Kultur

Von der Couch aus Rembrandt, Rubens und Raffael erleben

Kuratorin führt Interessierte virtuell durch die Gemäldegalerie Alte Meister

Gemäldegalerie Alte Meister italienische Malerei
Die Ausstellung Italienische Malerei 14. bis 17. Jahrhundert in der Gemäldegalerie Alte Meister lockt eigentlich Tausende Besucher – wäre da nicht die Corona-Pandemie. Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, H.C. Krass

Solange die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen sind, können Kunstliebhaber virtuell durch die Sammlungen schlendern. Jeden Samstag werden kostenlose Führungen angeboten. Aber auch via YouTube gibt es einiges zu entdecken, zum Beispiel diese Führung mit Kuratorin Dr. Claudia Kryza-Gersch. Unsere Empfehlung!

Dr. Claudia Kryza-Gersch nimmt uns mit auf eine Tour. Eine Tour durch die Gemäldegalerie Alte Meister und auf eine spannende Reise in die Geschichte der Kunst. Ganz besondere Stücke der Sammlung und deren Kontext finden da ebenso Platz, wie kleine versteckte Details – das ist äußerst unterhaltsam und dazu unglaublich informativ. Entdeckt das Verborgene, das dem flüchtigen Blick regelmäßig entgeht, lehnt euch zurück und genießt. Mit einem Glas guten Weins ist diese Führung ein doppelter Genuss.

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4 Fragen an…Kuratorin Dr. Claudia Kryza-Gersch

Wie erschließen Sie sich selbst ein Kunstwerk?

Das hängt meistens sehr mit meinem Beruf, der ja auch meine Leidenschaft ist, zusammen. Wenn es sich etwa um Renaissance- oder Barockplastik handelt, arbeiten sofort meine grauen Zellen, speichern das Werk ab und ordnen es ein. Sehr oft fahre ich ja zum Beispiel auch irgendwo hin, um ein ganz bestimmtes Kunstwerk zu „studieren“ – da bin ich dann vorbereitet und weiß bereits viel darüber. Ich zeichne das Werk dann auch gerne ab, weil mich das zu einem sehr genauen Hinsehen zwingt. Kunstwerke, über die ich selbst nicht forsche, schaue ich hingegen an wie (fast) jeder andere auch – naja, in Gemäldegalerien spiele ich gerne „Erkenne den Künstler ohne die Beschriftung zu lesen“ mit mir selbst – da freue ich mich dann, wenn ich richtig geraten habe. Ich kann die Kunsthistorikerin in mir eben nicht abschalten und die interessiert sich auch für anderes als ihr unmittelbares Forschungsgebiet. Wenn ich hingegen eine Sammlung besuche, wo ich mich gar nicht auskenne, wie zum Beispiel asiatische Kunst, schaue ich nur an, was mir gefällt und ergebe mich dem Sinnesreiz ohne das Gehirn bewusst einzusetzen. Das entspannt herrlich!

Was bedeutet für Sie Kunstgenuss?

Für mich – und das ist eine sehr persönliche Ansicht (was Kunstgenuss immer sein sollte) – geht es meist um das subjektive Gefühl von Schönheit, dass mir also etwas außerordentlich gut gefällt. Ich lasse mich gern in eine ideale Welt entführen und träume von perfekter Harmonie. Das ist der Genuss für mich. Erleben tut man beim Betrachten von Kunst natürlich auch anderes: Man kann bestürzt, aufgewühlt oder sogar richtig traurig werden. Aber das genieße ich ehrlich gesagt nicht so. Für mich soll Kunst in erster Linie beglücken.

Wie gelingt es, was braucht es, um sich von Kunst berühren zu lassen?

Ein offenes Herz, etwas Zeit und den Willen, sich auf das, was man sieht, richtig einzulassen, und nicht nur vorbei zu hasten oder eine Liste aus dem Baedeker abzuarbeiten.

Gibt es ein Kunstwerk, das Sie zu Tränen gerührt hat?

Bei Musik – ich liebe Oper – kommen mir regelmäßig die Tränen. Bei Kunstwerken sind es meist Räume, die mich überwältigen. Das letzte Mal war das in der Würzburger Residenz der Fall, im Treppenhaus mit dem Fresko von Tiepolo.


Dr. Claudia Kryza-Gersch ist gebürtige Wienerin. Nach dem Studium der Kunstgeschichte und
Archivwissenschaften an der Universität Wien, wo sie 1996 promovierte, führte sie ihr Weg in die USA, u.a. an das Metropolitan Museum in New York. Von 2003 bis 2013 war Kryza-Gersch an der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums Wien Kuratorin für Renaissanceskulptur. Es folgte eine Lehrtätigkeit am Institut für Kunstgeschichte an der Universität Wien. Seit 2017 ist sie Kuratorin für Renaissance- und Barockskulpturen an der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Hier hat sie 2018 die Sonderausstellung „Schatten der Zeit. Giambologna, Michelangelo und die Medici-Kapelle“ im Dresdner Zwinger kuratiert.


Ein Blick in die Antikenhalle der Gemäldegalerie Alte Meister und Skulpturensammlung bis 1800. Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, H.C. Krass

Weitere virtuelle Angebote der Gemäldegalerie Alte Meister und Skulpturensammlung bis 1800

entweder: samstags 11 Uhr kostenloser Live-Rundgang

  • Termine: 27. Februar, 6. März sowie 13. März 2021 (mehr Informationen hier)
  • Dauer: 45 Minuten
  • Per Zoom:  Einwahl vor Führungsbeginn über diesen Link.

oder: auf eigene Faust durch die Ausstellung – einfach hier klicken.

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