Kultur

ÄTNA: „Wir sind noch tanzbarer geworden“

Dresdner Elektro-Pop-Band im Interview

Ätna
ÄTNA - das sind Inéz Schaefer und Demian Kappenstein. Kennengelernt hat sich das Elektro-Pop-Duo an der Musikhochschule Dresden. Foto: Louise Amelie

Klänge aus einer anderen Sphäre – das beschreibt die Musik der Dresdner Band ÄTNA vielleicht am treffendsten. Ein Interview.

Schon mit ihrem Debütalbum „Made By Desire“ haben ÄTNA klar gemacht: Norm-Pop ist das hier nicht. Mit ihren neuen Album „Push Life“ haben die Wahldresdner sich in ihrer Kreativität nochmals übertroffen. Dabei war die Pandemie nicht leicht für sie.

Dennoch oder vielleicht gerade deswegen ist es den avantgardistischen Soundkünstlern gelungen, eine Platte eingängiger Hooks und treibender Rhythmen zu präsentieren. Ein Kraftwerk an Kreativität. Ein Multiversum aus Sound, Bewegung, Sprache und Weirdness. Wir haben Inéz Schaefer und Demian Kappenstein zum Interview getroffen.

Mit „Push Life“ habt ihr euren zweiten Longplayer abgeliefert. Wie ist das Album entstanden?

Demian: Die Arbeit an den neuen Songs kam sehr unverhofft. Wir waren noch mitten auf Tour, als durch die Pandemie auf einmal alles zum Erliegen kam. Wir mussten uns erstmal sammeln, haben dann aber relativ schnell wieder mit dem Produzieren angefangen. Wir sind an die Instrumente, ohne wirklich einen Plan zu haben. Als die ersten Skizzen fertig waren, wussten wir aber sofort: Das wird das neue Album. Zusammen mit dem Produzenten Moses Schneider wurde uns dann klar, dass wir noch tanzbarer und noch direkter im Sound geworden sind.

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Während der Pandemie mussten wir auf vieles verzichten, waren deutlich häufiger zuhause als gewohnt, konnten weniger Menschen treffen. Was hat euch trotz allem zu neuen Songs inspiriert?

Demian: Die von der Pandemie bestimmte Zeit war sehr entbehrungsreich. Man konnte sich eben nicht wie sonst in den Clubs und im Nachtleben Inspiration und Lebensenergie holen. Wir haben uns daher auch viel auf unsere Vergangenheit rückbesonnen. Wir sind beide Kinder der 90er. Künstler wie The Prodigy oder Enya haben uns beide inspiriert. Das klingt aus dem Album klar heraus. Außerdem haben wir neue Instrumente ausprobiert und uns mit dem einen oder anderen neuen Synthesizer eingedeckt. Ich habe auch angefangen mich neben dem Schlagzeug parallel mit einer Hand am Bass zu begleiten, um live noch mehr rausholen zu können.

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Seit 2016 produziert das Elektro-Pop-Duo Ätna Independent-Beats. Foto: Josefine Schulz

Inéz: Wir sind ein paar Mal in die Sächsische Schweiz gefahren, zum Wandern und um über Songs und Texte nachzudenken. Ab und an hatten wir auch mal Besuch von außerhalb – zum Beispiel von Freunden aus Berlin. Hier in Dresden ist es grüner und ruhiger als in der Hauptstadt.

Was war die größte Herausforderung für euch während der Pandemie?

Inéz: Durchzuhalten und weiterzumachen. Kaum direkte soziale Kontakte zu haben empfand ich schon als starke Belastung. 

Demian: Finanziell war es ebenfalls eine Herausforderung. Man muss sich vorstellen, dass bestimmt 40 bis 50 Konzerte in eineinhalb Jahren verschoben und teilweise ausgefallen sind. Es fiel uns schwer, uns dann nicht zu sehr damit zu beschäftigen, wie hoch tatsächlich der finanzielle Verlust ist.

Welchen Einfluss hat Dresden auf eure Bandgeschichte genommen? Würdet ihr andere Musik machen, wenn ihr in einer anderen Stadt leben würdet?

Demian: Dresden hat auf jeden Fall Einfluss auf unsere Musik. Zum einen sind wir hier alle ersten Schritte gegangen – vom ersten Musikvideo über kleine Auftritte bis zu den ersten Live-Konzerten. Zum anderen haben wir wirklich sehr viel Unterstützung von der Szene bekommen. Es gibt viele Themen, die durch das Miteinander präsent werden. In der Stadt herrscht ein fragwürdiges Demonstrations- und Kritikverhalten, insbesondere die Montagsdemos, die auch national für Aufsehen gesorgt haben. Wir haben uns schon immer mit politischen Debatten auseinandergesetzt und sahen uns auch verpflichtet, uns da zu engagieren. Denn das Bild der Stadt darf nicht nur von Ablehnung und Engstirnigkeit geprägt sein.

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Ist Dresden eine gute Stadt für junge, kreative Musiker?

Demian: Ja. Aber das Potential ist aber noch ausbaufähig. Wir bemühen uns die Stadt noch kreativer zu machen. Es geht um Arbeitsräume, finanzielle Unterstützung, Kulturförderung, um das Bild nach außen – das Anziehen von kreativen Kräften. So viel Underground wie in Berlin oder Leipzig gibt‘s vielleicht nicht, aber dafür sind wir ja hier.

Wenn man für ein Wochenende in Dresden zu Besuch ist, was muss auf die To-do-Liste?

Demian: Auf jeden Fall zu der Imbissbude am Lingnerschloss fahren. Da schaut man über die ganze Stadt – eine atemberaubende Aussicht. Das ist auch etwas, das Dresdner mit Erstbesuchern gut teilen können, das begeistert alle und wird nie langweilig.

Inéz: Und dann würde ich auf jeden Fall in die Kunsthofpassage, dort kann man sehr gut Kaffee trinken. Danach würde ich durch die Neustadt laufen, zum Goldenen Reiter und den Hintern des Pferdes angucken, und ins Eiscafé Venezia. Anschließend einmal über die Carolabrücke, da hat man auch wieder eine großartige Aussicht und dann ist man auch schon in der Altstadt. Wer an Barock interessiert ist, der kann man hier perfekt schlendern und sich die wiedererrichteten alten Gebäude angucken.

Nächste Konzerttermine:
7. Oktober Nürnberg Pop Festival 
20. Oktober Marburg
21. Oktober Freiburg
22. Oktober Stuttgart
27. Oktober Wien
28. Oktober Graz
29. Oktober Linz
9. November Essen
10. November Hannover
11. November Bremen
12. November Kassel
17. November Leipzig
18. November Rostock
18. November Potsdam
22. November Mannheim
23. November Luzern
24. November Zürich
25. November Bern
2. Dezember Dresden

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