Kultur

Gerhard Richter: Sonderschau im Albertinum

So feiert Dresden den Jahrhundertkünstler

Gerhard Richter
Am 9. Februar 1932 wurde Gerhard Richter in Dresden geboren. Foto: David Pinzer

Gerhard Richter zählt zweifelsohne zu den bekanntesten Söhnen Dresdens. Anlässlich seines 90. Geburtstag Anfang Februar widmet die Stadt dem höchstdotierten lebenden Maler eine Sonderschau im Albertinum. Die Ausstellung gibt Einsicht in die private Bilderwelt des berühmten Künstlers.

Die Malerei hat Gerhard Richter zwar 2018 aufgegeben, nicht aber sein künstlerisches Schaffen per se. Er zeichnet weiter. Greift nun eben ausschließlich zu Bleistift und Fettkreide anstatt zum Pinsel. Auch neu: Richter mag es mittlerweile durchweg kleinformatig.

Gerhard Richter – der Hype um seine Person kümmert ihn wenig

Großes beweisen muss er als einer der unbestritten bedeutsamsten Künstler unserer Zeit ohnehin nicht mehr. Superlative hat er als höchstdotierter lebender Maler in der Vergangenheit genug zu verantworten gehabt. Richters „Abstraktes Bild“ kam bei einer Auktion in London im Jahr 2015 für die Rekordsumme von umgerechnet 41 Millionen Euro unter den Hammer.

Gerhard Richter
2001 schuf Richter mit Ölfarben auf Alu-Dibond das Abstrakte Bild 875-6.

1932 in Dresden geboren, verließ Gerhard Richter 1961 die damalige DDR und ging an die Düsseldorfer Kunstakademie. Bekannt wurde er einer breiten Öffentlichkeit vor allem durch seine Fotobilder in den frühen 1960er-Jahren und abstrakten Gemälde. Sein Gesamtwerk umfasst bis heute mehr als 30.000 Werke. Gerhard Richter selbst ist sein Ruf in der Kunstwelt nur ein Schulterzucken wert. Er spricht allenfalls von einem Hype um seine Kunst und seine Person – und das ist ihm dann doch zuwider.

Mit dieser Aktion sorgte Gerhard Richter in Dresden für Furore

Andererseits kommentiert er seine Popularität mit überaus selbstironischen Aktionen. So besuchte Richter nach 26 Jahren im Dezember 1986 zum ersten Mal wieder seine Geburtsstadt Dresden. Für Furore sorgte damals sein Auftritt bei der Ausstellung im Rahmen des innerdeutschen Kulturabkommens. Künstler der Bundesrepublik sowie der damaligen DDR hatten dabei ein gemeinsames Bild gemalt. Richter, der vor den TV-Kameras aus Ost und West als Letzter seine Pinselstriche auf dem Werk ziehen sollte, kam nicht umhin, der Kunstaktion seine ganz persönliche Pointe zu verpassen: Er setzte seine Signatur quer über das ganze Bild.

Sich ein Bild machen, eine Anschauung haben, macht uns zu Menschen – Kunst ist Sinngebung, Sinngestaltung, gleich Gottsuche und Religion.

Gerhard Richter, Notizen 1962

Diese Aktion einmal ignorierend, gilt Richter als extrem bescheiden und überaus selbstkritisch. Was auch der Grund dafür ist, dass er sich bis heute allen Plänen, seiner Kunst eigene Museen zu widmen, erfolgreich in den Weg stellte.

Albertinum zeigt bis Ende April seltene Werke Richters

Bei der Sonderschau im Albertinum erhält das Gerhard-Richter-­Archiv der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden trotzdem Unterstützung vom Meister. Zwei Räume sind seit einigen Jahren Richters neuesten Werken vorbehalten. Zur von Richter kuratierten Schau zu seinem 90. Geburtstag werden erstmals in drei Räumen Bilder zu sehen sein.

Unter den Exponaten befinden sich sowohl Gemälde aus dem privaten Besitz des Künstlers, aus nationalen und internationalen Galerien sowie auch selten ausgestellte Bilder der Gerhard-Richter-Stiftung. Zu den Leihgaben gehören unter anderem das Selbstporträt aus dem Museum of Modern Art New York sowie Familienbildnisse, etwa von Richters Töchtern Betty und Ella.

1977 fertigte Gerhard Richter Porträts seiner Tochter Betty an. Dieses und weitere Ölgemälde basieren auf Fotografien.

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