Genuss

„Man kann ja nicht schlechter kochen als man kocht“

Zu Besuch im Genuss-Atelier bei Sternekoch Marcus Blonkowski

Genuss-Atelier Dresden
Sieben Mal echte Passion – Marcus (Mitte) und Nicole Blonkowski (2.v.r.) mit ihrem Team. Foto: Carina Sonntag für Genuss-Atelier Dresden

Wer kulinarische Überraschungen sucht, wird in den Restaurants von Dresden und der Region Elbland fündig. Für unsere Reihe haben wir mit einigen unserer Spitzenköche über deren Passion für gutes Essen gesprochen, darüber, was sie antreibt und was ihre Küche ausmacht. Viel Spaß beim Lesen und guten Appetit!

Marcus Blonkowski hatte nie das Ziel vor Augen einen Stern zu „erkochen“. Auch nicht als er 2014 gemeinsam mit seiner Schwester Nicole das Genuss-Atelier eröffnete. „Man kann ja nicht schlechter kochen als man kocht“, so kommentiert Blonkowski die Tatsache, dass er seit 2019 einen Guide Michelin-Stern mit sich führen darf.

Wer im Genuss-Atelier Dresden speisen will, muss früh reservieren

Der Stern hat also selbst seinen Weg zum Genuss-Atelier gefunden, wie die Gäste auch ihren Platz am Tisch von Blonkowski. Vorbeikommenden Passanten gibt sich das Genuss-Atelier als Lokal kaum zu erkennen, was auch gut so ist. Denn ein solches Lokal lebt nicht von Laufkundschaft, sondern von Vorbestellungen. In der Zeit vor Corona war das Genuss-Atelier im Schnitt vier bis fünf Wochen im Voraus ausgebucht.

Dass es sich gut speist in dem Lokal an der Dresdner Waldschlößchenbrücke, das hat sich bereits vor dem Sternesegen herumgesprochen:

Viele unserer Gäste kommen durch Weiterempfehlung oder sind Stammgäste. Mittlerweile werden allerdings mehr als ein Drittel durch den Michelin-Stern angezogen, vor allem internationale Gäste. Man reist, um gut zu speisen und auf der Route Berlin-Dresden-Prag gibt es die Highlights der Top-Metropolen on top.

erzählt Sternekoch Marcus Blonkowski
Sternekoch Marcus Blonkowski
Sternekoch Marcus Blonkowski

Marcus Blonkowski wurde nach dem Ausschlussverfahren Koch

Aber woher kommt die Leidenschaft fürs Kochen? Auch hier bricht der 35-Jährige (Jahrgang 1986) mit den Mustern, berichtet nicht von dem Geschick der Großmutter an den herrlich duftenden Kochtöpfen oder dem Aha-Erlebnis beim zufällig in der Küche absolvierten Praktikum. Marcus Blonkowski wurde nach dem Ausschlussverfahren Koch: Büro, Maschinenarbeit oder Akademikerlaufbahn waren nicht seins, „blieb also nur die Dienstleistungsbranche übrig“ und hier ein Ort, wo man mit einer offenen Art und Zunge bei der Kundschaft nicht ins Fettnäpfchen treten kann: die Küche. Die Rolle der freundlichen Gastgeberin überlässt Blonkowski seiner Schwester Nicole.

Das Genuss-Atelier verspricht: Feinste Gerichte ohne viel Schnickschnack

Er kocht, und zwar das, was ihm selbst schmeckt. Auf der sechs- bis achtmal pro Jahr wechselnden Speisekarte stehen Fleischgerichte, vegetarische Speisen, Fisch – „ohne viel Schnickschnack zubereitet, aber garantiert mit den qualitativ besten Zutaten“, so Blonkowski. Das schätzen die Gäste und vertrauen dem Sternekoch und seinem 3-köpfigen Küchenteam quasi blind.

Die meisten unserer Gäste bestellen das 4- bzw. 5-Gang-Überraschungsmenü und auch bei den Weinen verlassen sie sich vollkommen auf unsere Empfehlung.

