Stadtteil-Geschichten: Löbtau

Hier steppt zwar nicht der Bär – vorbeikommen solltet ihr dennoch

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Westlich der Altstadt, kurz vor Gorbitz, liegt Löbtau. Da der Bär in Dresden eher woanders steppt, kommen die, die nicht ohnehin hier wohnen, eher selten in Löbtau vorbei. Was sie dadurch verpassen, erzählt der Kulturingenieur Felix Liebig.

Löbtau ist der schönste Stadtteil Dresdens, weil …

… er einfach sehr gut angelegt ist. Der Vermesser Emil Überall hat 1875 die Anatomie des Stadtteils festgelegt: Und die ist seitdem geprägt von freistehenden Häusern, viel Grün drumherum, dem großen zentralen Friedhof und den drei dezentralen Stadtteilplätzen: Dorfplatz, Conertplatz und Bonhoefferplatz. Alles ist luftig, großzügig, grün. Dazu kommt eine bunte und gute Mischung an Leuten, jungen und alten, die Löbtau lebendig machen.

Wie würden Sie Löbtau einem Ortsfremden erklären?

Stellen Sie sich eine Kuhweide vor, auf einem Hang südwestlich von Dresden, über die vor 950 Jahren der Meissner Bischof fuhr. Er fand diese kleine Ansiedlung – „Liubituwa“. Die Bauern trieben ihre Kühe über die Weide und es war hübsch und beschaulich. Mit der Industrialisierung bekam die Siedlung Vorstadtcharakter, wurde 1903 eingemeindet, jetzt wohnten hier Arbeiter. Inzwischen ziehen auch zunehmend höhere Angestellte und Akademiker her. Es ist sehr gemischt: Es gibt verwahrloste Orte, aber auch Straßenzüge, denen man anmerkt, dass es den Leuten wichtig ist, wie es vor der eigenen Tür aussieht.

Wer fühlt sich in Löbtau besonders wohl?

Familien leben gern hier, und es gibt viele ältere Leute, die ihr ganzes Leben in Löbtau verbracht haben. Auch Studenten – die Busverbindung zur Uni ist nämlich ausgezeichnet. Aber das Ausgehen ist ein Problem, da gibt es nicht viel. Auch haben wir nur wenige inhabergeführte Cafés und Bäckereien, auf der Hauptstraße dominieren die üblichen Ketten. Dennoch: Wir haben viel Off-Kultur, besondere Orte, Räume von alternativen Initiativen, die man kennen muss und in keinem Stadtmagazin findet. Unser Stadtteilladen ist so ein Ort.

Wenn Löbtau ein Mensch wäre: Wie würden Sie ihn charakterisieren?

Ein Student, dem noch nicht ganz klar ist, wo es hingehen soll. Bürgerlich oder alternativ? Eher links oder eher rechts? Er ist auch noch nicht vollständig seinen kindlichen Attitüden entwachsen.

Der Architekt und Kulturingenieur Felix Liebig wohnt seit 2011 in Löbtau. Er ist eines der drei Vorstandsmitglieder des Vereins Löbtop, der bürgerliches Engagement fördert und die kulturelle, soziale und städtische Entwicklung unterstützt. Zu Löbtop e.V. gehört ein Stadtteilladen, außerdem organisiert der Verein das Stadtteiljubiläum „950 Jahre Löbtau“.

Dieser Beitrag ist erstmals am 8. November 2018 erschienen.

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