Freizeit & Familie

Runner’s High am Blauen Wunder

Warum Läufer Dresden einfach nur lieben können

Die Wettkampfläuferin Juliane Schmidt beim Coaching von Training³ vor historischer Kulisse.
Die Wettkampfläuferin Juliane Schmidt beim Training vor historischer Kulisse. Foto: Training³

Dresden ist Deutschlands Laufhauptstadt. Liegt das an den besonders schönen Strecken? An den vielen Angeboten und Events? Die besondere Mischung macht’s. Ein Stimmungsbild aus der Stadt, die immer mehr Laufsportler und Jogger aus ganz Deutschland als Trainings­gelände für sich entdecken.

Man könnte meinen, Dresdens Architekten seien allesamt Läufer gewesen. Warum?

  • Eine Runde durch den Großen Garten – von der Hauptallee zum Palais, auf dem äußeren Weg am Neuen Teich vorbei, rüber zum Carolasee und zurück zum Start: fünf Kilometer.
  • Ministeriumsparkplatz bis Kaffee Rosengarten, über die Waldschlößchenbrücke zum Brühlschen Garten, Frauenkirche und zurück zum Ministeriumsparkplatz: zehn Kilometer.
  • Marienbrücke, Elberadweg, Blaues Wunder und zurück: 15 Kilometer.
  • Niederwartha-Brücke in Radebeul zum Blauen Wunder hin und zurück: 40 Kilometer.

Schon auffällig.

Wenngleich das Zufälle sein könnten, so haben die Dresdner sie bemerkt. Denn Dresden ist Deutschlands Laufhauptstadt. Das mag zunächst etwa so haltlos klingen wie die Theorie der joggenden Architekten. Aber Fakt ist: Schaut man sich die Läufe in Deutschlands zwölf größten Städten an und stellt Einwohner- und Finisher-Zahl ins Verhältnis, so landet Dresden auf Platz 2. Direkt hinter Frankfurt am Main, das mit seiner „JPMorgan Chase Corporate Challenge“, an der jährlich rund 70.000 Läufer teilnehmen, zumindest statistisch nicht einzuholen ist.

In Dresden läuft es sich einfach schön

Dass in Dresden so viel gelaufen wird, hat mehrerlei Gründe. Ein ausschlaggebender ist zweifelsohne, dass man hier wortwörtlich schön laufen kann. Ganz gleich, welche Distanz man trainieren möchte – man wird markante Bauten finden, die exakt die gewünschte Meterzahl voneinander entfernt liegen. Der Große Garten ist ein wahres Eldorado für Läufer. Einsteiger wie Tempobolzer finden hier ideale Bedingungen für individuell angepasste Runden. Nicht weit entfernt liegen ausgedehnte Waldgebiete wie die Dresdner Heide. Und dann ist da natürlich der Elberadweg, der über eine Strecke von 30 Kilometern entlang des Flusslaufs durch die ganze Stadt führt, fortwährend vorbei an barocker Pracht. Und ist obendrein dank seiner planen Asphaltoberfläche wie gemacht für Läufer. Wem langsam die Luft ausgeht, der joggt gemütlich über eine der neun Brücken und kehrt um.

André Egger sieht einen weiteren Grund, warum Dresden Laufstadt ist: „Die Szene ist sehr konkurrenzfrei.“ Der 41-Jährige kennt sie wie kaum ein anderer. Weil er selbst seit 20 Jahren hier läuft. Und weil er den Großteil der Wettkämpfe etabliert hat. „Alle Läufe funktionieren unabhängig voneinander, sprechen verschiedene Zielgruppen an, führen durch unterschiedliches Terrain.“ 2008 gründete er die Agentur Laufszene Events. „Damals hatte die Landeshauptstadt abseits des Ober­elbe-Marathons und des Dresden Marathons wenig zu bieten.“ Das sollte sich ab dann schnell ändern.

Schon ein Jahr später fand erstmals ein Firmenlauf in Dresden statt, die „Rewe Team Challenge“. Vom Altmarkt geht es vorbei am Zwinger und der Semperoper bis ins Rudolf-Harbig-Stadion. Fünf Kilometer. Das ist auch für Anfänger mit etwas Übung machbar. „Mein Kollege Reinhardt Schmidt erzählte damals bei der Pressekonferenz von einer Mission: 10.000 Teilnehmer. Ich weiß noch, wie ich mir in die Faust gebissen und gehofft habe, dass das niemand druckt. Denn das war natürlich eine irre Zahl“, lacht Egger. Wie kein anderer steht der Firmenlauf heute für die Laufbegeisterung der Stadt. 25.000 Läufer nahmen zuletzt teil. Gestartet wird mittlerweile in fünf Wellen. Eine Idee, die sich Egger und sein Team vom New-York-City-Marathon abgeschaut haben.

Dresdens Straßenläufe locken inzwischen zehntausende Teilnehmer und Besucher in die Stadt

Schnell wurden weitere Events erdacht. 2010 kamen die Nachtläufe dazu. Der Citylauf mit fünf und zehn Kilometern, die beide durch das historische Zentrum führen. Der Frauenlauf. Der SachsenTrail. Mehrere Adventure-Walks. Sieben Straßenläufe finden heute über das Jahr verteilt statt, an denen längst nicht mehr nur Dresdner teilnehmen. Die Stadt lockt mit ihren herrlichen Strecken die ganze deutsche Laufszene an. Die Ambitionierten trifft man bei den Events. Die Aktivurlauber und Freizeitläufer eher im Großen Garten, Prießnitz- oder Plauenscher Grund, an den Elbwiesen, im Heller, auf der Holz-Stufen-Runde von Bühlau oder in der Dresdner Heide.

Und wenn alles so richtig perfekt ist, so unglaublich überdurchschnittlich, dann fühlt man ihn, den Runner’s High. Ganze Bücher wurden über das Hochgefühl geschrieben, jenen euphorischen Gemütszustand, der einen jegliche Anstrengung vergessen und glauben lässt, ewig so weiterlaufen zu können. Dreimal war André Egger schon im Läuferhoch. Das nächste wartet sicher schon. Irgendwo zwischen Niederwartha-Brücke und Blauem Wunder.

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