Marcus Blonkowski

Die Weine ordert Blonkowskis Schwester und kreiert eine Weinkarte, die eine Ausnahme ist in Dresden. „Bei uns gibt es nur Weine aus unserem hiesigen Weinanbaugebiet, dem Elbland, und aus dem Saale-Unstrut-Gebiet. Mein Anspruch ist es, auch Kenner der regionalen Weine zu überraschen – mit eher kleineren, weniger bekannten Winzern“, erzählt Nicole Blonkowski.

Preise im Genuss-Atelier vergleichsweise günstig für ein Sternerestaurant

Für das 4-Gang-Menü zahlt der Gast im Genuss-Atelier 55 Euro und 29 Euro für die entsprechende Weinbegleitung – vergleichsweise günstig also für ein Sternerestaurant. „Gutes Essen sollte für viele Menschen möglich sein, auch wenn vielleicht nicht alle Tage“, so der Anspruch der Geschwister Blonkowski.

  • Genuss-Atelier Dresden
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Und wie steht es mit dem eigenen Genuss am Essen? „Meine Frau und ich gehen sehr gern sehr gut essen. Wenn unser Sohn etwas größer ist, wollen wir wieder mehr reisen und dies wie früher mit einem Besuch anderer guter Lokale verbinden, in den skandinavischen Ländern, in Frankreich und Deutschland“, so Blonkowski. Oder in Österreich, etwa im Gourmet Restaurant im Palais Coburg in Wien, wo Blonkowski bis 2014 Junior Souschef war. „Wien ist eine traumhafte Stadt, die Auswahl an 1 a Lokalen ist riesig, die Qualität top und die Menschen geben hier sehr viel Geld für gutes Essen aus, gehen schon mittags und mitten in der Woche ins Sternerestaurant essen“, schwärmt er.

Genuss-Atelier Dresden
Das Besteck kann der Gast selbst hervorzaubern – aus den individuell gefertigten Tischen.

Dresden: Auch für Sterneköche ein Genuss

Insgesamt acht Jahre lebte Blonkowski in der österreichischen Landeshauptstadt. Dennoch führte ihn sein Weg wieder zurück in die Heimat, zu einem Lokal, das nur samstags Mittagstisch bietet und an fünf Tagen in der Woche geöffnet hat – das Genuss-Atelier.

Dresden ist eben Dresden und nicht Wien oder Paris. Und wenn die vielen Touristen in die sächsische Landeshauptstadt kommen, um die Besonderheit des Ortes kennenzulernen, dann ist eben auch das Genuss-Atelier Dresden ein ganz besonderer Teil davon.

So könnte ein Überraschungsmenü aussehen, wenn der Gast kein Fleisch, dafür aber Fisch besonders mag und ein echter Liebhaber von Wein aus dem Elbland ist.

Beispiel Überraschungsmenü 4-Gänge

Aus der aktuellen Speisekarte des Genuss-Ateliers:

  1. Senf-Ei – Kartoffel – Kresse (optional mit Imperial Gold Kaviar vom Stör)
  2. Gelbschwanzmakrele – Quinoa – Alge – Zitronn
  3. Kabeljau – Chicorée – Steckrübe – Curry
  4. Mohn – Hagebutte – Haselnuss

Weinbegleitung

Cabernet Blanc, Weingut Jan Ulrich, Diesbar-Seußlitz, Sachsen, Prädikatswein, trocken
Muscaris, Weingut Rothes Gut Meißen by Tim Strasser, Meißen, Sachsen, QbA-trocken
Blanc de Noir, Weingut Stefan Bönsch, Langebrück, Sachsen, QbA-trocken
Regent Likörwein, Weingut Schuh, Sörnewitz, Sachsen

Teil 1 unserer Serie: Mario Pattis und sein Familienrestaurant „Erholung“

Teil 3 unserer Serie: Zu Besuch bei Martin Walther in seinem Restaurant „Heiderand“

Teil 4 unserer Serie: Sterneküche als Event: Zu Besuch im „Atelier Sanssouci“

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