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Giganten aus Stahl

So spektakulär ist die Dauerausstellung Eisenbahn im Verkehrsmuseum

Geschichte zum Anfassen: Viele der Exponate können auch erkundet werden. © Verkehrsmuseum Dresden

Die Erfindung der Eisenbahn machte das Leben, wie wir es heute kennen, erst möglich. Die Dauerausstellung zeigt wichtige Stationen der sächsischen und deutschen Eisenbahn­ge­schichte von den Anfängen bis in die Gegenwart – modern und interaktiv.

Die Inbetriebnahme der ersten Eisenbahnstrecken läutete nicht nur das industrielle Zeitalter ein. Auch das Leben der Menschen sollte sich dadurch massiv verändern. Die mobile Welt, wie wir sie heute kennen, wäre ohne die Eisenbahn nicht entstanden. Sachsen spielte dabei eine entscheidende Rolle: Auf der 120 Kilometer langen Stecke Leipzig-Dresden, die im April 1839 fertiggestellt wurde, fuhr die erste deutsche Fern- und die erste ausschließlich dampfbetriebene Eisenbahn in Deutschland.

Im Verkehrsmuseum Dresden werden anhand wertvoller Originale und Modelle die wichtigen Stationen der sächsischen und deutschen Eisenbahngeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart für Besucher erleb- und begreifbar. Die bisherige Dauerausstellung „Eisenbahn“ wurde dafür zwei Jahre lang komplett überarbeitet und feierte vergangenes Jahr Wiedereröffnung. Mit der lang­er­sehnten Öffnung der Museum Ende Mai nach monatelanger Corona-Pause ist nun auch die Dauerausstellung zum Schienenverkehr wieder zu sehen.

Dauerausstellung Eisenbahn macht Geschichte interaktiv erlebbar

„Die alte Dauerausstellung aus dem Jahre 2001 war sehr in die Jahre gekommen“, erklärt Benjamin Otto, Bereichsleiter Sammlungen und Ausstellungen im Dresdner Verkehrsmuseum. Das neue Konzept sei viel moderner und wurde komplett neu aufgebaut. „Auf rund 1.000 Quadratmetern präsentieren wir einen Querschnitt der knapp 200-jährigen Geschichte des Schienenverkehrs auf deutschem Boden. Schwerpunktmäßig erzählt die Ausstellung die Geschichte des Reisens auf Schienen, beginnend in den 1830er Jahren bis in die Gegenwart und wir werfen sogar einen Blick in die Zukunft“, so Otto. Der Fokus liege dabei auf dem ostdeutschen Raum und Sachsen im Speziellen.

Die Ausstellung gliedert sich in zwei Bereiche, die interaktiver, multimedialer und inhaltlich umfang- und abwechslungsreicher daherkommen als in der Vorgänger-Ausstellung:

  • „Im ersten Teil führen uns Johann Andreas Schubert, der Erbauer der „Saxonia“ und der Wagenbauer Thomas Clarke Worsdell interaktiv durch die Pionierjahre der Eisenbahn“, erklärt Otto.
  • Im zweiten Teil wird die Geschichte der Eisenbahn rasant weitererzählt. Dabei wird auch ein Blick auf die Geschichte der Deutschen Reichsbahn (DR) geworfen, ihre Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus und ihren Werdegang nach 1945 unter sozialistischen Verhältnissen. Nicht nur die Technik steht hier im Mittelpunkt. „Wir haben viele Interviews mit Menschen eingebaut, die etwas über die Eisenbahn früher wie heute zu erzählen haben“, so Otto. Zahlreiche Filme ermöglichen einen leichten Zugang zu den geschichtlichen Inhalten.
Die „Saxonia“, die erste funkti­ons­fähige deutsche Lokomotive, ist als Replik zu sehen. © Verkehrsmuseum Dresden
Die „Muldenthal“ gilt als älteste komplett erhaltene deutsche Lokomotive. © Verkehrsmuseum Dresden
Die „Saxonia“, die erste funkti­ons­fähige deutsche Lokomotive, ist als Replik zu sehen. © Verkehrsmuseum Dresden Die „Muldenthal“ gilt als älteste komplett erhaltene deutsche Lokomotive. © Verkehrsmuseum Dresden Geschichte zum Anfassen: Viele der Exponate können auch erkundet werden. © Verkehrsmuseum Dresden

Weitere Highlights der Dauerausstellung „Eisenbahn“

  • Augmented Reality: Wozu dient der Langkessel? Wie funktioniert die Dampfkammer? In virtuellen Videos, die über eine eigens für die Ausstellung konzipierte App zu sehen sind, können die Besucher einen Blick in die Bauteile der Dampflok IV K werfen.
  • Replik der „Saxonia“: Die „Saxonia“ ist die erste funktionsfähige deutsche Lokomotive, die in Deutschland gebaut wurde. Die Ausstellung präsentiert den einzigen originalen Nachbau, der 1989 anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der ersten deutschen Ferneisenbahn entstand.
  • Die „Muldenthal“: Im Jahr 1861 gebaut, gilt sie als älteste komplett erhaltene deutsche Lokomotive.
  • In den Führerstand der IV K klettern: Die Lok ist eine von noch drei im Originalzustand erhaltenen Schmalspurlokomotiven der Gattung IV K, die zwischen 1892 und 1921 an die Sächsische Staatseisenbahnen geliefert wurde.
  • Hofsalonwagen: Wie reiste eine Prinzessin des sächsischen Hofes? Ein Blick in den Hofsalonwagen von 1885 verrät es.

Geschichte erleben im Dampfbahn-Land Sachsen

Bestens ergänzen lässt sich der Museumsbesuch mit einer Fahrt auf einer der Dampfbahn-Routen Sachsens. Keine andere Region in Deutschland, oder darüber hinaus, verfügt über ein so lebendiges Kulturerbe mit fünf täglich betriebenen Schmalspurbahnen. Der Streckenverlauf orientiert sich am Verlauf der ursprünglichen Routen. Sie weist mit drei Ästen eine Länge von insgesamt 750 Kilometern auf.

  • Streckenast Sächsisches Burgen- und Heideland – Sächsisches Elbland – Dresden
  • Streckenast Dresden – Osterzgebirge – Sächsische Schweiz – Oberlausitz/Niederschlesien
  • Streckenast Dresden – Chemnitz – Erzgebirge – Vogtland

Mehr über die schmalspurigen Dampfbahn-Routen und die angebotenen Fahrten erfahrt ihr hier.

Aktuelle Öffnungszeiten

Das Verkehrsmuseum hat aktuell wöchentlich Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Tickets kosten 11 Euro, ermäßigt 5 Euro, Familie (1 Erwachsener, bis zu 2 Kinder) 11 Euro
Altstadt // Augustusstraße 1 – im Johanneum am Neumarkt // 0351 86440

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