber-Jubiläumsjahr 2026:  www.visit-dresden-elbland.de/weber

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