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„Dresden hat Veganern und Veggies einiges zu bieten“

Interview mit Eckhard Fries, ProVeg-Regionalgruppe Dresden

Dresden vegan Szegediner Gulasch
Das Steffenhagen zählt unter Veganern und Vegetariern zu Dresden beliebtesten Restaurants. Dresden Magazin hat den Szegediner Gulasch von Betreiber Andreas Henning nachgekocht. Lecker! Foto: Line Holler Styling: Anke Rabeler

In Dresden wächst das Angebot an Cafés und Restaurants mit pflanzlicher Küche. Was veganer Lifestyle im Alltag genau bedeutet und warum sich Menschen dazu entschließen, haben wir Eckhard Fries gefragt. Er lebt seit Jahren vegan und ist in der ProVeg-Regionalgruppe Dresden engagiert.

Herr Fries, ist Dresden ein guter Ort für vegan lebende Menschen?

Ja! Dresden hat viele vegane Restaurants. In der Neustadt finden Sie in einigen Straßen kaum noch Restaurants, die kein veganes Angebot haben. Aber auch im bürgerlichen Barockviertel haben viele Gastronomen inzwischen mindestens ein oder zwei vegane Gerichte auf der Speisekarte. Das freut mich sehr.

Dresden vegan
Eckhard Fries engagiert sich bei der ProVeg-Regionalgruppe Dresden für die Verbreitung der pflanzlichen Lebensweise. Foto: C. Barthel

Immer mehr Menschen verzichten auf tierische Produkte. Warum?

Bei den meisten spielen ethische Gründe eine Rolle. Sich fleischfrei zu ernähren, ist zudem gut für die Umwelt und das Klima. Die weltweite Tierhaltung verursacht rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen und gehört zu den wichtigsten Verursachern der globalen Erwärmung. Manche entscheiden sich aber auch aus gesundheitlichen Gründen für eine pflanzliche Ernährung.

Wer denkt, Veganer würgen freudlos staubtrockene Gemüsebratlinge herunter, verpasst etwas.

Eckhard Fries, ProVeg-Regionalgruppe Dresden

Sie sind Mitgründer der ProVeg-Regionalgruppe Dresden. Was ist das Ziel des Vereins?

ProVeg ist eine internationale Ernährungsorganisation, die aus dem Vegetarierbund hervorgegangen ist und sich für die pflanzliche Lebensweise einsetzt. Unter anderem veranstalten wir Essen und geben Tipps, wie jeder seine Ernährung umstellen kann. Eine vegane Lebensweise ist aber aus meiner Sicht kein Dogma. Ich finde es schon einen wichtigen Schritt, wenn Menschen ihren Fleischkonsum reduzieren wollen.

Noch immer hält sich das Vorurteil, Veganer würgen freudlos staubtrockene Gemüsebratlinge herunter. Was entgegnen Sie?

Wer so denkt, verpasst etwas! Pflanzliche Küche ist bunt und vielseitig. Auch die Fleischalternativen haben sich weiterentwickelt und kommen vom Geschmack den tierischen Originalen sehr nahe. Und die vietnamesische, indische oder arabische Küche enthält von Haus aus viele Rezepte mit rein pflanzlichen Zutaten. Einfach mal ausprobieren!

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Was hat Sie dazu bewogen, vegan zu leben?

Ich lebe schon seit 25 Jahren vegetarisch und bin irgendwann zu der Erkenntnis gekommen, dass das mit Blick auf das Tierwohl nicht wirklich konsequent ist. Auch als Vegetarier unterstützt man fragwürdige Haltungsbedingungen, etwa, dass Kälber wenige Tage nach der Geburt vom Muttertier getrennt werden, damit die Menschen an die Milch kommen.

Was bedeutet das für Sie im Alltag?

Ich ernähre mich pflanzlich, also ohne Wurst, Fleisch, Käse, Fisch, Honig und Milchprodukte und möchte mich auch in anderer Hinsicht nicht an der Ausbeutung von Tieren beteiligen. Ich denke da an Bekleidung, Kosmetika, aber auch die nicht artgerechte Haltung von Wildtieren in Zirkussen und auch Zoos.

Es geht also beim veganen Lebensstil nicht nur um Ernährung?

Nein, es geht um alle Aspekte. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass Tiere auch für anderen Zwecke leiden müssen. Mein Ziel ist aber nicht, 100 Prozent vegan zu leben, das ist ohnehin nicht realistisch. So lehne ich natürlich keine medizinisch notwendige Behandlung ab, auch wenn ich weiß, dass bestimmte Medikamente an Tieren getestet wurden, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist. Und ich finde es im Sinne der Nachhaltigkeit auch völlig in Ordnung, wenn man seine alte Lederjacke, in der man sich wohlfühlt, nicht wegwirft, sondern weiterträgt.

Mitmachen? Unter proveg.com  gibt es Informationen zur Regionalgruppe Dresden und ihren Aktionen.

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