Peter Ufer

Die Dresdner und ihr Elbflorenz Das bleibt gefälligst gefällig!

A uf die bildende Kunst bilden sich die Hiesschn was ein. Und erst recht auf die Theater und die Musik. Die Schatzsammlungen. Und die wein- und efeuumrankten Villen. Peter Ufer weiß, was sich in Dresden bestimmt nie ändern wird. Elbflorenz präsentiert alles repräsentativ. Das, nu freilich, das bleibt!

21. August 2020

Schwaden schweben schwindlig flussaufwärts. Morgens geschieht das oft. Dann legt sich Nebel ins Elbtal. An den Hängen des Flusses träumen steinerne Diven unverdrossen von gestern, die Menschen von dem, was kommen mag: Ihre Anlageobjekte zäunen sie zukunftsträchtig ein. Putten und Faune beklettern die wein- und efeuumrankten Villen, die hier „Abendstern“ und „Alpenrose“, „Frohsinn“ oder „Friedenseckchen“ heißen. Zwischen die Sehnsuchtsorte drängt sich neue Glasfassadenarchitektur mit Weitblick, aber ohne Namen. Unvergessen die Kriegszerstörung 1945 und der 70 Jahre lange Aufbau. Zeit raubt Schönheit, aber nicht hier, hier nicht, bitte schön! Das bleibt gefälligst gefällig.

Dampfer schaufeln das Flusswasser beiseite, schippern vorbei am Zentrum mit einer Silhouette aus Frauenkirche und barocken Restbeständen von Kurfürst August, der als der Starke die Residenz zur Traummetropole eines Kaiserreiches ausbauen wollte. Die Schatzsammlungen des Wettiner Adels häufen sich im Zwinger und im Residenzschloss. Ein sächsischer Louvre, der sich dem Weltvergleich stellt, weil hier Raffaels Sixtinische Madonna mit ihren heiteren Engeln größer ausgestellt wird als da Vincis „Mona Lisa“, die vor lauter fotografierenden Touristen keiner mehr sieht.

Dr. Peter Ufer Dresdner Journalist Moderator Autor
Der Dresdner Autor und Journalist Peter Ufer begeistert seine Leserinnen und Leser mit humorvollen und faktenreichen Texten.

Zeit klingt nach – mit ewig schwingendem Resonanzboden

Elbflorenz präsentiert alles repräsentativ, von Canaletto bis Gerhard Richter, gebürtiger Dresdner, teuerster Maler der Gegenwart. Auf die bildende Kunst bilden sich die Hiesschn was ein. Und erst recht auf die Theater und die Musik, Semperoper, Musikfestspiele, weltgewandte Sänger, die Jazztage, Staatskapelle und Philharmonie, das Dixieland Festival, deutschlandweit die meisten Schriftsteller pro Buchhandlung und die meisten Klavierstimmer pro Haushalt. Zeit klingt nach, aber hier mit ewig schwingendem Resonanzboden. Das bleibt gefälligst.

Hoch über der Elbe im Süden tummeln sich Tausende Studierende aus allen Kontinenten, ein Stadtteil mit exzellenten Instituten der Technischen Universität. Visionen von Ingenieuren gehören zur Dresden-DNA, gewinnbringender Forschergeist von der Erfindung des ersten europäischen Porzellans, der Kleinbildkamera über die Idee zum Bau der Fernsehröhre bis zur Solarfolie oder zu Lösungen zur Heilung von Parkinson und Leukämie. Die Zeit baut sich digitale Netzwerke. Das bleibt.

Links und rechts des Flusses das Daheeme der Sachsen mit ihrer unaussprechlich feinen Mundart. Großes Herz und täglich frische Semmeln und Eierschecke, Stollen zur Weihnachtszeit und immer spielt Dynamo Dresden. Auf dem Mannschaftsbus des Fußballvereins steht in goldenen Lettern auf Schwarz „Legende aus Elbflorenz“. Das klingt wie 1. Liga und das wird auch wieder … irgendwann. Die Dresdner babbeln derweil über die Gottlosen und die Welt. Von Zeit zu Zeit schwimmen sie gegen den Strom. Das, nu freilich, das bleibt!

Dr. Peter Ufer ist Dresdner Autor. Er schreibt über die Geschichte, Mentalität, Kultur und die Sprache der Sachsen. Neben „Dresden für Liebhaber“ schrieb er „Rund um Dresden für Liebhaber: 99 Orte. überraschend. anders.“ und „Deutschland, Deine Sachsen – eine respektlose Liebeserklärung“. Seit 2008 kürt er gemeinsam mit einer Jury das „Sächsische Wort des Jahres“ und richtet den Deutschen Karikaturenpreis in Dresden aus.